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Trotz Finanzkrise : Wall Street zahlt Milliarden-Prämien

An der Wall Street verdient es sich noch immer glänzend. Bild: dpa

Die Finanzkrise tobt - aber Amerikas Banker verdienen noch immer ganz ordentlich. Die Wall Street schüttete für 2008 insgesamt Jahresprämien von 18,4 Milliarden Dollar an die in New York noch knapp 170.000 Beschäftigten der Branche aus - für jeden im Schnitt deutlich mehr als 100.000 Dollar.

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          Trotz hoher Verluste und staatlicher Stützung haben Banken an der New Yorker Wall Street ihren Mitarbeitern für das vergangene Jahr insgesamt geschätzte 18,4 Milliarden Dollar als Bonus gezahlt. Das gab der Finanzchef des Bundesstaates New York, Thomas DiNapoli, bekannt. Die Höhe der Zusatzleistungen, die für Angestellte in der Regel den Löwenanteil der Vergütung ausmachen, ist im Vergleich zum Vorjahr allerdings um 44 Prozent zurückgegangen - der stärkste Einbruch seit mehr als 30 Jahren. Dennoch handelt es sich um den sechsthöchsten Bonusbetrag in der Geschichte der Branche. Der durchschnittliche Bonus für einen Angestellten liegt bei 112.000 Dollar.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          DiNapoli bezifferte die Jahresverluste der Investmenthäuser oder der Wertpapiersparten in großen Banken auf mehr als 35 Milliarden Dollar. Investmentbanken wie Merrill Lynch, Goldman Sachs oder Morgan Stanley sowie Großbanken wie die Citigroup hatten im Rahmen des staatlichen Hilfspaketes für die Finanzbranche auch Kapitalspritzen in zweistelliger Milliarden-Dollar-Höhe erhalten. Insgesamt hat das Finanzministerium bisher rund 350 Milliarden Dollar gezahlt. Nicht alle Banken hatten jedoch 2008 Verluste ausgewiesen. Trotz Verlusten im vierten Quartal machten etwa Goldman Sachs und Morgan Stanley im Gesamtjahr Gewinn.

          Wissenschaftler finden Boni-Höhe „bestürzend“

          In den Vereinigten Staaten wird die Kritik an Banken lauter, die trotz staatlicher Hilfen Boni zahlen. Lucian Bebchuk, Professor an der Harvard-Universität bezeichnete die Höhe der Wall-Street-Boni für 2008 als „bestürzend“. Bonuszahlungen sollten gute Leistungen belohnen und Angestellte beim Unternehmen halten. „Es war aber weder das sechstbeste Jahr für Gewinne, noch das sechstschwerste Jahr für das Halten von Mitarbeitern“, sagte Bebchuk der „New York Times“. Manager an der Wall Street begründen hohe Boni oft damit, dass die besten Leute andernfalls zu Konkurrenten abwandern würden.

          Allerdings ist die Zahl der Arbeitsplätze in der Wertpapierbranche deutlich zurückgegangen. Von Oktober 2007 bis Dezember 2008 sind an der Wall Street 19.200 Stellen gekürzt worden. Das entspricht einem Rückgang um 10,2 Prozent. Zu dem Verlust der Stellen trug der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers und der Verkauf der angeschlagenen Konkurrenten Bear Stearns und Merrill Lynch bei.

          Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo prüft derzeit die Bonuspraktiken bei Merrill Lynch. Merrill hatte kurz vor der Übernahme durch die Bank of America 4 Milliarden Dollar als Boni ausgeschüttet. Im vierten Quartal hatte Merrill allerdings einen Rekordverlust von 15 Milliarden Dollar gemacht. Wegen der prekären Lage von Merrill hat das Finanzministerium die Bank of America mit insgesamt 45 Milliarden Dollar unterstützt.

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