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Öl- und Gasförderung : Trump will Klimaschutz weiter lockern

Die Vereinigten Staaten setzen auf die Fracking-Technik. Bild: AFP

Der amerikanische Präsident plant, Auflagen für Öl- und Gaskonzerne deutlich abzuschwächen. Kalifornien hingegen geht den entgegengesetzten Weg – und hat dazu jetzt ein Gesetz auf den Weg gebracht.

          2 Min.

          Während das Weiße Haus einen weiteren Vorstoß unternimmt, Klimaschutz-Auflagen der Vorgängerregierung zu lockern, verpflichtet sich der Bundesstaat Kalifornien zu einer CO2-freien Energieproduktion bis zum Jahr 2045. Nach Medienberichten will das amerikanische Bundesumweltamt die Auflagen für die Emission des Treibhausgases Methan bei der Förderung von Erdöl und Erdgas reduzieren. Unter Präsident Barack Obama hatte die Behörde Regeln erlassen, nach denen die häufig an Bohrstellen auftretenden Leckagen, aus denen Methan entweicht, zu schließen sind.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Den neuen Vorschlägen der Behörde zufolge sollen die Unternehmen deutlich mehr Zeit bekommen, um die Schadstellen zu reparieren. Bis zu einem Jahr lang können sie die Lecks nun inspizieren, weitere 60 Tage bekommen die Unternehmen für die Reparatur. Die Vorschläge sind noch nicht rechtskräftig. Parallel arbeitet das Innenministerium an einem Regelwerk, das für die Öl- und Gasunternehmen, die auf bundeseigenen Grundstücken fördern, die Emissionsauflagen deutlich abschwächt. Die Trump-Regierung setzt mit dem Vorstoß ihre Versuche fort, unter Obama erlassene Klimaschutz-Regeln abzuschaffen oder zu lockern. Zuvor hatte sie schon Vorstöße unternommen, die CO2-Emissionsgrenzen für Kraftwerke und Autos aufzubrechen.

          Kalifornien verbietet neue Ölförderung

          Methan ist nach Kohlendioxyd das zweitwichtigste anthropogene Treibhausgas. Seine Konzentration in der Atmosphäre hat in den vergangenen hundert Jahren stark zugenommen. In den Vereinigten Staaten führt der Boom in der Erdöl- und Erdgasförderung zu zusätzlichem Ausstoß. Eine umfangreiche Studie des Environmental Defense Fund EDF kommt zum Ergebnis, dass der zusätzliche Methanausstoß die Fortschritte der Vereinigten Staaten bei der Reduzierung der Treibhausgase durch den Wechsel von Kohlekraftwerken zu deutlich sauberen Gaskraftwerken zum Teil zunichte macht. Der EDF will 2020 einen eigenen Satelliten lancieren, der den Methanausstoß regional messen kann. Die Energiewirtschaft selbst sieht das Problem. Der größte Konzern in diesem Sektor, Exxon, hat versprochen, die Emissionen deutlich zu reduzieren.

          Der Vorstoß der Trump-Regierung markiert die wachsende Kluft in der Umweltpolitik zur Regierung des Bundesstaates Kalifornien. Dort hat der demokratische Gouverneur Jerry Brown ein Gesetz rechtskräftig gemacht, das die Energieerzeuger des Bundeslandes verpflichtet, ihren Strom bis 2045 komplett aus Erneuerbarer Energie zu gewinnen. Bei der feierlichen Unterzeichnung des Gesetzes bekannte sich Brown zum Ziel einer „kohlefreien“ Volkswirtschaft und zum Pariser Klimaschutzabkommen. Präsident Donald Trump hatte das Pariser Abkommen aufgekündigt.

          Gouverneur Brown hat außerdem Gesetze unterschrieben, die neue Ölförderungen an der kalifornischen Küste unterbinden und die Errichtung von Pipelines erschweren. In einem Interview am Montag warf Brown Donald Trump vor, mit seiner Unterstützung der Kohle- und Ölindustrie die amerikanischen Bemühungen zur Entwicklung von Elektroautos zu unterminieren. Das würde allein China nützen, das viele Milliarden in Batterietechnik gesteckt habe. „Die Leute denken, Trump bekämpft China“, sagte Brown. In Wahrheit helfe er der chinesischen Autoindustrie und zerstöre die Zukunft der amerikanischen Fahrzeugproduktion.

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