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Treffen der Notenbanken : IWF-Chefin warnt vor Abschwung

  • Aktualisiert am

Die Chefin und ihr einstiger Widersacher: In Jackson Hole trafen IWF-Direktorin Christine Lagarde und ihr vormaliger Gegenkandidat Agustín Carstens aufeinander Bild: dapd

Europäische Banken rekapitalisieren, Amerikas Wirtschaft stützen, weiter niedrige Zinssätze der Notenbanken: Die neue IWF-Chefin Lagarde fordert die Politik dazu auf, rasch zu handeln - damit die „fragile Erholung“ nicht zum Erliegen komme.

          Die neue Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Christine Lagarde fordert, dass die Politik sofort handeln müssen, um eine drohende Rezession zu stoppen. „Die Entwicklungen in diesem Sommer haben gezeigt, dass wir uns in einer gefährlichen neuen Phase befinden“, sagte sie am Samstag in Jackson Hole. „Wir laufen Gefahr, dass die fragile Erholung zum Erliegen kommt. Deshalb müssen wir jetzt agieren.“ Sie fordert eine Rekapitalisierung der europäischen Banken.

          Zwei Jahre nach dem Ende der schlimmen globalen Finanzkrise schwächelt das Wachstum der Wirtschaft in den Vereinigten Staaten und Europa. Die Schuldenkrisen auf beiden Seiten des Atlantiks haben das öffentliche Vertrauen in einen weltweiten Aufschwung erschüttert. Die hochentwickelten Volkswirtschaften müssten langfristige Pläne schmieden, um ihre Schulden unter Kontrolle zu bringen, sagte Lagarde. Zur gleichen Zeit sollten sie aber nicht zu schnell drastische Sparmaßnahmen ergreifen, da sie sonst die Erholung gefährdeten.

          Die Zentralbanken rief Lagarde auf, den niedrigen Zinssatz beizubehalten und über „unkonventionelle“ Schritte nachzudenken, falls sie zum Schutz der fragilen Erholung der Wirtschaft nötig seien.

          Lagarde rief die Politiker in den Vereinigten Staaten auf, entschlossen die Wirtschaft anzukurbeln. Unmittelbar jetzt müsse für ein stärkeres Wirtschaftswachstum gesorgt werden. Wenn die Wirtschaft stagniere, verlören Pläne für Kostensenkungen an Glaubwürdigkeit, warnte Lagarde. Außerdem müsse die Politik für Entspannung in der Immobilienkrise sorgen.

          Trichet: Preisstabilität absolut wichtig

          EZB-Chef Jean-Claude Trichet betonte bei dem Treffen der Notenbanker, dass es notwendig sei, die Preisstabilität zu wahren, um ein Fundament für gesundes Wachstum zu legen. „Das ist etwas, was wir als absolut wichtig für das Vertrauen erachten“, sagte Trichet.

          Der stellvertretende Fonds-Chef John Lipsky hatte am Freitag dem Fernsehsender CNBC gesagt, dass der Fonds trotz gestiegener Risiken für die Konjunktur nicht die Gefahr einer globalen Rezession sehe. Der IWF gehe mit Sicherheit nicht von einem derartigen Wirtschaftseinbruch aus. Mit Blick auf die immense Verschuldung in den Vereinigten Staaten und Europa betonte Lipsky, die gestiegenen Risiken reflektierten einen Mangel an Vertrauen in die Fähigkeit der Politik, der Probleme Herr zu werden.

          Fed vor Konjunkturhilfen?

          Amerikas Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel diskutierten nach Angaben des Präsidialamts am Samstag über die Turbulenzen an den Finanzmärkten und die europäische Schuldenkrise. Beide hätten in dem Gespräch die Bedeutung eines gemeinsamen Handelns betont, um die gegenwärtigen wirtschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen, teilte das Weiße Haus mit. Obama und Merkel seien sich einig gewesen, dass das Wirtschaftswachstum angekurbelt und Arbeitsplätze weltweit geschaffen werden müssten.

          Wegen der Wirtschaftsflaute steht die amerikanische Notenbank Federal Reserve möglicherweise kurz vor weiteren massiven Konjunkturhilfen. Der Offenmarktausschuss (FOMC) werde darüber bei seinem nächsten Treffen am 20. September beraten, hatte Notenbankchef Ben Bernanke am Freitag auf dem Zentralbankertreffen gesagt. Konkrete Maßnahmen kündigte Bernanke nicht an (siehe Amerikas Notenbankchef verzichtet auf ein geldpolitisches Signal). Die FOMC-Sitzung wurde von einem auf zwei Tage verlängert, um mehr Zeit für eine intensive Prüfung der diversen Instrumente zu haben. Die Fed sei „bereit“ zu handeln, um die Konjunktur zu stärken. Ihr stünden dafür zahlreiche Werkzeuge zur Verfügung, sagte Bernanke.

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