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Transparency International : Die dunklen Seiten der Korruptionsjagd

Ein Bericht über Transparency International soll Klarheit bringen - und ist voller Schwärzungen. Bild: Transparency International Investigation Report

Transparency International kämpft gegen Mauschelei auf der ganzen Welt. Dabei ist die Organisation selbst nicht über jeden Zweifel erhaben.

          6 Min.

          Transparenz hat ihre Schattenseiten. Sie kann Persönlichkeitsrechte verletzen oder den Datenschutz, manchmal ist sie schlichtweg peinlich. Das spürt selbst eine Organisation, die Transparenz zum höchsten Gut erklärt hat und sie deshalb in ihrem Namen trägt. Von der Anti-Korruptions-Organisation „Transparency International“, kurz TI, ist die Rede. Die hat in der vergangenen Woche ein delikates Dokument ins Netz gestellt: einen Untersuchungsbericht, in dem Fehlverhalten im internationalen Sekretariat nachgegangen wird.

          Corinna Budras

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Es geht um Verstöße gegen TI-Prinzipien in der Schaltstelle der Organisation, einen schlechten Führungsstil, Mobbingvorwürfe gegen das Management, um miserable Kommunikation und einen Mangel an Transparenz. Der 26-seitige Bericht gibt das allerdings nur teilweise preis. Schon die erste Seite ist fast komplett geschwärzt, dort, wo eigentlich der Untersuchungsgegenstand erläutert werden soll, prangen schwarze Balken.

          Die Lückenhaftigkeit zieht sich durch den gesamten Bericht, die erste Seite ist nicht einmal das augenfälligste Eingeständnis von Geheimniskrämerei. Ganze Seiten fehlen, kommentarlos wurden sie weggelassen. Datenschutz und Persönlichkeitsrechte mussten als Erklärung ausreichen. Überprüfen kann das kaum jemand.

          Es wird mit harten Bandagen gekämpft

          Wer die schwarzen Balken lüften möchte, stößt auf eine Organisation mit Problemen, die sie sonst – bei anderen – eigentlich zu bekämpfen sucht, inklusive eines „dysfunktionalen Führungsmodells“, so formulieren es selbst externe Berater. Eine Organisation, die tiefzerstritten ist. Der lange schwelende Streit eskaliert gerade. Im Februar hat Tl seine Geschäftsführerin Patricia Moreira vor die Tür gesetzt, ohne Nennung von Gründen. Mitarbeiter werfen ihr vor, sie fördere eine Kultur, die Mobbing ermögliche, und brächte kritische Stimmen zum Schweigen. Sie bestreitet die Vorwürfe. Umgekehrt hat Moreira gegenüber dem Verwaltungsrat und internen Gremien undurchsichtige Entscheidungen und fehlerhafte Strukturen angeprangert, wie aus internen Unterlagen hervorgeht, die der F.A.S. vorliegen. Kommentieren möchte Moreira das nicht. Inzwischen kommuniziert man nur noch über Anwälte

          Ein Bericht über Transparency International soll Klarheit bringen - und ist voller Schwärzungen.
          Ein Bericht über Transparency International soll Klarheit bringen - und ist voller Schwärzungen. : Bild: Transparency International Investigation Report

          Die Attacken kommen aus Sicht von Moreira vor allem vom Betriebsrat, der die notwendige Umstrukturierung der Organisation mit harten Bandagen bekämpft. Dabei ist sie vor zweieinhalb Jahren geholt worden, um das „Change-Management“ voranzutreiben, das durch eine halbherzig begonnene und nie zu Ende geführte Umstrukturierung nötig geworden ist. Davon wird noch zu reden sein. In der Öffentlichkeit jedenfalls fehlt ihre Sicht der Dinge. Der nun veröffentlichte Bericht erhält keine Stellungnahme von ihr – anders, als es vorher zugesichert wurde.

          Als Interimschef wurde Daniel Eriksson berufen. Er möchte zum Untersuchungsbericht und den dort thematisierten Mobbingvorwürfen keine Stellungnahme abgeben, aber sieht die Organisation jetzt auf einem guten Weg. Das findet auch der Transparency-International-Gründer Peter Eigen, auch wenn er einräumt: „Das Sekretariat hat schon bessere Zeiten gesehen.

          Entmachtungen und umstrittene Beförderungen

          Zur Wahrheit gehört auch: Der abrupte Rauswurf war nur der vorläufige Höhepunkt einer ganzen Fülle von Managementwechseln, Entmachtungen auf der einen und umstrittenen Beförderungen auf der anderen Seite. Dutzende von Mitarbeitern, auch hochrangige, haben in den vergangenen Jahren die Organisation verlassen. Selbst langjährige und der Sache tief verpflichtete Mitarbeiter beklagen, TI sei in politische Ränkespiele verstrickt, in denen einige nur am eigenen Fortkommen interessiert sind. Für eine Nichtregierungsorganisation, die sich den Kampf gegen Korruption auf der ganzen Welt zum Ziel gesetzt hat, die allein im Sekretariat rund 120 Mitarbeiter beschäftigt und die jedes Jahr Fördergeld in Millionenhöhe von Regierungen und Unternehmen eintreibt, ist das ein bestürzender Befund.

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