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Kein „Greta-Effekt“ : Trotz ihrer Angst ums Klima fliegen die Deutschen immer öfter

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Lufthansa-Jet düst über Sonnenblumen hinweg Bild: dpa

Die Klimadebatte beherrscht den Alltag, doch Touristen oder Geschäftsleute buchen mehr und mehr Flüge, wie die Chefs zweier Fluggesellschaften berichten. Das liegt wohl auch an Spottpreisen von teils unter zehn Euro je Ticket.

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          Lufthansa-Chef Carsten Spohr kann keine Zurückhaltung der Kunden durch die derzeitige Klimaschutz-Debatte feststellen. Vielmehr sei das Gegenteil der Fall, sagte Spohr in einem Interview der „Neuen Züricher Zeitung am Sonntag“ auf die Frage nach einem „Greta-Effekt“.

          Damit wird auf die schwedische Schülerin Greta Thunberg angespielt, die mit ihren Protesten die jüngste Klimaschutzbewegung angestoßen hat. Doch Spohr erwartet für die gesamte Lufthansa-Gruppe 2019 einen Passagierzuwachs von rund vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings setze der Preiskampf dem Unternehmen zu, räumte Spohr ein.

          „Grundsätzlich erwarten wir nach zwei Rekordjahren wieder ein Jahr mit guten Ergebnissen“, sagte der Konzernchef. Aber ein zu hohes Angebotswachstum in der Branche, besonders in Deutschland, bringe Überkapazitäten. Die drücken auf die Flugpreise, so dass 2019 für die Lufthansa kein neues Rekordjahr werde. Deutschlands größte Airline hatte Mitte Juni ihre Gewinnziele für das laufende Jahr gekappt.

          In dem NZZ-Interview kritisierte Spohr die Konkurrenz für Tiefstpreise: „Wettbewerber arbeiten tatsächlich teilweise mit Preisen pro Flug unter zehn Euro“. Das sei ökonomisch, ökologisch und politisch unverantwortlich. „Flüge für unter zehn Euro dürfte es nicht geben.“

          Darüber liegende Billigangebote der Lufthansa-Tochter Eurowings verteidigte der Manager damit, dass sich sein Konzern zur Verteidigung von Marktanteilen nicht ganz dem Preiskampf entziehen könne. Dieser werde so lange wie nötig durchgehalten, sagte Spohr. „Uns wird jedenfalls keiner aus unseren Heimatmärkten verdrängen.“

          Auch Lufthansas Konkurrentin Easyjet spürt keine Auswirkungen der Klimadebatte auf die Nachfrage. Die Billigairline hat vor eineinhalb Jahren eine weitere Basis in Berlin aufgebaut. Inzwischen sind die Briten am Standort Marktführer. Die Zeichen stehen dort weiter auf Wachstum – trotz des Klimawandels.

          „Wir schauen im Gesamtjahr auf rund 90 Millionen Passagiere und erwarten auch in diesem Jahr erneut Wachstum“, sagte Easyjets Deutschland-Chef Stephan Erler der Deutschen Presse-Agentur. „Einen Zusammenhang mit der Klimadebatte können wir deshalb nicht feststellen.“

          Die Klimaschutzorganisation Atmosfair spürt dagegen schon länger einen Effekt der Klima-Debatte: 9,5 Millionen Euro Ausgleichszahlungen seien 2018 bei der Organisation eingegangen, 40 Prozent mehr als im Vorjahr, hatte Atmosfair Mitte Juni mitgeteilt. Atmosfair ist einer von mehreren Anbietern, bei denen man Flüge, Kreuzfahrten und anderes „kompensieren“ kann, indem man Geld spendet.

          Streiks, Ausfälle und Verspätungen

          Stetig wachsende Fluggastzahlen wirken sich indes nicht nur auf das Klima aus. Branche und Passagiere bekommen vor allem die damit verbundenen Engpässe zu spüren, die seit der Air-Berlin-Pleite vor zwei Jahren weiter bestehen. Das führt auch in diesem Jahr zu Verspätungen und Flugausfällen.

          Verschärft wurde das Problem im vergangenen Jahr durch zahlreiche Warnstreik-Tage von Fluglotsen. Laut europäischer Luftfahrtbehörde Eurocontrol waren im Jahr 2018 aus diesen Gründen mehr als 318.000 Stunden Verspätung zusammengekommen, rund doppelt so viele wie im Jahr davor.

          Betroffen war auch Easyjet. Rund 75 Prozent der Flüge kamen 2018 eigenen Angaben zufolge pünktlich, ein Prozentpunkt weniger als im Jahr davor. Im ersten Halbjahr dieses Jahres lag die Pünktlichkeitsquote bei 80 Prozent und damit ebenfalls um einen Punkt unter dem Wert des Vorjahreszeitraums.

          Easyjet hat gemeinsam mit der Lufthansa-Billigflugtochter Eurowings einen Großteil der Slots übernommen, die nach der Air-Berlin-Pleite frei geworden waren. Inzwischen ist Easyjet mit 35 Flugzeugen in Tegel und Schönefeld und einem Marktanteil von rund 35 Prozent der größte Anbieter in der Hauptstadt. Im Schnitt seien ein gutes Drittel der über Berlin fliegenden Easyjet-Passagiere Geschäftsleute.

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