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Handelstheorie : Das Problem mit der Globalisierung

Bertil Ohlin im Jahr 1962 in einem Fernsehstudio. Bild: akg-images / TT News Agency / SV

Der Welthandel hat derzeit einen schweren Stand. Wie das passieren kann, haben zwei Schweden schon vor hundert Jahren herausgefunden. Nur warum glaubt gerade jetzt kaum einer mehr an freie Märkte?

          Schon mal was von Eli Heckscher und Bertil Ohlin gehört? Wer wissen will, wieso Welthandel und wirtschaftliche Globalisierung gerade einen schweren Stand haben, findet eine Antwort in einer Handelstheorie, die diese beiden schwedischen Forscher schon vor hundert Jahren entwickelten. Lange bevor Donald Trump als amerikanischer Präsident über den internationalen Warenaustausch herzog und sogar in ein Wahlprogramm der traditionell marktwirtschaftlichen britischen Konservativen der Satz aufgenommen wurde: „Wir glauben nicht an ungehinderte freie Märkte.“

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Der Wirtschaftshistoriker Eli Heckscher begann mit einem Aufsatz in einer schwedischen Fachzeitschrift im Jahr 1919 eine regelrechte Runderneuerung des Verständnisses über den Handel zwischen Ländern. Sein berühmtester Student hieß Bertil Ohlin. Er brachte im Jahr 1933 eine längere und ins Englische übersetzte Fassung seiner Dissertation heraus mit dem Titel „Interregional and International Trade“, ein Meisterwerk der Volkswirtschaftslehre. Die nach Heckscher und Ohlin benannte Handelstheorie lernt jeder Student des Faches kennen – Ohlin bekam im Jahr 1977 den Wirtschaftsnobelpreis dafür. Da hatte er eine jahrzehntelange Karriere hinter sich, nicht nur als Forscher: Vorübergehend war er Handelsminister Schwedens und viele Jahre Vorsitzender der liberalen Partei.

          Handel steigert den Wohlstand

          Heckscher und Ohlin haben sich zwei Länder vorgestellt, deren Gesellschaften über ungefähr die gleichen Produktionstechnologien verfügen, in denen sich aber das Verhältnis der Produktionsfaktoren unterscheidet. In Land A (nennen wir es mal Amerika) gibt es vergleichsweise viele hochqualifizierte Arbeitnehmer, die zum Beispiel Studienabschlüsse in Informatik oder Investmentbanking erzielt haben. In Land B (nennen wir es mal China) gibt es demgegenüber relativ reichlich Menschen mit eher geringen Qualifikationen, zum Beispiel Arbeiter in der Großindustrie.

          Entscheiden sich die beiden Länder nun dafür, Handel miteinander aufzunehmen, geschieht Folgendes: Land A wird sich auf Hochtechnologieprodukte spezialisieren und diese auch exportieren. Denn dessen Unternehmen ist es aufgrund der reichlichen Ausstattung mit hochqualifizierten Arbeitnehmern möglich, diese Produkte vergleichsweise günstiger zu erfinden und herzustellen. Land B hingegen wird sich stärker auf „einfachere“ Güter fokussieren und diese auch ins Ausland verkaufen. Mit Blick auf die Wirtschaftswelt der Gegenwart schlägt diese Handelstheorie so zum Beispiel eine Brücke vom Arbeiter in einem chinesischen Foxconn-Werk zum Handy-Entwickler im Silicon Valley.

          Im Ergebnis bestätigt die Heckscher-Ohlin-Analyse einerseits eine wichtige ökonomische Erkenntnis: Handel vergrößert den Wohlstand insgesamt, macht daran beteiligte Länder reicher. Andererseits ergibt sich aber auch ein zweiter, gesellschaftlich brisanterer Befund: Nicht jeder einzelne Bürger wird durch Handel automatisch wohlhabender. In Land A profitieren die hochqualifizierten Beschäftigten, während die geringqualifizierten sogar Einkommenseinbußen erleiden, in Land B ist es genau umgekehrt.

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