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FAZ.NET-Schwerpunkt : Der Fall Aixtron: Was Gabriels Übernahmeverbot bedeutet

Die Querelen um die Übernahme durch einen chinesischen Investor sorgen für Aufregung in den deutsch-chinesischen Beziehungen und haben auch direkte Auswirkungen für Aixtron. Bild: Archiv

Die Angriffe auf die Globalisierung nehmen zu. Vor welcher Zukunft steht Aixtron, wenn die Übernahme durch die Chinesen am Veto des SPD-Wirtschaftsministers scheitern sollte?

          Aixtron ist gemessen am Umsatz von rund 200 Millionen Euro recht überschaubar und war bis vor kurzem auch nicht übermäßig bekannt. Seit kurzem jedoch steht das Unternehmen aus der Nähe von Aachen plötzlich im Fokus der Öffentlichkeit. Die Querelen um die Übernahme durch einen chinesischen Investor sorgen für Aufregung in den deutsch-chinesischen Beziehungen.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Und diese könnten direkte Auswirkungen auf das Unternehmen Aixtron haben. Der Eingriff Gabriels ist ein gutes Beispiel für die Auswirkungen von Staatseingriffen, die eine freie Entwicklung von Unternehmen behindern.  Überraschend widerrief Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel eine schon im September erteilte Unbedenklichkeitsbescheinigung für den Verkauf an Fujian Grand Chip Investment (FGC) und kündigte eine Wiederaufnahme der Prüfung an. Amerikanische Geheimdienste sollen laut Medienberichten angeblich die Bundesregierung darauf hingewiesen haben, dass die von Aixtron gebauten Produktionsanlagen für die Halbleiterindustrie auch militärisch eingesetzt werden könnten. Zum Ablauf der Annahmefrist hatten die Aktionäre den Chinesen rund 73 Prozent der Aktien angedient.

          Nicht nur die Genehmigung durch das Bundeswirtschaftsministerium erscheint  fraglich. Skepsis ist nach den jüngsten Ereignissen erst recht hinsichtlich der erforderlichen Zustimmung der Amerikaner angebracht, die Analysten von vorneherein als die größte Hürde ausgemacht hatten. Das Komitee für Auslandsinvestitionen CFIUS prüft die Akquisition – Aixtron unterhält eine Niederlassung in Kaliforniern - unter dem Gesichtspunkt der nationalen Sicherheit. Am Widerstand von CFIUS war erst zu Jahresbeginn der Verkauf der Philips-Lichtsparte Lumileds an ein chinesisches Konsortium unter Führung von Go Scale Capital gescheitert.

          Werden die Forschungsausgaben gesenkt?

          Sollte es nicht zur Übernahme von Aixtron durch die Chinesen kommen, müssen sich die verbliebenen 750 Mitarbeiter auf einen weiteren Stellenabbau gefasst machen. Aufgrund der beschränkten finanziellen Ressourcen sei das Unternehmen in diesem Fall gezwungen, sein Technologieportfolio zu verkleinern und Stellen abzubauen, warnte Vorstandsvorsitzender Martin Goetzeler schon vor Wochen. Entsprechend werde sich auch das Wachstumspotenzial reduzieren. Seit seinem Amtsantritt im Frühjahr 2013 kappte Goetzeler die Belegschaft schon um rund ein Viertel.

          Eine drastische Reduktion der F&E-Aufwendungen würde für den Maschinenbauer einen „herben Schlag“ bedeuten, stellt Björn Glück, Manager des in Aixtron investierten Lupus-Alpha-Fonds „Smaller German Champions“, gegenüber faz.net fest. „Das wäre für Aixtron eine denkbar schwierige Situation.“ Da die Nachfrage nach MOCVD-Anlagen zur Herstellung von Leuchtdioden (LED) ihren Höhepunkt überschritten habe, werde gerade an einer Erneuerung des Portfolios gearbeitet.

          So erhofft sich Goetzeler vom Einstieg der Chinesen neben einem besseren Marktzugang in China vor allem Gelder für Forschungsprojekte. Einen anderen Interessenten hat die Übernahmeofferte nicht auf den Plan gerufen, FGC blieb der einzige Bieter für das defizitäre Unternehmen. Für die Interessen Aixtrons sei Gabriels Handeln „unverantwortlich“, kritisierte Barry Norris, Fondsmanager des größten Aixtron-Aktionärs Argonaut Capital. Die Übernahme hält er für notwendig, um Stellen zu erhalten und für Investitionssicherheit bei Aixtron zu sorgen.

          Es drohen Arbeitsplatzverluste

          Schon seit geraumer Zeit machen dem Spezialanlagenbauer die Überkapazitäten der asiatischen LED-Hersteller zu schaffen. Ein Gewinn wurde zuletzt im Jahr 2011 erzielt. Aufgrund der Auftragsflaute wird auch für das laufende Jahr wieder ein Verlust erwartet. Lange zurück liegen die Boomzeiten, als die Fernsehgerätehersteller auf LED zur Hintergrundbeleuchtung der Bildschirme wechselten und massenhaft bei Aixtron orderten. Im Spitzenjahr 2010 betrug der Umsatz noch rund 780 Millionen Euro. Für 2016 werden nur 170 bis 200 (Vorjahr: 197,8) Millionen Euro erwartet.

          Sehnlichst wird der Durchbruch der LED im industriellen Beleuchtungsmarkt herbei gesehnt. Doch Goetzeler will nicht alleine darauf vertrauen, sondern setzt auf neue Felder wie organische Leuchtdioden (OLED), Optoelektronik (Laser, Infrarot und Photovoltaik) oder Kohlenstoff-Nanostrukturen etwa für Anwendungen in der drahtlosen Kommunikation. Doch die Projekte verschlingen viel Geld. Mit 55 Millionen Euro wurde im vergangenen Jahr gut ein Viertel des Umsatzes in Forschung und Entwicklung investiert. Die liquiden Mittel schrumpften unterdessen von Ende 2014 bis Mitte 1016 um rund 100 Millionen Euro auf 161,3 Millionen Euro.

          Nach einem Rückschlag im vergangenen Dezember begab sich Goetzeler schließlich auf die Suche nach einem Investor. Der chinesische LED-Hersteller San´an Optoelectronics hatte nur drei statt der eigentlich georderten 50 Maschinen abgenommen, weil Aixtron nicht die spezifischen Anforderungen erfüllt habe. Der Aktienkurs sackte daraufhin um 40 Prozent auf 4,30 Euro ab.

          Für Irritationen bei der geplanten Übernahme durch FGC sorgte die Nachricht, dass der Kunde San´an – der sich auch für Osram interessiert - die Aixtron-Übernahme indirekt mitfinanziert. Aixtron weist jeglichen Zusammenhang zwischen der Auftragsstornierung und der Kaufofferte zurück. Anwälte hätten die Beziehungen zwischen FGC und San´an rechtlich überprüft. Die Bieterin habe anwaltlich bestätigt, dass es keine direkte Beteiligung oder Einflussnahme gegeben habe. Bei einem Scheitern der Übernahme infolge fehlender Genehmigungen bliebe Aixtron lediglich ein kleiner Trost: FGC hat sich für diesen Fall vertraglich zur Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 25 Millionen Euro verpflichtet.

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