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Wirtschaftsstreit : Trump ordnet Verdoppelung der Zölle gegen die Türkei an

  • Aktualisiert am

Trump und Erdogan beim Nato-Gipfel im Juli in Brüssel Bild: Reuters

Die Währungskrise in der Türkei spitzt sich zu – die Lira fällt um 20 Prozent. Sogar der mächtige Staatspräsident Erdogan könnte darüber stürzen, sagt ein führender deutscher Ökonom FAZ.NET.

          Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ruft angesichts des Kursverfalls der Lira die Bevölkerung auf, Euro, Dollar und Gold in die Landeswährung zu tauschen. Es handele sich um eine „nationale Anstrengung“, sagte Erdogan an diesem Freitag. Der Dollar werde der Türkei nicht im Weg stehen. „Wir werden unser Land entschieden gegen wirtschaftliche Angriffe verteidigen.“ Die beste Antwort sei es, Produktion, Exporte und Beschäftigung zu steigern.

          Zugleich spitzt sich der Streit zwischen dem Natomitglied und den Vereinigten Staaten zu. Die Administration in Washington erhöht die Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei, kündigte der amerikanische Präsident Donald Trump über den Kurznachrichtendienst Twitter an. „Ich habe gerade eine Verdoppelung der Zölle (...) mit Blick auf die Türkei autorisiert während ihre Währung, die Türkische Lira, schnell gegen unseren sehr starken Dollar fällt! (...) Unsere Beziehungen zur Türkei sind nicht gut in dieser Zeit.“

          Die amerikanische Regierung verlangt von der Türkei, den Pastor Andrew Brunson freizulassen. Die Führung in Ankara wiederum fordert ihrerseits schon lange von Washington, den Prediger Fethullah Gülen auszuliefern. Erdogan macht ihn für den Putschversuch im Juni 2016 verantwortlich.

          Infolge des Trump-Tweets weitete die Lira ihre Verluste aus und notierte um 20 Prozent niedriger gegenüber dem Dollar als am Tag zuvor. Die deutschen Unternehmen fürchten deswegen mittlerweile einen wirtschaftlichen Absturz des Landes. „Die Türkei ist stark mit uns verbunden“, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und  Handelskammertages, Volker Treier. Viele deutsche Unternehmen, von denen rund 6500 in dem Land aktiv seien, bekämen die Unsicherheiten zu spüren.

          Zwar hätten sich noch keine deutschen Unternehmen aus der Türkei zurückgezogen. Die deutschen Exporte aber seien zuletzt gesunken, und auch das Interesse hiesiger Firmen an Engagements in der Türkei habe drastisch abgenommen. „Viele Unternehmen überdenken ihr Engagement“, sagte Außenhandelspräsident Holger Bingmann.

          Deutschland ist für die Türkei das mit Abstand wichtigste Zielland für Ausfuhren und das drittwichtigste Importland. Der Warenhandel zwischen beiden Ländern hat einen Umfang von knapp 38 Milliarden Euro. Nach Treiers Worten beschäftigen deutsche Firmen mehr als 120.000 Menschen in der Türkei und haben dort rund zehn Milliarden Euro investiert.

          „Es ist bisher noch keinem Autokraten gelungen, Wirtschaft und Finanzmärkte in einer offenen Volkswirtschaft, wie der türkischen, zu manipulieren“, sagte Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, und fügte hinzu: „Erdogan schießt sich mit dem Versuch in den eigenen Fuß, auf die tiefer werdende Krise mit mehr staatlicher Kontrolle zu reagieren. Ich erwarte eine weitere Vertiefung der Wirtschaftskrise in der Türkei, die zu politischen Konflikten und ultimativ zum Fall Erdogans führen könnte.“ In den vergangenen 30 Jahren seien viele Autokraten durch Finanzkrisen zu Fall gekommen.

