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Türkei nach dem Referendum : Grabesruhe in Ankara

Erdogans Sieg hat die türkischen Aktienkurse beflügelt, denn für die Investoren zählt Sicherheit. Dass es sich dabei um Grabesruhe handelt, das wischen die Profiteure autoritärer Regime nonchalant beiseite.

          Die freie Welt ist entsetzt, die Wirtschaft freut es: Die Türkei wird künftig vom Präsidenten allein regiert werden, weitgehend ohne lästige Kontrollen durch Parlament, Justiz, Presse. Erdogans Sieg im Referendum hat die türkischen Aktien- und Devisenkurse beflügelt, auch die internationalen Unternehmen können damit gut leben. Denn für die Investoren zählen dieselbe Sicherheit und Stabilität, die Erdogan auch dem Wahlvolk verspricht. Dass es sich dabei um Grabesruhe handelt, um einen Frieden auf Kosten von Abweichlern, das wischen die Profiteure autoritärer Regime nonchalant beiseite.

          Doch dieser Blick ist kurzsichtig, wie sich in China zeigt. Jahrelang umgarnte die Wirtschaft die Machthaber in Peking und wünschte ihre Kritiker zum Teufel. Jetzt jedoch, wo der Marktzugang schwieriger und die Rechtsunsicherheit spürbarer werden, erwarten die Manager den Schulterschluss der internationalen Politik, Justiz und Medienwelt.

          Besser wäre es, sich rechtzeitig für Freiheit und Recht einzusetzen, als deren Verlust erst dann zu beweinen, wenn man ihn selbst spürt. Irgendwann könnte sich erweisen, dass der 16. April 2017 in der Türkei auch für die Wirtschaft ein schwarzer Tag war.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

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