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F.A.Z.-Ökonomenpanel : Professoren werben für transatlantische Handelsabkommen

Pro-TTIP-Plakat bei der Hannover Messe im April 2016 Bild: dpa

Im F.A.Z.-Ökonomenpanel sieht die Mehrheit der Befragten bei TTIP und Ceta mehr Chancen als Risiken. Vor allem bei einem der beiden Abkommen gibt es jedoch Zweifel.

          Die Mehrheit der deutschen Wirtschaftsprofessoren spricht sich für die geplanten Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und ihren nordamerikanischen Handelspartnern, TTIP und Ceta, aus. Das geht aus dem aktuellen Ökonomenpanel hervor, einer monatlichen Umfrage, die das Münchner Ifo-Instituts in Zusammenarbeit mit dieser Zeitung organisiert.

          Maja Brankovic

          Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Demnach befürworten rund 72 Prozent der 124 teilnehmenden Professoren das Freihandelsabkommen mit Kanada (Ceta), während 12 Prozent gegen das Abkommen sind. Skeptischer stehen die Ökonomen den TTIP-Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten gegenüber: Nur rund zwei Drittel sprechen sich für einen erfolgreichen Abschluss aus, ein Viertel ist gegen das höchst umstrittene Abkommen.

          Für die befragten Professoren stünden die wirtschaftlichen Vorteile beider Abkommen im Vordergrund, erklärt Ifo-Ökonom Niklas Potrafke, der das Panel organisiert. „Freihandel steigert die Wohlfahrt. Jeder Partner produziert das, was er besonders gut kann.“ Eine Zweidrittelmehrheit hält der Umfrage zufolge den Abschluss von Ceta für „wahrscheinlich“ oder „sehr wahrscheinlich“.

          Die TTIP-Verhandlungen sehen die Ökonomen dagegen mehrheitlich als gescheitert: Zwar stufen 28 Prozent einen Abschluss als „wahrscheinlich“ ein. Rund 70 Prozent halten einen Erfolg allerdings für „unwahrscheinlich“ oder gar „sehr unwahrscheinlich“.

          „Verbesserung würde unterbleiben“

          Mehr als die Hälfte der Professoren erwartet, dass ein Scheitern der Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten und Kanada mittelfristig negative Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft haben und das politische Gewicht Europas in der Welt nachhaltig schwächen werde.

          „Wenn TTIP scheitert, würde das im Vergleich zum Status quo nichts ändern, aber eine mögliche Verbesserung würde unterbleiben“, kommentierte ein Teilnehmer. Deutschland lebe vom internationalen Handel, weshalb ein Scheitern von TTIP und Ceta dem Land sehr schaden würde. Allerdings bemängelten mehrere der Befragten, dass die Verhandlungen nicht öffentlich geführt würden.

          Chancen sehen die Befragten vor allem für das Wirtschaftswachstum und den Arbeitsmarkt. So gehen 80 Prozent davon aus, dass ein erfolgreicher Abschluss beider Abkommen das Wachstum in Deutschland fördern würde, rund drei Viertel der Teilnehmer sehen Wachstumschancen für die EU. Mit negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft rechnen dagegen die wenigsten.

          „Diskriminierung von Drittländern“

          Manche der Ökonomieprofessoren betonen, dass die geplanten Abkommen vor allem die Interessen einzelner Gruppen auf Kosten anderer förderten. So geht ein Drittel davon aus, dass der Freihandel mit den Vereinigten Staaten und Kanada die Einkommensungleichheit in Deutschland und in der EU verschlechtere. Dagegen rechnen nur 8 Prozent mit einer Verbesserung der Einkommensverteilung.

          Ein Kritiker betonte die Nachteile, die durch den erhöhten Wettbewerbsdruck vor allem für kleine und mittlere Unternehmen entstünden. „Im Vergleich zu globalen Abkommen sind bilaterale Abkommen die zweitbeste Lösung“, schrieb ein anderer. Es sei nicht zu vernachlässigen, dass vor allem TTIP Drittländer diskriminiere.

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