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Trotz Bürgerkrieg : Luxus-Seife aus Aleppo

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Im syrischen Aleppo hergestellte Bio-Seife Bild: dpa

Die Lage in der Region Aleppo hat sich zuletzt dramatisch verschärft. Trotzdem geht selbst in der bürgerkriegserschütterten syrischen Millionenstadt das Leben irgendwie weiter - noch immer wird dort eine in Deutschland geschätzte Luxusseife produziert.

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          Es sind nur noch wenige. Aber für diejenigen, die bis heute durchgehalten haben, ist es offensichtlich ein einträgliches Geschäft: Trotz Bombenhagels und Belagerung produzieren bis heute ein paar wenige Familien in der bürgerkriegserschütterten syrischen Millionenstadt Aleppo eine luxuriöse Bio-Naturseife - überwiegend für den deutschen Markt, berichtet der in Deutschland lebende Syrer Bassam Al Machout.

          Zusammen mit seinem Bruder präsentiert er die nach jahrhundertealtem syrischen Rezept hergestellte Aleppo-Seife derzeit auf der Nürnberger Naturkosmetikmesse Vivaness. Jahr für Jahr setzt er über die in Stuttgart sitzende Importfirma Zhenobya rund 70 Tonnen der grünlich-grauen Seifenblöcke auf dem deutschen Markt ab - im eigenen Online-Shop ebenso wie in Naturkostläden, Reformhäusern, Apotheken und luxuriösen Parfümerien.

          Klar wirke es angesichts der jüngsten Schreckensnachrichten über die immer heftiger werdenden Kämpfe in der Region Aleppo auf den ersten Blick etwas befremdlich, wenn man jetzt mit Aleppo-Seife hausieren gehe, räumt Al Machout ein. „Aber für uns Syrer ist das ein Zeichen: Das Leben in Syrien geht weiter. Ich möchte die Leute, die in ihrem Land bleiben statt zu fliehen, unterstützen“, betont der mit einer Schwäbin verheiratete Syrer.

          „Die Inhaltsstoffe haben sich seit dem 8. Jahrhundert nicht geändert“

          Trotzdem: Der jahrelange Bürgerkrieg macht für Al Machout und seinen Bruder das Geschäft mit der Aleppo-Seife immer schwieriger: „Die Seifenproduktion ist auf 15 Prozent der früheren Menge geschrumpft“, berichtet er an seinem Messestand. Den letzten Container mit rund 20 Tonnen Aleppo-Seife hat er letzten Sommer via Hamburger Hafen erhalten. Inzwischen hat er auch schon mal Seife einfliegen lassen. „Das waren aber nur 170 Kilo.“

          Jetzt hofft er, dass es ein in Afrin, einer Stadt im syrischen Kurdengebiet, stehender voll beladener Container in den nächsten Wochen unbeschadet in die syrische Hafenstadt Latakia schafft. Von dort geht die Ladung in 15 Tagen per Schiff nach Hamburg. „Solche Transporte sind sehr gefährlich. Die Transporteure verlangen dafür das Vier- bis Fünffache des normalen Preises. Aber das nehmen wir in Kauf. Hauptsache wir bekommen wieder eine Lieferung der Original-Seife“, sagt Machout.

          Während die von Seifensieder-Familien hergestellte Rohmasse in einem Gewerbegebiet von Aleppo weiterverarbeitet wird, formen sie später spezielle Maschinen in einem Werk in Afrin zu kleinen Blöcken. Was die Besonderheit der Aleppo-Seife nach Machouts Angaben ausmacht: Die Seife bestehe allein aus Olivenöl mit unterschiedlichen Anteilen Lorbeeröl - und wechselnden Duftnoten. Die Aleppo-Seife sei ein Stück syrischer Kulturgeschichte. „Die Inhaltsstoffe haben sich seit dem 8. Jahrhundert nicht geändert“, behauptet er.

          Nicht sonderlich überrascht zeigt sich Mouna Sabbagh über den noch immer florierenden Handel mit Aleppo-Seife. „In Aleppo sind seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs zwar drei Viertel der Wirtschaft zusammengebrochen. Aber es gibt durchaus einen Teil, der noch funktioniert“, berichtet die Vorsitzende des in Passau sitzenden Vereins „Hilfe für Aleppo“. Die gebürtige Syrerin hat noch immer enge Kontakte zu Verwandten und Freunden in Aleppo. Bei häufigen Telefonaten informiert sie sich über die Lage dort.

          Selbst in den bisher von Rebellen gehaltenen und stark zerstörten Teilen der Stadt Aleppo gehe das Leben weiter, macht sie deutlich. „Die Menschen in Aleppo sind Lebenskünstler, die mit viel Kreativität und Erfindungsreichtum die Probleme lösen“, erzählt sie. Dass die Aleppo-Seife selbst im Bombenhagel ihren Weg nach Europa findet, bezweifelt sie keinen Moment. „Meine Landsleute sind sehr erfinderisch“, sagt sie.

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