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Toyotas Pannenserie in Amerika : Einfach nur das falsche Pedal

Der Mechaniker Matthew Lee mit einem Gaspedal von Toyota im kalifornischen Palo Alto Bild: AP

Fast auf den Tag genau ein Jahr nach der Pannenserie wird Toyota von einer Untersuchung in Amerika teilweise entlastet. Das elektronische Sicherheitssystem jedenfalls funktioniert.

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          Masami Doi, bei Toyota in Tokio zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, reagiert auf die guten Nachrichten aus Amerika genau so, wie Japaner das üblicherweise tun. Mit Zurückhaltung. Dabei bot der Donnerstag für das japanische Automobilunternehmen wahrlich ein Grund zu feiern. „Wir glauben, dass die Ergebnisse der Untersuchung in den Vereinigten Staaten die Zuverlässigkeit unserer elektronischen Kontrollsysteme zeigen“, kommentiert Doi, kurz und knapp. Die vom amerikanischen Kongress herangerufenen Experten der Raumfahrtbehörde Nasa hatten Toyota zuvor von dem Vorwurf freigesprochen, die Elektronik des Autos sei für Unfälle verantwortlich gewesen. Triumphgefühle? Nein.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Zwar kann Toyota das Kapitel „ungewollte Beschleunigung“ bei seinen Autos nun wohl bald schließen. Doch es bleiben die Vorwürfe klemmender Gaspedale oder rutschender Fußmatten, die Pedale blockierten. „Wir stehen immer noch vor Herausforderungen“, heißt es intern im Unternehmen. Zwar zeigen Befragungen, dass Toyota-Käufer ihr Vertrauen in die Sicherheit der Autos wiedergewinnen. „Doch wir müssen uns Gedanken machen, wie wir die Menschen von der Qualität unserer Autos überzeugen, die noch nie einen Toyota gekauft haben und die uns wegen der Rückrufaktionen des vergangenen Jahres nicht vertrauen.“ So zurückhaltend sich das Unternehmen nach außen gibt, Japans Regierung geht die Sache offensiver an. Kabinetts-Staatssekretär Yukio Edano, ein enger Vertrauter von Ministerpräsident Naoto Kan, persönlich trat vor die Presse, als der Bericht aus Amerika in Tokio bekannt wurde. Es sei sehr gut, dass jetzt klar ist, dass Toyotas Elektronik nicht der Grund für die ungewollten Beschleunigungen war. Jetzt will Japans Regierung noch selbstbewusster im Ausland für die Sicherheit und die technische Qualität japanischer Autos werben.

          Vor einem Jahr hatte Minister LaHood noch ganz andere Töne angeschlagen

          Im Gegensatz zum selbstbewussten japanischen Minister zeigt sich Amerikas Verkehrsminister Ray LaHood eher kleinlaut. Er ist bislang nicht gerade als Toyota-Fan aufgefallen. Aber schon am Dienstag rührte LaHood auf einmal die Werbetrommel für den japanischen Autohersteller. Er erzählte, dass seine Tochter ihn unlängst gefragt habe, ob sie sich einen Sienna-Minivan von Toyota kaufen solle. Sie habe sich Sorgen gemacht, ob das Auto denn sicher sei. LaHood sagte, er habe seiner Tochter zum Kauf des Sienna geraten, was sie dann auch getan habe.

          „Wir halten Toyota-Autos für fahrsicher”: Verkehrsminister Ray LaHood

          Vor fast genau einem Jahr, als die Affäre um unbeabsichtigte Beschleunigung bei Autos von Toyota auf ihrem Höhepunkt war, hatte derselbe Minister noch ganz andere Töne angeschlagen. Er schreckte Toyota-Besitzer mit der Äußerung auf, sie sollten ihre Autos besser nicht mehr fahren. Und er machte bedrohliche Kampfansagen wie: „Wir sind noch nicht durch mit Toyota.“ Die neue Versöhnlichkeit von LaHood hat mit den Ergebnissen der Studie zu tun, die von der an sein Ministerium angeschlossenen Sicherheitsbehörde NHTSA vor zehn Monaten bei der Raumfahrtbehörde Nasa in Auftrag gegeben worden ist.

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