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F.A.S. Exklusiv : Merz lässt nicht locker

  • -Aktualisiert am

CDU-Politiker und Wirtschaftsmann Friedrich Merz Bild: AFP

Ende November trifft sich die deutsche Industrie zu einer Art „Mini-Davos“. Mit dabei: CDU-Politiker Friedrich Merz.

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          In Leipzig, auf dem CDU-Parteitag, gab Friedrich Merz den loyalen Beschützer für Annegret Kramp-Karrenbauer. Dies geschah in solch disziplinierter Demut, dass es manche seiner Fans in der Wirtschaft irritiert hat, auch wenn er die Frage der Kanzlerkandidatur noch bis ins nächste Jahr offenhalten will.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auf dem Weg dorthin braucht es Verbündete. Nächstes Wochenende hat Merz Gelegenheit, seine Fanbasis zu stärken, dann steht ein Ausflug ins Allgäu auf dem Programm. Dann gibt es Merz pur, wenn er der sogenannten Isny-Runde, einem Gesprächskreis aus Managern und Politikern, seine Aufwartung machen wird. Hier erwartet Merz ein Heimspiel vor Alpenkulisse. Die Überschrift des Gipfeltreffens ist: Was muss passieren, damit Deutschland in zehn oder gar zwanzig Jahren noch wettbewerbsfähig ist? Eines der Merz’schen Lieblingsthemen, seiner Analyse wird voraussichtlich wenig Widerspruch entgegenschlagen in diesem, seinem Stamm-Milieu. Traditionell wird die Veranstaltung geprägt von Topmanagern aus der Autoindustrie, für Vorstände im VW-Konzern gehört das Wochenende zu den Pflichtterminen.

          Die weiteren Redner neben Merz sind Porsche-Chef Oliver Blume, Ralf Dieter, der Chef des Autozulieferers Dürr, Acatech-Präsident Karl-Heinz Streibich (ehemals Chef der Software AG) sowie Martin Brudermüller, Vorstandsvorsitzender der BASF mit Sympathien für die Grünen – ihm die auszutreiben, das wäre mal eine Aufgabe für Merz. Formelle Beschlüsse werden selbstverständlich nicht gefasst in der Isny-Runde, vom Erfinder des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, einst geadelt zum „Mini-Davos im Allgäu“.

          Jedes Jahr, wenn die Adventskerzen angezündet werden, verhandeln Politiker und Manager hier in informeller Atmosphäre die drängenden Fragen der Welt und zurren nebenbei die ein oder andere Personalie fest. Gastgeber ist traditionell der Mann, den sie den „König der Blumenerde“ nennen: Helmut Aurenz, mit Torf zu eindrucksvollem Vermögen gekommen, einst ein treuer Freund von Ferdinand Piëch und über ein Jahrzehnt lang Audi-Aufsichtsrat. Der Torf-Fabrikant, der sich das „Hotel Jägerhof“ einst als Alterssitz gekauft hat, zahlt die dortige Sause. Das Programm organisiert Matthias Wissmann, der Schwabe mit der langen Karriere in Berlin: CDU-Politiker, Verkehrsminister, Präsident des Automobilverbandes, nun wieder hauptberuflich als Anwalt unterwegs. Wissmann hat all die Jahre die Themen vorgegeben und auf hinreichende Prominenz der Gästeliste geachtet.

          Seine einstige Chefin Angela Merkel fand 2004 ins Allgäu, bevor sie ein Jahr später Gerhard Schröder, den selbsternannten Autokanzler, ablöste. Auch damals, im November 2004, stand es mal wieder nicht zum Besten im Verhältnis von Union und Wirtschaft. Das gegenseitige Verständnis zwischen Managern und Politik zu vertiefen war damals wie heute das Ziel in Isny. Heuer in der 40.Auflage. Dabei haben es die Organisatoren hingekriegt, dass während all der Zeit sämtliche Bundeskanzler wenigstens einmal vorbeigeschaut haben. Dies wird voraussichtlich so bleiben: Unter den Kandidaten für die Merkel-Nachfolge haben Annegret Kramp-Karrenbauer und Armin Laschet schon vor zwei Jahren im Allgäu vorgesprochen. Nun folgt Merz.

          Für die Isny-Runde bringt 2019 aber auch eine Zäsur. Die 40.Auflage des Treffens ist Jubiläum und Ende zugleich, zumindest in der bisherigen Form. Es steht ein Generationswechsel an. Helmut Aurenz, inzwischen jenseits der 80, übergibt die Rolle des Gastgebers an seine jüngste Tochter Michaela Aurenz-Maldonado, seit zehn Jahren schon Chefin des Familienbetriebs, und um das inhaltliche Programm kümmert sich fortan Thomas Strobl, CDU-Landeschef in Baden-Württemberg. Eines wird sich nicht ändern: Die Redner bekommen für ihren Auftritt keine Gage, auch nicht der geschäftstüchtige Herr Merz. Es gilt das Wort von Helmut Aurenz: „Als Honorar gibt es eine Flasche Magnum. Geld habe ich den Rednern nie bezahlt.“

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