https://www.faz.net/-gqe-9qelf

Trump nach Rede des Fed-Chefs : „Wer ist unser größerer Feind, Jay Powell oder der Vorsitzende Xi?“

  • Aktualisiert am

Die Ruhe täuscht: Jerome Powell mit dem New Yorker Fed-Präsident John Williams in Jackson Hole Bild: Reuters

Jerome Powell sieht zwar Risiken für die Wirtschaft, tritt aber Erwartungen entgegen, wonach die Fed ihre Leitzinsen deutlich senken könnte. Donald Trumps Reaktion fällt heftig aus – auch mit Blick auf Chinas neue Zölle.

          Fed-Chef Jerome Powell sieht zwar „signifikante Risiken“ für die amerikanische Wirtschaft. Insgesamt befinde sich die Konjunktur aber in einem „günstigen Zustand“, sagte Powell am Freitag auf der renommierten Notenbankkonferenz in Jackson Hole. Man sei bereit „angemessen zu handeln, um den Aufschwung zu stützen.“ Alles in allem habe sich die Wirtschaft weiterhin gut entwickelt. Zwar hätten sich die Investitionen und die Industrieaktivitäten abgeschwächt. Eine solides Jobwachstum und steigende Löhne würden jedoch einen robusten Konsum antreiben und ein moderates Wachstum unterstützen.

          Powell verwies allerdings auch auf die Unsicherheit, die von der Handelspolitik ausgehe. Diese scheine eine Rolle bei der weltweiten Abschwächung zu spielen. Zudem belaste sie die Industrie und die Investitionen in den Vereinigten Staaten. Die Berücksichtigung von „Unsicherheit durch Handelspolitik in diesem Rahmen ist eine neue Herausforderung“, sagte der Fed-Vorsitzende. Am Freitag hatte sich der Handelskonflikt zwischen Amerika und China weiter verschärft, da Peking neue Vergeltungszölle in Höhe von 75 Milliarden Dollar ankündigte.Die Zölle sollen in zwei Schritten am 1. September und 15. Dezember angehoben werden.

          „Wie üblich hat die Fed GAR NICHTS getan!

          Die Zeit seit der letzten Sitzung war laut dem Fed-Chef „ereignisreich“. Man habe zudem weitere Signale für eine Abschwächung der Weltwirtschaft gesehen. Powell verwies ausdrücklich auf Deutschland und China. Auch die höhere Wahrscheinlichkeit für einen harten Brexit, die Lage in Hongkong und das Ende der italienischen Regierung belasteten.

          Präsident Donald Trump reagierte verärgert auf Powells Rede. „Wie üblich hat die Fed GAR NICHTS getan!“, schrieb Trump am Freitag auf Twitter. Es sei unglaublich, dass die Notenbank sich äußern könne „ohne zu wissen oder zu fragen, was ich mache, was ich in Kürze bekanntgeben werde“. Schließlich schrieb er unter Hinweis auf Powell, dessen Nachnamen er in einem ersten Tweet falsch schrieb, und Chinas Präsident Xi Jinping: „Meine einzige Frage lautet, wer ist unser größerer Feind, Jay Powell oder der Vorsitzende Xi?“ Trump hat wiederholt eine deutlichen Zinssenkung von der Fed gefordert. Powell trat bei seiner Rede indes Erwartungen entgegen, wonach die Fed ihre Leitzinsen deutlich senken könnte.

          „Wir brauchen China nicht“

          Auf der jüngsten Sitzung Ende Juli hatte die Notenbank ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,00 bis 2,25 Prozent gesenkt. Die Finanzmärkte reagierten zunächst kaum, da die Aussagen wenig Neuigkeitswert enthielten. Erst im weiteren Handelsverlauf legte der Eurokurs zu und erreichte ein Tageshoch.

          Die Anleger verschreckte jedoch, dass Donald Trump kurz nach den Tweets zu Powell angekündigt hatte, noch an diesem Freitagnachmittag (Washingtoner Zeit) auf die zuvor von China angekündigten, neuen Vergeltungszölle zu reagieren. Amerika werde es ohne China besser gehen, schrieb er in einer Serie von Tweets nach der Ankündigung aus Peking, zusätzliche Importe mit Strafzöllen zu belegen.

          „Wir brauchen China nicht und, ehrlich gesagt, ginge es uns ohne sie besser“, schrieb er. Amerikanischen Firmen sei „hiermit befohlen, sich sofort um Alternativen zu China zu bemühen“ und Produkte wieder zuhause in Amerika herzustellen, so Trump. Amerikanische Transportunternehmen müssten zudem alle Lieferungen von Fentanyl unterlassen, schrieb Trump. In den Vereinigten Staaten wird das starke Schmerzmittel oft als Droge missbraucht und ist verantwortlich für Tausende Tote. Die Volksrepublik gilt als größer Produzent von Fentanyl weltweit. Der Dax beendete den Freitagshandel unterdessen auf seinem Tagestief mit 11.611,51 Punkten und einem Minus von 1,15 Prozent. Die amerikanischen Indizes notierten ebenfalls schwächer.

          Weitere Themen

          Verunsicherung nach Pleite von Thomas Cook Video-Seite öffnen

          Britischer Reisekonzern : Verunsicherung nach Pleite von Thomas Cook

          Am Montag und Dienstag wollten von Deutschland aus 21.000 Menschen mit Thomas Cook abheben. Das Tochterunternehmen Condor teilte mit, den Flugbetrieb fortzusetzen und beantragte bei der Bundesregierung einen Überbrückungskredit.

          Tränen am Last-Minute-Schalter

          Insolvenz von Thomas Cook : Tränen am Last-Minute-Schalter

          Am Terminal 1 des Frankfurter Flughafens hat sich die Welt mit der Pleite von Thomas Cook geteilt: In jene, die noch fliegen können, und in jene, die auf einmal nicht mehr dürfen. Ein Besuch.

          Topmeldungen

          Pendlerpauschale : Habecks Eigentor

          Es sei doch sympathisch, wenn Politiker mal zugeben, dass sie keine Ahnung haben, heißt es. Das stimmt – bei Robert Habeck und der Pendlerpauschale aber ist es fatal.

          Thunberg beim Klimagipfel : „Wie könnt Ihr es wagen!“

          In einem emotionalen Auftritt kritisiert Greta Thunberg beim UN-Klimagipfel in New York die zögerliche Haltung der Politik beim Klimaschutz. Da vor allem Kinder unter dem Klimawandel litten, legt sie eine Menschenrechtsbeschwerde bei der UNO ein.

          Thomas Cook ist pleite : Was Reisende jetzt wissen müssen

          Die Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook verunsichert Tausende von Urlaubern. Geht mein Geld verloren? Wie sicher ist das Absicherungsversprechen? Die wichtigsten Fragen und Antworten für Reisende.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.