https://www.faz.net/-gqe-9c7jv

Erdgas-Kommentar : Trump will Gefangene machen

  • -Aktualisiert am

Matrjoschka-Puppen zeigen Donald Trump und Wladimir Putin – in einem Laden in Helsinki, wo sich die beiden in Kürze treffen. Bild: AP

Russland braucht Geld aus dem Ausland – deswegen wird es niemals seine Gaslieferungen stoppen. Dem Geschäftemacher Donald Trump geht es um etwas anderes.

          Donald Trump macht es sich mit seinen Anmerkungen zur energiepolitischen „Gefangenschaft“ Deutschlands viel zu einfach. Unter dem grob gewebten Mantel aus Falschaussagen steckt nur ein Körnchen Wahrheit: Tatsächlich ist Russland Deutschlands mit Abstand größter Energielieferant. Nicht nur bei Erdgas, auch bei Öl und Kohle liegt der Lieferanteil aus Wladimir Putins Land bei mehr als einem Drittel.

          Doch gefangen sind die deutschen Verbraucher deshalb lange nicht. Die Energiemärkte sind hochliquide. Öl, Gas und Kohle gibt es zum Leidwesen der Klimapolitiker im Überfluss. Der Aufstieg flüssigen und deshalb schiffbaren Gases hat dazu geführt, dass Verträge für Pipelinegas flexibler wurden, die Preise gefallen sind. Gesunken ist damit auch das nur theoretische Erpressungspotential eines Lieferausfalls.

          Russland ist viel zu sehr auf das Geld angewiesen, als dass ein Lieferstopp eine realistische Option wäre. Aber es schmerzt den Geschäftemacher Trump, dass das europäische Energiegeschäft mit Flüssiggas an Amerika vorbeigeht. Also setzt er alles daran, andere Lieferwege zu zerstören. Trump will keine Gefangenschaft verhindern, er will eine kreieren. Das ist der Kern seiner Botschaft.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Trumpf und Zeiss bauen am Superchip

          An den Grenzen der Physik : Trumpf und Zeiss bauen am Superchip

          Das große Geschäft der Mikrochips boomt. Jetzt stoßen die schwäbischen Unternehmen mit dem niederländischen Spezialmaschinenbauer ASML an die Grenzen der Physik vor. Geht es noch schneller, größer und kleiner?

          Stellensuche per Google Video-Seite öffnen

          Digitale Jobsuche : Stellensuche per Google

          Auch in Deutschland sollen Arbeitsuchende jetzt auch auf Google zurückgreifen können: Der Internetgigant hat in Berlin seine neue Stellensuche-Funktion vorgestellt. In vielen anderen Ländern gibt es das Angebot bereits.

          Der Süden vernetzt sich

          Digitale Entwicklung : Der Süden vernetzt sich

          Mehr als die Hälfte aller Internetnutzer lebt in Entwicklungsländern. Sie digitalisieren schnell – doch nicht alle haben etwas davon.

          Atempause im Huawei-Streit Video-Seite öffnen

          Wall Street : Atempause im Huawei-Streit

          Die Wall Street in New York schloss am Dienstag Ortszeit im Plus. Grund dafür war auch, dass Amerika sein Geschäftsverbot für Huawei am Dienstag für 90 Tage aussetzte.

          Topmeldungen

          Brexit-Chaos bei den Tories : Tritt May morgen zurück?

          Die britische Premierministerin sieht sich in ihrer eigenen Partei heftigem Widerstand gegen ihren jüngsten Brexit-Plan gegenüber. Nun soll sie offenbar bereit sein, die letzte Konsequenz zu ziehen.

          Ibiza-Video : Anwalt soll Drahtzieher der Strache-Falle sein

          Ein selbst ernannter Spionage-Fachmann behauptet im österreichischen Fernsehen, er wisse, wer die Hintermänner des „Ibiza-Videos“ sind. Er habe auf dem Video einen ehemaligen Geschäftspartner aus München erkannt.
          Internetnutzer in Simbabwe

          Digitale Entwicklung : Der Süden vernetzt sich

          Mehr als die Hälfte aller Internetnutzer lebt in Entwicklungsländern. Sie digitalisieren schnell – doch nicht alle haben etwas davon.
          „Sie sollen weiter kaufen“: Rapper John-Lorenz Moser, bekannt unter seinem Künstlernamen Bonez MC, ist Mitglied der 187 Strassenbande aus Hamburg.

          Gewaltvorwürfe gegen Musiker : Der Deutsch-Rap muss umdenken

          Auf die Debatte um #MeToo wollte die Szene nicht hören. Also müssen wir den Künstlern die Grenzen der Gewalt zeigen. Ein Gastbeitrag von einer Rap-Journalistin, die selbst schon körperlich angegangen wurde.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.