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Trotz Corona : Der Urlaub am Mittelmeer kommt näher

Noch wenig los: Café vor der Kathedrale von Palma auf Mallorca Bild: Reuters

Nach langer Skepsis sieht auch der Außenminister Urlaub in zahlreichen Ländern als möglich an. Die Reisebranche freut das. Dennoch wird der Sommerurlaub vielerorts anders sein als bislang.

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          Ja, Reisen im Sommer werden möglich sein. Aber nein, Klarheit für jedes Ziel in Europa gibt es nicht. Diese Ungewissheit müssen Urlauber, die um ihre Ferien bangen, und Reiseunternehmen, die noch höhere Geschäftsausfälle fürchten, vorübergehend noch hinnehmen. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) kündigte nach einer Videokonferenz mit Amtskollegen aus europäischen Urlaubsländern zwar ein Ende der aktuell bis zum 14. Juni geltenden pauschalen Reisewarnung an. Er will sie durch unterschiedliche Hinweise für einzelne Staaten ersetzen. Wann und mit welchen Bestimmungen das geschieht, ist aber noch offen.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Urlaub ohne Beschränkungen wird es aber wohl nicht geben. „Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, dass es eine schnelle Rückkehr zu Business as usual geben kann“, sagte Maas am Montag. Weniger Plätze in Restaurants, Pflichten zu mehr Abstand in Hotellobbys und eingeschränkte Freizeitangebote werden den Sommerurlaub auch nach Ansicht von Reiseunternehmen prägen.

          Dennoch begrüßte die Reisebranche die Aussicht auf Lockerungen. „Die Rückkehr zu einer spezifischen Betrachtung der Verhältnisse in den jeweiligen Ländern ist ein sehr guter Ansatz“, sagte Norbert Fiebig, der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV): Das sei ein „wichtiger Schritt in die richtige Richtung, um für Urlauber und die Reisewirtschaft eine Perspektive einer Wiederaufnahme des Reiseverkehrs zu geben.“

          Griechenland will öffnen

          Mit die größten Chancen bestehen nun schon für Pauschalreisen auf die Inseln und das Festland Griechenlands. Die Regierung in Athen hat beschlossen, dass zum 1. Juli wieder Touristen aus dem Ausland einfliegen dürfen. Auch durch eine harsche Schließung gegenüber dem Ausland war die Zahl der Corona-Infektionen dort gering geblieben. Während es im Stadtgebiet von Hamburg mehr als 5000 bestätigte Fälle gab, waren es in ganz Griechenland rund 2800.

          Auch Italien ist Vorreiter bei Öffnungen. Schon vom 3. Juni an sollen Urlauber aus dem Schengen-Raum kommen dürfen. Davon werden Reiseveranstalter allerdings weniger profitieren, der Anteil der Flugreisenden dorthin ist traditionell geringer, viele Italien-Urlauber fahren mit dem eigenen Auto. Das Land war zwischenzeitlich durch sehr hohe Zahlen und viermal so viele Tote wie in Deutschland aufgefallen, mittlerweile ist die Zahl der Neuinfektionen niedriger als in der vergangenen zweieinhalb Monaten.

          Der Reisekonzern TUI hofft auf Lockerungen in weiteren Ländern. Man sei „startklar für eine baldige Wiederaufnahme der Reiseaktivitäten“, ließ der Marktführer schon wissen. Doch auch Konzernchef Fritz Joussen macht klar, dass manches anderes sein wird. „Neue Ziele, veränderte Reisezeiträume, neue Angebote vor Ort, mehr Digitalisierung“, so umschreibt er die Zwänge. Er übersetzt das in den Slogan: „Für 2020 werden wir den Urlaub auch neu erfinden.“

          Dazu gehört, dass mehr desinfiziert wird und dass großes Entertainment sowie Sport in Gruppen in Urlaubsclubs ausfallen. Buffets wird es kaum geben, und den Check-In sollen Urlauber nach Möglichkeit online statt an der Hotelrezeption erledigen. Joussen hat auch einen Wunsch, wo so der Urlaub schnell wieder losgehen soll: „An erster Stelle steht dann sicherlich Mallorca.“ 4,6 Millionen Deutsche waren 2019 auf der Insel. Konkurrent DER Touristik sieht neben spanischen Inseln, Griechenland, Zypern, Kroatien, Portugal, Dänemark und Österreich auf der Liste der möglichen Ziele – unter Umständen auch die Türkei.

          Unterschiedliche Ansichten in Spanien

          Mit Herbergsbetreibern und regionalen Behörden auf Mallorca dürften sich die Reiseveranstalter einig sein. Sie verweisen darauf, dass es auf Mallorca wie auf allen spanischen Inseln viel weniger Corona-Fälle gab als auf dem Festland. Nur die spanische Regierung in Madrid ist noch zurückhaltend. Offiziell gilt in den Land noch der Mitte März ausgerufene Notstand. „Wir können nicht die Einreise von Ausländern erlauben, während wir die spanische Bevölkerung noch einer Ausgangssperre unterziehen“; sagte der spanische Verkehrsminister José Luis Ábalos.

          An der Videokonferenz mit Außenminister Maas hatten Amtskollegen aus Spanien, Italien, Österreich, Griechenland, Kroatien, Portugal, Malta, Slowenien, Zypern und Bulgarien teilgenommen. Mit weiteren Staaten soll es am Mittwoch eine Schaltrunde geben. „Wir können nicht dauerhaft eine Reisewarnung für die ganze Welt aufrecht erhalten“, sagte Maas. Zuvor hatte es am Montag auch einen Austausch mit der Reisebranche gegeben. In deren Reihen hatte ihm mancher übel genommen, dass er noch vor kurzem die Chancen für Lockerungen als gering eingestuft hatte. Nach Monaten nahezu ohne Einnahmen leidet die Branche. Mit einer Wiederaufnahme des Reisebetriebs werden den Unternehmen wieder Mittel zufließen, da dann Restzahlungen für bislang nur angezahlte Sommerurlaube fällig werden.

          Die Einbußen werden dennoch groß bleiben. Mit dem Neustart wird vielerorts verbunden sein, dass Hotels nicht komplett ausgelastet werden dürfen. Sonnenschirme und Liegen an Pools und Stränden werden weiter auseinander stehen müssen. Viele Urlauber werden es indes nicht bedauern, mehr Platz zu haben.

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