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Trumps Idee : Grönland steht nicht zum Verkauf – oder?

  • -Aktualisiert am

Donald Trump möchte die Insel Grönland kaufen und in einen amerikanischen Bundesstaat umwandeln. Bild: dpa

Donald Trump überlegt offenbar, Grönland zu kaufen. Was sich wie eine Schnapsidee anhört, könnte sich als ein strategischer Coup erweisen – wenn Eigentümer Dänemark denn zustimmt. Bisher sieht das schlecht aus.

          Donald Trump löst mit einer auf den ersten Blick irrwitzigen Idee Unruhe aus: Der amerikanische Präsident denkt offenbar darüber nach, die Insel Grönland zu kaufen. Das berichtete das „Wall Street Journal“ am Freitag unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen. Statt Immobilien könnte Trump also bald ganze Inseln kaufen. Er habe einen Kauf Grönlands gegenüber Beratern immer wieder ins Gespräch gebracht und auch die Umsetzbarkeit der Idee prüfen lassen, hieß es in dem Bericht.

          Die Umsetzung erweist sich aber als schwieriger, als Trump das möglicherweise gedacht hat; Grönland gehört zu Dänemark, dessen Politiker das mögliche Vorhaben Trumps jetzt gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters als „lächerlich“ und als „Aprilscherz“ abtaten: „Wenn er das wirklich in Betracht zieht, dann ist das der letzte Beweis, dass er verrückt geworden ist“, so der außenpolitische Sprecher der Dänischen Volkspartei, Sören Espersen. Schließlich würde Dänemark nicht einfach 50.000 Bürger an die Vereinigten Staaten verkaufen. Der ehemalige Außenminister Dänemarks Martin Lidegaard meinte laut Reuters, man könne Grönland „nicht einfach wie eine alte Kolonialmacht verkaufen.“

          600 Millionen Dollar nach Grönland

          Auch Trump habe seine Berater eher scherzhaft gefragt, ob „das funktionieren würde“. Doch eigentlich wäre ein Kauf Grönlands gar nicht so abwegig. Denn für Amerika hätte das Vorhaben erhebliche strategische Vorteile: Zwischen Amerika, Europa und der nördlichen Polarregion hat Grönland eine geografisch gute Lage. Außerdem verfügt die Insel über viele Bodenschätze und damit wichtige Ressourcen. Eine Einrichtung des amerikanischen Militärs, die ein Raketen-Frühwarnsystem betreibt, ist sowieso schon auf der Insel. Somit könnte es Trump durchaus ernst gemeint haben.

          Dänemark steckt außerdem in einer finanziell misslichen Lage: Jedes Jahr gehen knapp 600 Millionen Dollar an Grönland. Das sind 60 Prozent des gesamten Jahreshaushalts der Insel, so das „Wall Street Journal“. Für Dänemark seien das hohe Ausgaben, die das Land in finanzielle Schwierigkeiten bringen würden. Diese Kosten könnte Amerika vermutlich besser tragen. Innenpolitisch ist das Land dagegen weitgehend unabhängig von Dänemark. Lediglich die Außen- und Sicherheitspolitik wird von Kopenhagen bestimmt.

          Somit müsste auch Kopenhagen über das Vorhaben Trumps entscheiden. In der Vergangenheit waren jedoch mehrmals Rufe nach der völligen Loslösung Grönlands laut geworden, die aber an der finanziellen Abhängigkeit von Dänemark scheiterten. Erst kürzlich hatte Grönland jedoch mehr Selbstbestimmung errungen; schon allein deshalb ist ein Verkauf an Amerika als unwahrscheinlich angesehen worden. Denn die Grönländer würden ihre gerade neu errungenen Rechte wohl kaum wieder an Amerika abtreten wollen.

          Trump wäre nicht der erste amerikanische Präsident, der Grönland für sich beanspruchen will. 1946 schlug Amerika den Dänen 100 Millionen Euro für die Insel vor, war jedoch nicht erfolgreich.

          Dass Amerika in der Vergangenheit bereits ein gutes Gespür für den Kauf von Staaten hat, zeigt sich an den Beispielen Alaska und Louisiana: Alaska wurde im 19.Jahrhundert von Russland abgekauft. Mit einem Quadratkilometerpreis von knapp fünf Dollar war es einer der billigsten Landkäufe der Geschichte. Beim sogenannten „Louisiana Purchase“ von 1803 verkaufte Napoleon die ehemalige französische Kolonie Louisiana an Amerika – ebenfalls zu einem Schnäppchenpreis.

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