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Welthandel : China für Globalisierung - Trump für Mauer

Als erster chinesischer Staatschef wird er nach Davos reisen: Xi Jinping Bild: AP

Während der künftige amerikanische Präsident sein Land eher abschotten will, wirbt sein chinesischer Widerpart für den Welthandel. Ausgerechnet.

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          Es klingt wie ein Treppenwitz der Geschichte: Der chinesische Staatspräsident, zugleich Vorsitzender der mächtigen Kommunistischen Partei in der größten Diktatur der Welt, wird auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die Vorteile der wirtschaftlichen Globalisierung preisen. Der designierte amerikanische Staatspräsident bekräftigt währenddessen, so schnell wie möglich eine Mauer zu bauen an der Grenze zu Mexiko, drängt amerikanische Unternehmen, Arbeitsplätze und Produktion aus dem Ausland in die Vereinigten Staaten zu verlagern und liebäugelt mit neuen Zöllen.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Tatsächlich ist das kein Witz, sondern ziemlich real. Chinas Präsident Xi Jinping, Lenker der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, werde sich in Davos für eine „einschließende Globalisierung“ (inklusive globalization) aussprechen, sagten Vertreter des Landes gegenüber dem amerikanischen Finanzsender CNBC. Außerdem werde er davor warnen, dass die gegenwärtig verfolgten populistischen Ansätze zu „Krieg und Armut“ führen könnten.

          „Mit dem Aufstieg des Populismus, Protektionismus und Nativismus hat die Welt eine historische Weggabelung erreicht, von der aus ein Weg zu Krieg, Armut, Konfrontation und Dominanz führt, während der andere Weg zu Frieden, Entwicklung, Kooperation und Win-Win-Lösungen führt“, sagte überdies demnach Jiang Jianguo, der oberste Sprecher der chinesischen Führung während einer Konferenz der Welthandelsorganisation in Genf am Mittwoch.

          Trump gegen China

          Am selben Tag hielt der künftige amerikanische Staatspräsident Donald Trump seine erste Pressekonferenz ab und wetterte dort abermals über eine verfehlte Handelspolitik seiner Vorgänger. Auch stellte er in Aussicht, dass er die Mauer an der Grenze zu Mexiko schnell bauen lassen werde.

          In den Tagen zuvor hatte er schon über den Kurznachrichtendienst Twitter mehrere Autohersteller kritisiert, die in dem südlich gelegenen Land Fahrzeuge herstellen. Schon im Wahlkampf hatte er die Handelsabkommen kritisiert, die Washington mit Mexiko wie auch mit Kanada abgeschlossen habe (Stichwort Nafta) und auch mit Japan.

          Besonders kritisch äußerte sich Trump gegenüber China. Die Leute, die er für wichtige Positionen in der Handelspolitik vorgesehen hat, sind durchweg „China-Falken“ - etwa der Volkswirtschaftsprofessor Peter Navarro und der Anwalt Robert Lighthizer, der Trumps Handelsbeauftragter werden soll und bereits der Administration des früheren Präsidenten Ronald Reagan angehörte. Deutlich höhere Zölle für Einfuhren aus China wie aus Mexiko erwog Trump im Wahlkamp vielfach.

          Das Thema ist hochbrisant. Denn während beispielsweise die frühere Sowjetunion mit den Vereinigten Staaten wirtschaftlich im Grunde nicht verbandelt war, sind die ökonomischen Verflechtungen zwischen Amerika und China substantiell. Peking ist beispielsweise großer Gläubiger der Vereinigten Staaten. Für Unternehmen aus beiden Ländern ist das jeweils andere Land ein wichtiger Absatzmarkt. Außerdem lassen etwa viele amerikanische Unternehmen einzelne Teile ihrer Produkte in China herstellen, kaufen sie von dort ein und setzen dann in Amerika das Endprodukt zusammen. Foxconn etwa, ein wichtiger Zulieferer des Technologiekonzerns Apple, hat in China eine Million Mitarbeiter und fertigt Teile für das iPhone, mit dem das amerikanische Unternehmen wiederum Jahr für Jahr viele Milliarden Dollar verdient.

          Ein großes Streitthema ist dabei die Stahlbranche, in der nicht nur Washington Peking vorwirft, chinesischen Unternehmen mittels Staatshilfe zu ermöglichen, Produkte zu Dumpingpreisen anbieten zu können. Ähnliche Kritik gibt es auch aus Europa. Trumps designierter Handelsbeauftragter Lighthizer kämpfte als Anwalt vielfach dafür, amerikanische Firmen aus dieser Branche vor ausländischer Konkurrenz zu schützen.

          Es ist der technische Fortschritt

          Warum die öffentlich geäußerte Skepsis in Sachen Welthandel offenkundig derzeit in Amerika größer ist als in China, hat aber noch einen anderen Grund: Viele Menschen, zumal in den Industrieländern, machen die Globalisierung dafür verantwortlich, dass es ihnen tatsächlich oder gefühlt schlechter ergeht als noch vor Jahren. Großen Zuspruch und viele Stimmen bekam Trump beispielsweise auch gerade in früheren amerikanischen Industriezentren, die nun keine wirtschaftlich bedeutende Rolle mehr spielen („Rust Belt“).

          China wiederum erzielte über die vergangenen dreißig Jahre im Schnitt sehr hohe, häufig zweistellige Wirtschaftswachstumsraten, zig Millionen Menschen verdienen mehr Geld und verfügen über einen größeren Wohlstand – auch, weil das Land gut am Handel mit anderen Ländern verdient. Darum ist es denn auch nicht in erster Linie Menschenfreundlichkeit, aufgrund derer Xi nun für Globalisierung wirbt. Vielmehr sind es knallharte wirtschaftliche Interessen.

          Die Fachleute des Weltwirtschaftsforums wiederum haben in ihrem aktuellen Risikobericht herausgestellt, dass nicht die Globalisierung der wesentliche Grund für wachsende Ungleichheit und drohende Verteilungskonflikte ist. Stattdessen sei es der technische Fortschritt im Bereich der Digitalisierung, der dazu führte und führt, dass zumal in der Industrie tendenziell weiter Menschen durch Maschinen ersetzt werden.

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