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Beliebtes Reiseland : Touristen stürmen die Türkei

Die Hagia Sopia in Istanbul Bild: dpa

Noch nie haben so viele Deutsche die Türkei besucht wie im Juli. Der Boom überrascht.

          2 Min.

          Ungeachtet der autokratischen Tendenzen in Ankara und der angespannten Situation in den Nachbarländern Syrien, Irak und Iran strömen die Gäste aus der Bundesrepublik wieder zu Hunderttausenden an den Bosporus, die Mittelmeer- oder Schwarzmeerküste. Neuen Zahlen des Tourismusministeriums in Ankara zufolge bereisten im Juli 868 000 Deutsche die Türkei, 14 Prozent mehr als im Juli 2018. Zuvor war der bisher stärkste Monat der August 2015 mit 842 000 Ankünften.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Der Boom überrascht, da es zuletzt vermehrt Berichte über Einreiseverweigerungen und Festnahmen deutscher Urlauber gab. Die meisten von ihnen hatten türkische Wurzeln, wurden verdächtigt, Organisationen wie die PKK oder die Gülen-Bewegung zu unterstützen oder antitürkische Propaganda zu verbreiten, etwa im Internet. Das Auswärtige Amt warnt in seinen Sicherheitshinweisen vor „willkürlichen“ Inhaftierungen“: „Es ist weiterhin von einem erhöhten Festnahmerisiko auszugehen.“

          Offenbar schlagen immer mehr Urlauber diese Bedenken in den Wind. „Die Buchungen lassen nicht darauf schließen, dass unsere Kunden Probleme mit der Türkei haben“, sagt eine Sprecherin von TUI, dem größten Reiseveranstalter Europas. Im Gegenteil: Für den Konzern ist das Land „der Shootingstar dieses Sommers“. Die Buchungsrate sei zweistellig, sagt die Sprecherin: „Die Türkei ist auf dem besten Weg zu alten Rekorden.“

          Preise ziehen an

          Tatsächlich könnte 2019 das stärkste Jahr für den deutschen Tourismus in der Türkei werden. Bisher hält 2015 diesen Rekord mit fast 5,6 Millionen Ankünften. Im vergangenen Jahr entschieden sich 4,5 Millionen Deutsche für die Türkei. Die ersten sieben Monate 2019 verzeichnen jetzt schon den zweitstärksten Wert der Geschichte. Zwischen Januar und Juli reisten knapp 2,7 Millionen Personen aus Deutschland ein, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Spitzenjahr 2015 waren es 2,9 Millionen gewesen. In den Jahren, 2016 und 2017 hatte es einen starken Abschwung gegeben: wegen der Terroranschläge, des Putschversuchs und des darauf folgenden Ausnahmezustands, wegen der Inhaftierung deutscher Staatsbürger und generell wegen der Verschlechterung des bilateralen Verhältnisses. Seit 2018 erholt sich der Fremdenverkehr aber wieder. Das hat auch mit starken Preissenkungen in der Türkei zu tun und mit dem Verfall der Landeswährung. 2018 sank der Außenwert der Lira um fast 30 Prozent.

          Insgesamt feiert der Tourismus in der Türkei jetzt schon einen Rekord. Die Zahl von fast 25 Millionen ausländischen Gästen zwischen Januar und Juli (plus 14 Prozent) ist der höchste jemals gemessene Wert. Zu verdanken ist das besonders den russischen Gästen, die nach einer Phase der politischen Eiszeit zwischen beiden Regierungen so zahlreich kommen wie nie zuvor. Im Juli reisten mehr als eine Million Russen in die Türkei ein (plus 16 Prozent), womit zum ersten Mal in einem Monat aus einem einzigen Land mehr als eine Million Urlauber kamen. Auch in der Sieben-Monats-Betrachtung führt Russland mit 3,8 Millionen Ankünften die Liste vor Deutschland an. 15 Prozent aller Auslandstouristen kamen aus Russland, 11 Prozent aus Deutschland.

          Nach den Flauten der Vorjahre haben sich die Auslastung der Hotels und das Preisniveau in der Türkei wieder etwas gefangen. Der Hotelverband TÜROB meldet für Juli eine Auslastung der Fünfsternehotels von 76 Prozent, 2 Punkte mehr als vor einem Jahr. Der Durchschnittszimmerpreis in dieser Kategorie habe sich um 14 Prozent auf 112 Dollar je Nacht erhöht. Der Fremdenverkehr ist enorm wichtig für die türkische Wirtschaft. Die Welttourismusorganisation WTTC beziffert seinen Beitrag auf 96 Milliarden Dollar im Jahr – oder 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Wichtiger sei nur die Bauindustrie.

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