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Abzugspläne der US-Armee : „Wir leben mit den Amerikanern“

Uncle Sam is watching you: In Grafenwöhr werben Autohändler gezielt um die Gunst der amerikanischen Soldaten. Bild: Tobias Schmitt

Trumps Pläne, amerikanische Militäreinheiten aus Deutschland abzuziehen, sorgen rund um den Truppenübungsplatz Grafenwöhr für Verunsicherung. Denn: Für die nördliche Oberpfalz sind die Soldaten ein Wirtschaftsfaktor.

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          Wie ein Fachwerkhaus auf Stelzen thront der 43,5 Meter hohe Wasserturm über Grafenwöhr. Ihm zu nahe kommen dürfen die rund 6400 Einwohner der Kleinstadt in der Nordoberpfalz aber nicht. Denn er steht auf dem Gelände des amerikanischen Truppenübungsplatzes, der für das Leben im Ort eine ebenso überragende Bedeutung hat wie der Turm in optischer Hinsicht. In Grafenwöhr und im Nachbarort Vilseck sind rund 12.000 amerikanische Soldaten stationiert. Etwa 3000 Einheimische arbeiten unmittelbar für die amerikanische Armee. Etwa 7000 weitere Arbeitsplätze hängen von ihrer Präsenz ab, sagt Edgar Knobloch (CSU), der Bürgermeister von Grafenwöhr. Besonders profitiere im Ort die Gastronomie. „Das finden Sie im ländlichen Raum sonst nirgends“, sagt Knobloch über ein Angebot, das vom mexikanischen Restaurant über asiatische Lokale bis hin zu einem Irish Pub und gutbürgerlicher deutscher Küche reicht.

          Diese fruchtbare Symbiose von Einheimischen und Amerikanern ist nun aber akut bedroht. Der amerikanische Präsident Donald Trump hat am Mittwoch während eines Besuchs des polnischen Präsidenten Andrzej Duda in Washington seinen Plan bekräftigt, fast 10.000 der rund 34.600 in Deutschland stationierten Soldaten abzuziehen und teilweise dauerhaft nach Polen zu verlegen. Es soll die Bestrafung dafür sein, dass die Bundesrepublik ihre Verteidigungsausgaben bisher nicht auf 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erhöht hat, während Polen für die Einhaltung des 2-Prozent-Ziels belohnt werden soll.

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