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Nach Trumps TTP-Absage : Dann macht’s eben China

Die zwölf beteiligten Länder von TPP wollten Zölle auf mehr als 18.000 Güter streichen. Profitiert nun der chinesische Handel? Kräne beladen am Lastwagen im Containerhafen von Tianjin in China. Bild: dpa

Nachdem der künftige amerikanische Präsident Donald Trump dem größten regionalen Handelsbündnis eine Absage erteilt hat, bemüht sich Asien um Schadensbegrenzung. Darum geht es.

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          Nachdem der künftige amerikanische Präsident Donald Trump dem größten regionalen Handelsbündnis eine Absage erteilt hat, bemüht sich Asien um Schadensbegrenzung. Auf den ersten Blick könnte China Gewinner des amerikanischen Rückzugs sein. Doch dauert das Aushandeln von Freihandelsverträgen auch in Asien Jahre – so dass sich erst auf mittlere Sicht zeigen wird, ob China von der Rolle rückwärts der Amerikaner wird profitieren können.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Transpazifische Partnerschaft (TPP) war ein gigantisches Unterfangen: Sie sollte rund 40 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung umfassen, rund 40 Prozent des Welthandels und 800 Millionen Menschen. Die zwölf beteiligten Länder wollten Zölle auf mehr als 18.000 Güter streichen. Zugleich verpflichten sie sich darauf, Ausbeutung, Kinderarbeit und Menschenschmuggel zu unterbinden, Umweltstandards zu achten und das geistige Eigentum zu schützen. Mit diesem Ansatz konnten zwar noch Länder wie Malaysia oder Mexiko ihren Beitritt erklären, für China aber lag die Hürde wesentlich zu hoch.

          Ansehensgewinn für Peking

          Ohne Amerika wird es nun schwierig, die TPP mit elf Ländern zu schließen. Denn das Abkommen muss bis Februar 2018 von mindestens der Hälfte der ursprünglichen Teilnehmerländer, die zugleich für insgesamt mehr als 85 Prozent der Wirtschaftsleistung der zwölf Staaten stehen sollen, ratifiziert werden, um in Kraft zu treten. Nach dem Ausscheiden der Amerikaner heißt dies, das Asiens zweitgrößte Volkswirtschaft Japan unbedingt an Bord bleiben muss. Ministerpräsident Shinzo Abe erklärte freilich schon, dass die TPP ohne Amerika bedeutungslos sei. Neuseeland, Australien und Singapur indes zeigen sich offen, der schmaleren Version von TPP eine Chance zu geben. „Der Untergang von TPP ist ein Schlag für die wirtschaftlichen Perspektiven in Asien. Die Vorteile eines von China geführten Regionalabkommens sind wahrscheinlich wesentlich geringer als TPP“, kritisieren die Analysten von Capital Economics.

          Unter Führung Chinas glaubt Asien nun freilich, noch zwei weitere Pfeile im Köcher zu haben. Zum einen fördert Peking ein Abkommen, dass alle 21 Pazifikanrainer-Staaten (Apec) umfasst (FTAAP). Viel aber spricht derzeit nicht für dessen Abschluss. Denn auch hier wäre Amerika eingebunden. Und es erscheint praktisch unmöglich, 21 Länder in Handelsfragen unter einen Hut zu bekommen. Größere Chancen hat da die von Peking favorisierte Umfassende Regionale Wirtschaftspartnerschaft (RCEP). Sie ließ  Amerika mit seinen hohen Ansprüchen von Beginn an außen vor und wird von den zehn Ländern Südostasiens sowie China, Japan, Indien, Südkorea, Australien und Neuseeland seit vier Jahren verhandelt – sechs der zehn sind auch Verhandlungspartner bei TPP.

          Für Peking wäre es nun ein großer Gewinn an Ansehen, wenn es ihm gelänge, den Freihandel in Asien durch einen Regionalbund weiter voranzutreiben. Die Länder Südostasiens werden ihm mangels Alternativen wohl folgen, zumal auch der philippinische Präsident Rodrigo Duterte – das Land galt bislang als Verbündeter Washingtons – nun stark auf Peking setzt. Allerdings wird die enorme Vielfalt der Länder unter RCEP zum Stolperstein. Denkbar ist wohl nur ein Annäherungsprozess, der schrittweise verliefe, so wie beim Schmieden der südostasiatischen Freihandelszone Afta.

          Denn zwischen Australien und Laos, Japan und Kambodscha, Indien und Singapur gibt es einfach zu große Unterschiede, um alle zum selben Zeitpunkt auf dieselben Regeln zu verpflichten. Allerdings hat Indiens Ministerpräsident Narendra Modi zu Beginn seiner Amtszeit schon von einer „look-east“-Politik gesprochen, die seinem Land Märkte und Investoren bringen würde. „Das ist eine gute Gelegenheit für China, mehr Einfluss auf der Weltbühne zu erlangen, beginnend bei der Wirtschaft“, kommentierte denn auch Zou Zhengfang, Professor an der Volksuniversität in Peking die Lage. Klar aber ist, dass RCEP in jeder Hinsicht anspruchsloser werden wird, als TPP verhandelt war. Für Arbeitnehmer und die Umwelt in Asien ist dies keine gute Nachricht, denn sie werden wenig Schutz gewinnen.

          Die Regierung in Peking lässt keinen Zweifel daran, dass sie das Machtvakuum, das sich gerade abzeichnet, nutzen will. Stunden vor Trumps Absage an TPP hatte Chinas Präsident Xi Jinping den Nachbarländern schon Verlässlichkeit versprochen: China werde „seine Tür zur Außenwelt nicht verschließen, sondern im Gegenteil noch weiter öffnen“, sagte er. Und fügte an: „Offenheit ist lebenswichtig für den Wohlstand in Asien-Pazifik.“

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