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Trends auf der IFA : Voll blau und hoch aufgelöst

  • -Aktualisiert am

Toshiba setzt nun wieder auf die gute, alte DVD - ob aus Verzweiflung oder Überzeugung will am Messestand niemand so recht sagen. „Toshiba hat einen DVD-Player mit XDE-Technologie entwickelt, um dem Kunden die Möglichkeit zu bieten, mit Standard-DVDs nahezu HD-Qualität zu erreichen“, sagt Toshiba-Produktmanager Frank Eschholz. Er demonstriert das an einem Standbild einer DVD: Per Knopfdruck verbessert er Schärfe, Farbe und Kontrast. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Der Player ist prädestiniert für 90 Prozent aller LCD-Fernseher, also Größen zwischen 32 und 42 Zoll“, sagt Eschholz. „Alle DVDs können abgespielt werden. Das ist der Riesenvorteil.“ Da sich Blu-ray-Spieler momentan nur „schleppend verkaufen“, sehe Toshiba auch keine Notwendigkeit, auf Blu-ray umzuschwenken.

Fehlende Signale

In den allermeisten Wohnzimmern dient der Fernseher aber nach wie vor im Wesentlichen einem Zweck: dem Fernsehen. Und genau hier liegt auch im Jahr 2008 noch das größte Problem des HDTV. Lediglich Arte und Anixe senden in HDTV-Format. Leidenschaftliche Fernsehzuschauer können also mit ihrem HD-Porsche meist nur mit halber Höchstgeschwindigkeit fahren. ARD und ZDF strahlen nach wie vor im Pal-Format aus. Das sind 576 Zeilen, also etwa die Hälfte der Full-HD-Auflösung. Auf der Ifa sendet die ARD zwar das Programm „Eins Festival HD“ in HD-Qualität aus, aber ansonsten wollen sich die Öffentlich-Rechtlichen noch Zeit lassen bis 2010.

Letztlich werden die Hersteller also weiterhin das Problem haben, ihre TV-Produkte an den Mann zu bringen, der ausschließlich Fernsehen in HDTV-Qualität genießen will. Michael Wagner, Produktmanager bei Panasonic, wünscht sich mehr Engagement von den deutschen Sendern. „In anderen Ländern sind die Fernsehanstalten sehr viel weiter. In Frankreich können die Zuschauer sogar HDTV über DVB-T schauen“, sagt Wagner. Daher sei der Blu-ray-Rekorder, den Panasonic ebenfalls als Weltneuheit vorgestellt hat, nur für den französischen Markt bestimmt.

Kühne Hoffnungen auf explodierende Märkte

Wagners Prognose, „die Zukunft ist HDTV“, werden andere Anbieter auf der Ifa gerne hören. Zum Beispiel die Vertreter der Blu-ray Disc Association, die aus 150 Mitgliedern aus Bereichen der Unterhaltungs- und PC-Industrie besteht. „Der Blu-ray-Markt in Amerika explodiert und es gibt Signale, dass es auch in Deutschland so sein wird“, sagt Frank Simonis, Chairman der Blu-ray Disc Association Europe.

Auf der Ifa gibt es schon Anzeichen für diese mögliche Marktentwicklung. Im letzten Jahr zeigten nur wenige Hersteller stolz ihren Player vor. Jetzt finden die Besucher bei den meisten Unternehmen gleich mehrere Modelle, die die neuen Silberlinge abspielen können.

Allerdings macht momentan auf dem Videomarkt die Blu-ray-Scheibe im Vergleich zur DVD nur einen Bruchteil aus: 2 Prozent. Allein in der Tatsache, dass es in diesem Jahr 500 neue Filme geben wird, sieht Simonis jedoch den entscheidenden Grund für den baldigen Durchbruch von Blu-ray. Zudem wolle man bis 2012 den Preis für eine Blu-ray-Scheibe auf etwa 15 Euro senken.

Trotz aller Präsentations-Anstrengungen der Unternehmen auf der Messe bleibt ein fahler Beigeschmack; der Eindruck, dass Full-HD, hochauflösendes Fernsehen und Blu-ray weiter mit dem Zusammenwachsen zu kämpfen haben. Nach der Pressekonferenz der Blu-ray Disc Association verteilten hübsche Hostessen eine weiße Papiertüte mit fünf Blu-ray-Filmen. Auf die Anmerkung, dass man ja wenig damit anfangen könne ohne Gerät, kommt der Tipp: „Sie werden sich bestimmt bald einen Player kaufen.“ Vielleicht. Aber dann fehlt immer noch ein Full-HD-Fernseher. Und auch den gibt es nicht geschenkt.

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