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Trotz Schuldenkrise : Jeder dritte Industriebetrieb will Kapazitäten ausbauen

Trotz der konjunkturellen Verlangsamung zeigt sich die Industrie laut DIHK in robuster Verfassung. Bild: DAPD

Schuldenkrise hin oder her - die deutsche Industrie geht mit breiter Brust ins neue Jahr. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag erwartet sogar 60.000 zusätzliche Industriearbeitsplätze. Für einen Abgesang auf die Exportwirtschaft gebe es keinen Anlass.

          3 Min.

          Die deutsche Industrie geht trotz der Schuldenkrise selbstbewusst in das neue Jahr. Das belegt der aktuelle „Industriereport 2011/2012“ des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), der auf Antworten Hunderter Industriebetriebe basiert. Im langjährigen Vergleich rutscht die Bewertung der Geschäftserwartungen zwar knapp unter den Mittelwert der Befragungen der vergangenen zehn Jahre. Dagegen liegen die Beurteilungen von Lage, Investitionen und Beschäftigungsabsichten weiterhin über dem Durchschnitt.

          60.000 zusätzliche Industriearbeitsplätze

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Trotz der konjunkturellen Verlangsamung zeige sich die Industrie in robuster Verfassung. Der DIHK erwartet 2012 einen Anstieg der Industrieproduktion um 0,5 Prozent. Das entspräche der Hälfte des immer noch erwarteten Zuwachses der Gesamtwirtschaft von einem Prozent. Damit schätzt er die Lage besser ein als viele Wirtschaftsforschungsinstitute, die 2012 in Deutschland nur noch einen marginalen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts erwarten. Auch die Bundesregierung bleibt einstweilen bei ihrer Wachstumsprognose von einem Prozent.

          2012 dürften laut DIHK 60.000 zusätzliche Industriearbeitsplätze entstehen. Präsident Hans-Heinrich Driftmann sagte dieser Zeitung: „Die Industrie bleibt auch 2012 Taktgeber bei den Investitionen in Deutschland.“ Trotz rückläufiger Investitionsneigung wolle immer noch fast jeder dritte Betrieb die Kapazitäten ausbauen. Mehr als die Hälfte wolle das Investitionsvolumen beibehalten. Das sei ein Zeichen für das Vertrauen der Unternehmen in den Industriestandort Deutschland.

          „Steigende Energiekosten werden zunehmend zu einem Standortnachteil“

          Dabei gewinnt nach Darstellung des DIHK der Umweltschutz als Investitionsmotiv an Bedeutung. Mit 16 Prozent der Nennungen habe er den höchsten Wert erreicht. Angesichts hoher Energie- und Rohstoffpreise setzten die Betriebe nicht nur auf die Herstellung ressourceneffizienter Produkte, sondern auch auf effiziente und umweltschonende Anlagen, um den Energie- und Rohstoffeinsatz zu senken.

          Im langjährigen Vergleich rutscht die Bewertung der Geschäftserwartungen zwar knapp unter den Mittelwert der Befragungen der vergangenen zehn Jahre. Dagegen liegen die Beurteilungen von Lage und Beschäftigungsabsichten weiterhin über dem Durchschnitt.

          Energie- und Rohstoffpreise gelten dem verarbeitenden Gewerbe als größtes Konjunkturrisiko. „Steigende Energiekosten werden zunehmend zu einem Standortnachteil für die Industrieunternehmen.“ Neun von zehn Betrieben sähen die Politik besonders in der Pflicht, eine sichere Energieversorgung zu gewährleisten, samt zugehöriger Infrastruktur und wettbewerbsfähigen Preisen.

          „Kein Anlass für einen Abgesang auf die Exportwirtschaft“

          Sorgen um die konjunkturelle Entwicklung in der EU und über die weitere Entwicklung der Staatsschuldenkrise schlügen sich auch in der Investitionsneigung nieder. Die Krise dämpfe die Exportaussichten. Der Anteil der Betriebe, der eine Verschlechterung im Ausfuhrgeschäft erwarte (17 Prozent) verdoppele sich fast gegenüber dem Frühjahr, bleibe aber im Vergleich zu denen, die eine Verbesserung (30 Prozent) oder keine Veränderung erwarten (61 Prozent) klein. Trotz des verlangsamten Ausfuhrtempos bestehe „kein Anlass für einen Abgesang auf die Exportwirtschaft“. In den aufstrebenden Regionen Asiens, Lateinamerikas, aber auch in Teilen Osteuropas seien die Wachstumskräfte noch immer intakt.

          Aus dem Inland erwartet die Industrie nach der laut DIHK repräsentativen Befragung 2012 kaum Impulse. Das und die Sorge um steigende Energie- und Rohstoffpreise dämpfen die Erwartungen. So rechnen 22 Prozent der Industriebetriebe mit einer Verbesserung der Geschäfte, 61 Prozent mit einer konstanten Entwicklung, 17Prozent mit einer Verschlechterung. Der Saldo aus „besser“ und „schlechter“ Antworten gehe damit zum zweiten Mal in Folge zurück - von 30 auf fünf Prozentpunkte. Der aktuelle Saldo rutsche nach zwei Jahren knapp unter den langjährigen Durchschnitt von acht Punkten, bleibe aber „im grünen Bereich“. Negativ fallen die Erwartungen in den Branchen aus, die sich mit Metallerzeugung, Energieversorgung und der Gewinnung von Steinen und Erden befassen; positiv dagegen im Fahrzeugbau, der Möbel- und Pharmaindustrie, dem Maschinenbau und in der Elektrotechnik.

          Ihre aktuelle Lage schätzten die Betriebe weiter gut ein. Trotz leichter Eintrübungen liege der Antwortensaldo mit 51Prozent Positiv- und 8 Prozent Negativmeldungen 29 Punkte über seinem langjährigen Durchschnitt. Im Vergleich der Wirtschaftszweige weise die Industrie damit „weiterhin die beste Lagebewertung auf“. Ihre Auftragsbestände seien hoch. Sie profitiere vom Ausfuhr- ebenso wie vom Binnengeschäft.

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