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FAZ.NET-Schwerpunkt : Angriff auf die Globalisierung

Kein Freund des Freihandels: Donald Trump Bild: Reuters

Donald Trump zeigt: Globalisierung und internationaler Handel kommen aus der Mode. FAZ.NET startet dazu einen Schwerpunkt. Denn den Handel zurückzudrehen, ist noch selten gutgegangen.

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          Donald Trump ist nicht der Grund. Aber er passt ins Bild: Die Globalisierung ist unbeliebt geworden. Güter mit an deren Ländern zu tauschen, womöglich Menschen aus anderen Ländern aufzunehmen – das kommt selbst in den Vereinigten Staaten aus der Mode, im Heimatland der Einwanderung. Auch mit seiner Ablehnung von Ausländern hat Donald Trump in dieser Woche die Wahlen in Amerika gewonnen – und mit seiner Ablehnung des Handels.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist eine Trendumkehr. Menschen handeln, seit sie leben. Schon in der Bronzezeit vor 4000 Jahren wurde Zinn aus England nach Griechenland gebracht oder Kupfer aus den Alpen nach Skandinavien. Denn die Rohstoffe für die Schlüsseltechnik der damaligen Zeit waren dort rar und wurden gut bezahlt.

          Die Suche nach Gütern aus der Ferne, nach Reichtum trieb immer wieder bekannte Entdecker um die Welt. Ob der Venezianer Marco Polo im 13. Jahrhundert tatsächlich bis China reiste, ist zwar umstritten. Dennoch brachte er chinesische Waren nach Europa und wurde reich. Vasco da Gama und Amerigo Vespucci wurden ebenfalls nicht nur vom Wissensdurst und dem Streben nach Ruhm angetrieben, sondern auch ganz einfach vom Geld.

          Als in den vergangenen Jahrzehnten das Reisen einfacher und die Verständigung leichter wurde, nahm der Handel immer größere Ausmaße an: Es war der Siegeszug der Globalisierung unserer Tage. Mehr als die Hälfte der weltweiten Güter und Dienstleistungen bewegt sich heute über internationale Grenzen hinweg.

          Doch jetzt ist diese Globalisierung ins Stocken gekommen. China und viele andere Schwellenländer sind noch gar nicht richtig im Welthandel angekommen, schon dreht sich der Trend. In Amerika sind es die Freihandelsabkommen mit Asien, die besonders unbeliebt sind. In Deutschland ist es aber nicht anders: Bürger stellen sich gegen die Freihandelsabkommen Ceta und TTIP.  Die Briten ärgern sich zwar nicht so sehr über Warenhandel, aber über die damit verbundene Bewegung von Menschen – also verlassen sie die EU, die integrierteste Freihandelszone der Welt.

          Die Gewinne aus dem Handel scheinen klein zu sein

          Es bleibt nicht bei den Handelsabkommen und der Freizügigkeit für Personen. Als chinesische Investoren die deutschen Hochtechnologie-Konzerne Kuka und Aixtron kaufen wollten, stießen sie auf heftigen Widerstand in der deutschen Politik. Laut dachte Wirtschaftsminister Gabriel darüber nach, wie man solche Käufe verhindern könne. Tatsächlich stoppte er die Übernahme von Aixtron im letzten Moment, mit unbekannter Begründung – der internationale Kapitalverkehr wird so aber auf jeden Fall eingeschränkt.

          Ist aber andererseits nicht gerade China gut damit gefahren, den Handel und die Kapitalströme jahrzehntelang zu kontrollieren und beschränken?

          Offenbar hat sich das Gefühl verbreitet, dass es in der Globalisierung nicht mehr viel zu gewinnen gibt und die Gewinne bei wenigen Leuten anfallen, der Handel dafür aber umso mehr Verlierer produziert. So jedenfalls erklärt der handelskritische Ökonom Dani Rodrik die Trendwende.

          Sie ist in Zahlen zu greifen. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten (die Finanzkrise ausgenommen) wächst das Volumen des weltweiten Handels nicht mehr. Seit einigen Jahren stagniert es ungefähr, zuletzt ist der Handel sogar leicht zurückgegangen. Ist es Zufall, dass das Wirtschaftswachstum der Welt ausgerechnet jetzt darniederliegt?

          Handel bringt Wohlstand: Die Theorie

          Vielleicht nicht. Unter Volkswirten gilt Handel grundsätzlich als Motor des Wohlstandes für alle Beteiligten. Theoretisch wird dies vor allem damit begründet, dass Handel eine Spezialisierung auf die eigenen Stärken ermöglicht. Müsste etwa Deutschland Bananen oder England Wein selbst anbauen, wäre dies extrem teuer. Wenn man aber Bananen in Ecuador oder Wein in Südafrika kauft, können die eigenen Arbeitskräfte mehr Maschinen bauen oder Finanzdienstleistungen erbringen.

          Schöpfer dieser These war der britische Ökonom David Ricardo. Er hatte beobachtet, dass nach dem Ende der Blockade der britischen Insel durch Napoleon der Handel und mit ihm die Wirtschaft wieder aufgeblüht war. Gleichzeitig versuchte die britische Regierung, den heimischen Getreideanbau mit Zöllen gegen Importe zu schützen. So verteuerte sie das Getreide künstlich und förderte eine weniger effiziente einheimische Produktion. Wegen des teureren Getreides mussten die Engländer auf andere Waren verzichten.

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