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Nach Trumps Ankündigung : China will von Amerikas Rückzug aus TPP profitieren

Sie wurden erhört: Protest gegen das Freihandelsabkommen in Washington Bild: AFP

Das Aus für das Freihandelsabkommen TPP überrascht Peking nicht. Nach der amerikanischen Absage will China sich als Garant vertiefter Handelsbeziehungen in der asiatisch-pazifischen Region positionieren.

          Donald Trump macht Ernst: Schon am ersten Tag seiner Amtszeit will der designierte Präsident der Vereinigten Staaten das transpazifische Handelsabkommen TPP kippen. Das kündigte Trump in einer Videobotschaft zum Programm seiner ersten 100 Tage an. Der Rückzug der Amerikaner trifft die Asiaten aber nicht unvorbereitet. Zum einen hatte sich schon unter dem amtierenden amerikanischen Präsidenten Barack Obama gezeigt, wie schwer die Annahme des Handelsvertrages in Amerika werden würde. Zum anderen hatte sein Nachfolger Trump nie einen Hehl daraus gemacht, TPP ablehnen zu wollen. Schon am Wochenende auf dem Gipfel der Pazifikanrainer (Apec) in der peruanischen Hauptstadt Lima spielten die Staats- und Regierungschefs der übrigen elf TPP-Länder Alternativen ohne Amerika durch.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          China hatte sich auf dem Apec-Gipfel schon als Garant vertiefter Handelsbeziehungen in der asiatisch-pazifischen Region positioniert. Auch der australische Handelsminister Steven Ciobo hat hinter geschlossenen Türen in Lima wohl dafür plädiert, das Abkommen ohne Amerikas Beteiligung abzuschließen. Unterstützt worden sein soll er dabei von Kanada, Neuseeland, Mexiko, Peru und einigen südostasiatischen Staaten. Das aber provoziert nach dem Rückzug der Amerikaner auch Gegenbewegungen: So erklärte Japans Ministerpräsident Shinzo Abe, ein transpazifisches Handelsabkommen ohne Amerika sei „bedeutungslos“.

          Chinas regionaler Konkurrent Japan hat ein großes Interesse daran, Peking in der Region nicht noch stärker werden zu lassen. „Ohne die Vereinigten Staaten wäre TPP ein völlig neues Abkommen. Das ist nicht einfach, denn Neuseeland oder Japan bringen das derzeitige Abkommen gerade durch ihre Parlamente. Wir müssten also ganz von vorn anfangen, und das kann lange dauern“, warnte Singapurs Ministerpräsident Lee Hsien Loong.

          Analysten von Capital Economics erklären: „Der Untergang von TPP ist ein Schlag für die wirtschaftlichen Perspektiven in Asien.“ China, von einem amerikanisch bestimmten TPP ausgeschlossen, fördert bislang zwei Freihandelsvorhaben: Ein Abkommen, das alle 21 Pazifikanrainer-Staaten der Apec-Gemeinschaft und damit auch Amerika umfasst (FTAAP), zum anderen die Umfassende Regionale Wirtschaftspartnerschaft (RCEP). Sie lässt Amerika außen vor.

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