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Trotz Unzufriedenheit : Die Deutschen werden wieder gelassener

Freude im Bierzelt Bild: Victor Hedwig

Wovor fürchten sich die Deutschen? Vor allem vor einem überforderten Staat, Trump und Extremismus. Eine Umfrage zeigt aber: Die meisten Sorgen haben zuletzt deutlich abgenommen.

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          Nach den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg und den guten Wahlergebnissen der AfD ist die Diskussion über Unterschiede in Ost und West wieder voll entbrannt. Es gibt eine große Unzufriedenheit mit politischen Entscheidungsträgern, gleichzeitig blicken die Deutschen insgesamt aber deutlich weniger pessimistisch in die Zukunft als in den vergangenen Jahren. Das zeigt die Studie „Die Ängste der Deutschen 2019“ von der R+V Versicherung, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Dafür hatte das Infocenter des Versicherers 2446 Deutsche ab 14 Jahren repräsentativ nach ihren größten Ängsten befragt.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Anders als viele Medienberichte suggerieren, zeigen sich die Deutschen in diesem Jahr so gelassen wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Der Angstindex, also der Durchschnitt der in der Umfrage abgefragten Ängste, ist von 47 auf 39 Prozent gefallen. Das ist der niedrigste Wert seit 1994.

          Hatten im vergangenen Jahr noch 63 Prozent der Deutschen befürchtet, dass der Staat durch die hohe Zahl an Flüchtlingen überfordert sei, die insbesondere in den Jahren 2015 und 2016 ins Land gekommen sind, lag der Anteil diesmal nur noch bei 55 Prozent. Derselbe Unterschied zum Vorjahr wurde bei der Sorge ermittelt, zwischen Deutschen und Ausländern könne es durch den weiteren Zuzug zu wachsenden Spannungen kommen. Allerdings zeigt die Studie auch, dass hier die Kluft zwischen Ost und West nach Jahren der Angleichung wieder zunimmt. Die Ängste in Westdeutschland haben stärker abgenommen als in Ostdeutschland. Im Osten lag der Anteil derer, die vor den beiden zuletzt erwähnten Themen Angst haben, jeweils bei 64 Prozent. Hier finden mit 60 Prozent auch deutlich mehr Befragte die Politik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump bedrohlich. Im Westen liegt der Anteil bei 54 Prozent – durch die niedrigeren Werte für andere Sorgen ist es hier aber die größte Angst.

          Erstmals hat der Versicherer danach gefragt, ob sich die Deutschen vor den steigenden Mieten ängstigen. Und es zeigt sich, dass sich tatsächlich 45 Prozent der Befragten darum sorgen – was auf Anhieb Platz 6 in der Skala bedeutet. Davor lagen außer den genannten Themen noch eine konstatierte Überforderung von Politikern und politischer Extremismus mit jeweils 47 Prozent Anteil. Auf einer Stufe mit den Mieten landete die Sorge, im Alter zum Pflegefall zu werden. 41 Prozent der Deutschen befürchten, dass der Klimawandel dramatische Auswirkungen für die Menschen haben könnte, und genauso viele, dass Hitzewellen, Dürren und andere Extremwetterereignisse Deutschland häufiger treffen wird. Die R+V veröffentlicht die Studie seit 25 Jahren, was Langfristvergleiche erlaubt.

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