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Trotz schwacher Zahlen : Bahn erlaubt Stornierungen wegen Hitze

Kaputte Klimaanlagen nerven Zugreisende im Sommer besonders. Bild: dpa

Die Deutsche Bahn will von der Klimadebatte profitieren, wachsen und pünktlicher werden. Die Investitionen führen aber zu schlechteren Geschäftszahlen. Für hitzegeplagte Reisende kündigt das Unternehmen eine besondere Kulanz an.

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          Bei ihrer heutigen Bilanzpressekonferenz überraschte die Bahn mit einem Bonbon für ihre Kunden. Angesichts der gegenwärtig großen Hitze in Deutschland will sie sich besonders kulant zeigen: Reisende, die für Donnerstag oder Freitag Tickets zu einem Sparpreis für einen bestimmten Zug gebucht haben, können diese stornieren und noch bis zum 4. August nutzen. Das kündigte Personenverkehrsvorstand Berthold Huber an. Bei den Hitze-Stornierungen hebt die Bahn die Zugbindung auf und erlaubt einen kostenfreien Umtausch der Platzreservierung.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Was die Geschäftszahlen betrifft, meldete das Unternehmen weniger positive Nachrichten. Zwar will die Deutsche Bahn von ihrer positiven Rolle in der Klimaschutzdebatte profitieren und setzt auf Wachstum. Die notwendigen Investitionen in eine bessere Qualität – etwa in eine höhere Pünktlichkeit der Züge – schlagen sich jedoch in ihrer Bilanz dämpfend nieder: Der Gewinn ist im ersten Halbjahr in allen Sparten deutlich gesunken.

          Das operative Ergebnis vor Steuern (Ebit) ging  von 974 auf 757 Millionen Euro zurück und fiel damit  um 22 Prozent geringer aus als im ersten Halbjahr 2018. Diese Zahl nannte Bahn-Finanzvorstand Alexander Doll am Donnerstag anlässlich der Vorlage der Halbjahreszahlen. „Wir haben in den vergangenen Monaten massiv Geld in die Hand genommen für eine bessere Bahn“, sagte er.

          Im gesamten Jahr 2019 erwartet die Bahn trotzdem nach wie vor einen Betriebsgewinn vor Steuern (Ebit) von gut 1,9 Milliarden Euro und einen Rekordumsatz von mehr als  45 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 2,2 Prozent auf rund 22 Milliarden Euro, er lag damit leicht unter Plan. Bis  Jahresende sollen die Netto-Investitionen auf mehr als 5,5 Milliarden Euro wachsen.

          Schwächelnder Güterverkehr

          Sorgen bereitet dem Bahnvorstand die seit vielen Jahren schwächelnde Güterbahn DB Cargo, die nicht aus den roten Zahlen kommt. Die Politik setzt große Hoffnungen darauf, dass im Zuge der Bemühungen um einen geringeren Kohlendioxidausstoß   Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagert wird. Bisher sieht es danach zumindest im Bahnkonzern aber nicht aus: Im ersten Halbjahr sank die Verkehrsleistung von DB Cargo abermals um 1,8 Prozent auf 43, 7 Milliarden Tonnenkilometer.

          Auch im Personen-Nahverkehr verzeichnet die Bahn einen Rückgang der Verkehrsleistung um 1 Prozent auf 20,4 Milliarden Personenkilometer. Die Entwicklung dieser Geschäftsfelder sei überwiegend angespannt, heißt es im Geschäftsbericht. Mehr Freude macht dem Vorstand die internationale Logistik: Die Tochtergesellschaft DB Schenker steigerte  den Umsatz um  2,3 Prozent und das operatives Ergebnis um  10,2 Prozent.

          Erfolgreich entwickelt sich  auch der Fernverkehr. Hier kann die Bahn einen neuen Passagierrekord für das Halbjahr melden: Fast 72 Millionen Reisende nutzten in dieser Zeit die ICE und IC-Züge, 1,3 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2018. Der Gewinn der Sparte stieg  um neun Prozent. Bahnchef Richard Lutz äußerte sich zuversichtlich, dass 2019 zum ersten Mal mehr als 150 Millionen Reisende die Fernzüge nutzen werden (2018: 148 Millionen). Die Bahn will nach ihrer neuen Strategie „Starke Schiene“ ihre Zahl  auf 260 Millionen steigern. Die Politik strebt diesen Rekord, wie im Koalitionsvertrag verankert, schon für 2030 an.

          Lutz zeigte sich zufrieden mit den etwas besseren Werten zur Pünktlichkeit. Von Januar bis Juni waren im Schnitt 77,2 Prozent der Fernzüge mit weniger als sechs Minuten Verspätung am Ziel, also „pünktlich“. Für das gesamte Jahr hat der Vorstand das Ziel einer durchschnittlichen Pünktlichkeit von 76,5 Prozent ausgegeben. Lutz verwies darauf, dass das Netz stark belastet sei. Manchmal werde auf 800 Baustellen gleichzeitig gebaut, zurzeit etwa auf der Hauptachse Hannover-Göttingen, im nächsten Jahr dann auf der Strecke Mannheim-Stuttgart.

          Das Ziel einer „starken Schiene“ sei ein Mammutprojekt, vor allem im Hinblick auf den Ausbau der Kapazitäten in der Infrastruktur, sagte Lutz. „Wir wissen, dass noch viel Arbeit vor uns liegt.“ Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla berichtete, die Bahn sei mit dem Bund  im Kern einig über die Finanzierung des Erhalts des Schienennetzes bis 2030. Die sogenannte LuFV III solle bis Ende August  ausgearbeitet sein. Das Volumen werde „oberhalb“ der bisher kolportierten 52 Milliarden für die nächsten zehn Jahre liegen.

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