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Angst vor Übernahmen : IG Metall fordert Schutz vor China

Passt alles? Der Augsburger Roboter-Hersteller Kuka gehört seit vergangenem Jahr mehrheitlich dem chinesischen Midea-Konzern. Bild: dpa

Chinesische Unternehmen kaufen kräftig ein in Deutschland. Das bereitet der IG Metall zunehmend Kopfzerbrechen. Die Firmen dagegen warnen vor Protektionismus.

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          Erstmals fordert eine deutsche Gewerkschaft, Unternehmen vor Übernahmen durch chinesische Investoren stärker zu schützen. „Wir brauchen eine verbindliche Investitionsprüfung auf deutscher oder europäischer Ebene“, sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner der F.A.Z. Treffe die EU-Kommission hierzu keine Entscheidung, müsse man „die Debatte in Deutschland forcieren“.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.
          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Deutschland müsse festlegen, was „wichtige Technologiefelder“ seien, „die wir schützen wollen“. Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr erfolglos versucht, den Verkauf des Roboterherstellers Kuka an den privaten chinesischen Haushaltsgerätehersteller Midea zu verhindern; der Verkauf der Lichtsparte von Osram wurde nach einer Prüfung gebilligt. Die Übernahme des Halbleiterherstellers Aixtron scheiterte am Veto von Barack Obama.

          Chinesische Unternehmen haben in Europa im vergangenen Jahr 35 Milliarden Euro investiert, 77 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein Drittel der Investitionen entfiel dabei auf Deutschland. „In den Fällen, in denen Investoren aus China deutsche Unternehmen übernahmen, haben sich die Chinesen bisher korrekt verhalten“, sagte Gewerkschaftsvorstand Kerner.

          „Wir kämpfen seit Jahren in China für Gleichbehandlung“

          „Industriepolitisch betrachtet sind wir jedoch durch den Rekord an Übernahmen aus China im vergangenen Jahr alle wachsamer geworden.“ China treibe rasch den Aufbau eigener Schlüsselindustrien voran und kaufe Hochtechnologie unter anderem aus Deutschland, sagte Kerner. Deshalb brauchten auch Deutschland und Europa einen Plan, die eigenen Industrien weiterzuentwickeln. „Sonst werden wir langfristig nicht gegen Chinas Strategie bestehen können“, sagte er.

          Die Unternehmen freilich warnen vor Protektionismus, zum Beispiel auch Hubert Lienhard – obwohl man denken könnte, der Vorsitzende des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft (APA) hätte in diesem Punkt eine Rechnung offen: Schließlich war er in seiner Hauptfunktion als Voith-Chef mitten drin im Kampf um den Roboterhersteller Kuka, an dem Voith mit 25,1 Prozent beteiligt war. Ungeachtet dessen sagt Lienhard: „Sollte Deutschland Hürden hochziehen, dann nähmen wir uns das stärkste Argument in unserem Kampf gegen Diskriminierungen, die uns in China begegnen.“

          Voith bekommt in seiner eigenen Präsenz deutlich und ständig Diskriminierungen zu spüren, obwohl das schwäbische Traditionsunternehmen den Chinesen vollen Zugriff auf die deutsche Technologie gewährt, in China Steuern zahlt und unter den 4000 Mitarbeitern in Schanghai nicht einmal ein Dutzend Deutsche sind. „Wir kämpfen seit Jahren in China für Gleichbehandlung und sehen, dass die chinesische Regierung jetzt einige Hürden abbauen will“, gibt Lienhard zu bedenken – angesichts dessen sollte man besonders vorsichtig sein, um nicht kontraproduktiv zu wirken.

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