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Corona-Pandemie : Deutsche zufrieden wie vor der Krise

Hunderte Menschen verbringen den warmen sonnigen Tag auf einer großen Wiese im Park in München, Bayern. Bild: dpa

Die Hochphase der Pandemie war psychisch eine riesige Belastung. Neue Daten zeigen nun: Das Glück ist zurück - und vorausgesetzt, wir umgehen eine vierte Welle, wird es sogar noch weiter steigen.

          2 Min.

          Die Corona-Krise scheint in Deutschland ihren schlimmsten Schrecken verloren zu haben. Nicht nur körperlich ist eine Covid-Erkrankung eine geringere Bedrohung als noch im Winter, die Pandemie schlägt auch kaum noch auf die Stimmung. Darauf deuten aktuelle Befragungsdaten des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf hin, die der F.A.Z. vorliegen.

          Johannes Pennekamp
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Auf einer Zehnerskala war der Zufriedenheitswert von 7,2 im August 2020 auf 6,1 im April 2021 zurückgegangen. Anfang Juli sprang der Wert dann wieder auf 7,0 was etwa dem Vorkrisenniveau entspricht. „Die Erholung der Zufriedenheit war dieses Jahr extrem schnell, verglichen mit dem Ende der ersten Welle letztes Jahr“, sagt der Marburger Soziologe Martin Schröder, der die Daten ausgewertet hat.

          Aus den Antworten von 520 Personen, die während der Pandemie immer wieder von den Hamburger Forschern Anne Runde und Gregor Leicht befragt wurden, gehe hervor, dass sich die Deutschen von der Pandemie und dem Lockdown erholt hätten. Ob in erster Linie die sinkende Corona-Gefahr, der Impffortschritt oder der Wirtschaftsaufschwung für die Erholung verantwortlich ist, spiegeln die Daten nicht wider.

          Bild: F.A.Z.

          Wie schwerwiegend das Stimmungstief während der Corona-Krise war, zeigt ein Vergleich: Der Verlust an Lebenszufriedenheit sei vom Umfang doppelt so schlimm gewesen, wie arbeitslos zu werden, was der Forschung zufolge einer der schlimmsten Schicksalsschläge überhaupt ist. Befragungsdaten des sozio-ökonomischen Panels zeigen zudem, dass sich die Deutschen während beider Lockdowns zudem im Schnitt extrem einsam fühlten, das Gefühl, unglücklich zu sein, machte sich im zweiten Lockdown demnach noch stärker breit als im ersten. Mediziner und Psychologen schlugen vor allem im zweiten Lockdown Alarm, weil die Zahl der Patienten mit psychischen Beschwerden stark zugenommen hatte. Besonders betroffen waren Jugendliche.

          Die Deutschen werden wieder glücklicher

          Umso erfreulicher ist der steile Anstieg auf nun 7 Punkte, was einem größeren Glückssprung entspreche, als wenn Menschen heiraten, so Schröder. Der Forscher vermutet, dass die Zufriedenheit in den nächsten Wochen noch etwas weiter steigen und sie sich auf dem hohen Niveau von vor der Krise einpendeln wird.

          Langfristig werden die Menschen in Deutschland ohnehin immer zufriedener. In den Jahren 2005 bis 2019 war die Lebenszufriedenheit, begleitet von einem langen Wirtschaftsaufschwung, stetig gestiegen, auch die Finanzkrise der Jahre 2008/2009 hatte daran nichts geändert.

          Und auch jetzt geht die Erholung mit der wirtschaftlichen Belebung Hand in Hand: Die Zahl der Arbeitslosen ist im Juni deutlich auf nur noch 2,6 Millionen Menschen gesunken. Viele Kurzarbeiter sind an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt, Unternehmen stellen wieder ein. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit gibt es zwar noch etwa 400.000 Arbeitslose mehr als vor der Krise, die Erholung verläuft aber in Rekordtempo. Und auch die Stimmungsindikatoren in der Wirtschaft zeigen allesamt nach oben. Die meisten Konjunkturforscher gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung schon im laufenden dritten Quartal wieder das Vorkrisenniveau erreichen wird.

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          Voraussetzung für all das ist, dass es nicht zu einer vierten Welle kommt. Denn auch im vergangenen Sommer schossen die Zufriedenheitswerte nach oben, bevor dann wieder Ernüchterung einkehrte. Gerade für die Menschen, die sich nicht impfen lassen, könnte sich der Anstieg der Zufriedenheit im Fall einer neuen Welle auch in diesem Jahr als „Blase“ herausstellen, sagt Soziologe Schröder.

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