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Dax-Konzern spürt Inflation : Henkel prophezeit höhere Umsätze

  • Aktualisiert am

Dachmarke Henkel: Der Konsumgüterkonzern hat bekannte Verbrauchermarken im Portfolio Bild: dpa

Für den Hersteller von Marken wie Persil, Schwarzkopf, Pattex oder Pritt steigen die Kosten, doch profitiert er auch von steigenden Preisen. Zudem will er sein Russland-Geschäft loswerden und die Abhängigkeit von Gaslieferungen verringern.

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          Der Konsumgüterkonzern Henkel hat nach einem robusten Wachstum im ersten Halbjahr seine Umsatzprognose für das laufende Jahr erhöht. Die gestiegenen Rohstoff- und Logistikkosten lasten jedoch auf den Ergebnissen, sodass das Unternehmen für 2022 weiterhin von sinkenden Gewinnen ausgeht. Der geplante Zusammenschluss der Konsumgütergeschäfte macht unterdessen Fortschritte.

          Die Aktie zeigte sich bis zum frühen Montagmittag sehr volatil. So sackte das im Dax notierte Papier zunächst um mehr als zwei Prozent ab und schwenkte danach mal ins Plus und mal ins Minus. Zuletzt drehte der Kurs wieder ins Plus und notierte um gut ein Prozent höher. Analysten lobten die Zahlen, die die Markterwartungen übertrafen. Alle Sparten hätten besser abgeschnitten als gedacht, so Barclays-Experte Iain Simpson, der als Höhepunkte den Umsatz im Klebstoffgeschäft sowie die Marge in der Kosmetiksparte erwähnte. Celine Pannuti von JP Morgan notierte, dass es Anleger allerdings enttäuschen könne, dass Henkel die Gewinnprognose trotz der weiten Spanne nicht angehoben habe.

          Wachsen aus eigener Kraft

          Henkel erwartet für das laufende Jahr nun ein Wachstum aus eigener Kraft von 4,5 bis 6,5 Prozent. Das ist jeweils ein Prozentpunkt mehr als zuvor in Aussicht gestellt. Ausgeklammert sind dabei Währungseffekte sowie Zu- und Verkäufe. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um knapp 10 Prozent auf 10,9 Milliarden Euro, wie das Unternehmen in Düsseldorf mitteilte. Organisch lag das Wachstum bei 8,9 Prozent, was über den Erwartungen der Analysten lag. Dabei beschleunigte sich die Entwicklung im zweiten Quartal.

          Henkel profitierte auch von positiven Währungseffekten sowie Preiserhöhungen, während sich die Verkaufsmengen wenig veränderten. Ab dem zweiten Quartal machte sich zudem die angekündigte Einstellung der Aktivitäten in Russland und Belarus negativ bemerkbar. Der Konzern prüfe hier weiter alle Optionen, von der Einstellung bis zum Verkauf von Aktivitäten. Dabei verzeichne Henkel ein großes Interesse an den Geschäften, sagte Konzernchef Carsten Knobel in einer Telefonkonferenz. Derzeit würden die Interessensbekundungen geprüft. Der Prozess soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Auf die Geschäfte schrieb Henkel nach Aussagen von Finanzvorstand Marco Swoboda knapp 200 Millionen Euro ab.

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          Robust zeigte sich im ersten Halbjahr bei Henkel insbesondere das Klebstoffgeschäft, welches mit zweistelligen Wachstumsraten aufwarten konnte. Die unveränderte Umsatzprognose für den Bereich begründete Knobel jedoch mit einer zu erwartenden Abschwächung der Industrienachfrage sowie der hohen Vergleichsbasis im Vorjahr.

          Bei den Konsumgütergeschäften entwickelte sich das Wasch- und Reinigungsmittelgeschäft weiterhin stärker als der Kosmetikbereich. So habe etwa die Marke Persil ein zweistelliges Wachstum erreicht und weitere Marktanteilsgewinne erzielt, teilte Henkel weiter mit. Der Kosmetikbereich wuchs dagegen dank guter Friseurgeschäfte leicht. Für beide Bereiche zeigte sich Henkel für die Umsatzentwicklung im laufenden Jahr optimistischer. Knobel sieht zudem ein „klares Potenzial“ für die in Aussicht gestellten Margenzielen, die obere Hälfte der Spannen zu erreichen.

          Milliarden-Fusion möglich

          Die Fusion der beiden Konsumentengeschäfte kommt Henkel zufolge voran. Dabei hat das Unternehmen wie bereits bekannt auch Marken und Geschäfte mit einem Gesamtumsatz von bis zu einer Milliarde zur Disposition gestellt. In den ersten sechs Monaten habe sich Henkel bereits von einigen Nicht-Kerngeschäften im Kosmetikbereich getrennt, hieß es.

          Das Ergebnis sank wegen der höheren Kosten deutlich. So nahm das bereinigte operative Ergebnis im ersten Halbjahr um 18,5 Prozent auf knapp 1,2 Milliarden Euro ab, die entsprechende Marge fiel von 14,4 auf 10,7 Prozent. Dabei schnitt Henkel etwas besser ab als von Analysten erwartet. Der Nettogewinn sank um mehr als die Hälfte auf 447 Millionen Euro, wobei auch die Abschreibungen auf die Russland-Aktivitäten sowie auf zur Disposition stehende Kosmetikgeschäfte belasteten.

          Für 2022 erwartet Henkel weiter eine bereinigte Umsatzrendite von neun bis elf Prozent. Das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie zu konstanten Wechselkursen dürfte um 15 bis 35 Prozent sinken. Hier steht nach sechs Monaten bislang ein Rückgang von gut einem Fünftel zu Buche. In der Prognose sind mögliche Auswirkungen von Gas-Engpässen in Europa nicht enthalten. Henkel sei jedoch kein sehr energieintensives Unternehmen, sagte Knobel.

          Zudem produziere man lokal, was die Abhängigkeit von europäischen Gas-Engpässen verringere. Henkel sei dabei, Gas durch andere Energieträger zu ersetzen. Bekämen Zulieferer jedoch Probleme durch mögliche Kürzungen, dann dürfte dies wiederum auch Henkel treffen, so Knobel.

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