          Eine wichtige Frage derzeit lautet, wie stark europäische Banken in der Türkei engagiert sind.  Die Bundesbank bezifferte die Gesamtforderungen der Kreditinstitute im Juni auf 20,77 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Gegenüber dem  Euroland Griechenland sind es den Angaben zufolge 19,17 Milliarden Euro. Insgesamt haben die deutschen Geldhäuser im Ausland Forderungen von rund 1,85 Billionen Euro.

          Chronologie der Zölle

          Seit Januar 2018 (Auswahl)

          22. Januar

          Wert: 8,5 Mrd. $

          20–50% auf Waschmaschinen

          15–30% auf Solarpaneele

          23. März

          Wert: 48 Mrd. $

          20% auf Aluminium

          25% auf Stahl

          (für Europa erst ab 01.06.)

          02. April

          Wert: 3 Mrd. $

          15-25% auf 128 landwirtschaftliche Produkte

          (z.B. Schweinefleisch, Früchte, Wein)

          22. Juni

          Wert: 2,8 Mrd. $

          25% auf u.a. Whisky, Orangensaft, Tomaten, Jeans, Motorräder, Erdnussbutter

          06. Juli

          Wert: 50 Mrd. $*

          25% auf 1300 Hightech-Produkte (z.B. Autos, Flugzeugteile, Festplatten)

          06. Juli

          Wert: 50 Mrd. $*

          25% auf mehr als 100

          Produkte (z.B. Autos,

          Flugzeuge, Sojabohnen, Rohöl)

          Angedroht

          Wert: 200 Mrd. $

          25% würde nahezu alle chinesischen Produkte

          treffen, u.a. Luftfahrt, IT, Maschinenbau, Autos

          Angedroht

          Wert: 60 Mrd. $

          bis zu 25 Prozent auf 5200 Produkte (z.B. Fleisch, Weizen, Wein, Flüssiggas)

          Angedroht, in verhandlung

          Wert: 37,4 Mrd. $

          20 % auf Autos

          Angedroht, in verhandlung

          Wert: 294 Mrd. $

          noch unklar

          * zunächst im Wert von 34 Mrd. $,

          weitere 16 Mrd. $ folgten am 23. August

          Grafik: F.A.Z. / Stand: 23.08.18

          Chronologie der Zölle

          Seit Januar 2018 (Auswahl)

          22. Januar

          Wert: 8,5 Mrd. $

          20–50% auf Waschmaschinen

          15–30% auf Solarpaneele

          23. März

          Wert: 48 Mrd. $

          20% auf Aluminium, 25% auf Stahl

          (für Europa erst ab 01.06.)

          02. April

          Wert: 3 Mrd. $

          15-25% auf 128 landwirtschaftliche Produkte

          (z.B. Schweinefleisch, Früchte, Wein)

          22. Juni

          Wert: 2,8 Mrd. $

          25% auf u.a. Whisky, Orangensaft, Tomaten, Jeans,

          Motorräder, Erdnussbutter

          06. Juli

          Wert: 50 Mrd. $*

          25% auf 1300 Hightech-Produkte (z.B. Autos, Flugzeugteile, Festplatten)

          06. Juli

          Wert: 50 Mrd. $*

          25% auf mehr als 100 Produkte (z.B. Autos, Flugzeuge, Sojabohnen, Rohöl)

          Angedroht

          Wert: 200 Mrd. $

          25% würde nahezu alle chinesischen Produkte treffen,

          u.a. Luftfahrt, IT, Maschinenbau, Autos

          Angedroht

          Wert: 60 Mrd. $

          bis zu 25 Prozent auf 5200 Produkte (z.B. Fleisch, Weizen, Wein, Flüssiggas)

          Angedroht, In Verhandlung

          Wert: 37,4 Mrd. $

          20 % auf Autos

          Angedroht, In Verhandlung

          Wert: 294 Mrd. $

          noch unklar

          * zunächst im Wert von 34 Mrd. $, weitere 16 Mrd. $ folgten am 23. August

          Grafik: F.A.Z. / Stand: 23.08.18

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