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Tourismus in der Corona-Krise : Ohne Salzstreuer geht’s weiter

  • -Aktualisiert am

Spaziergang an der Lübecker Bucht: Die Gemeinde Scharbeutz bereitet auf das Wiederanfahren von Hotels und Restaurants vor. Bild: dpa

Hotels und Gaststätten hoffen auf baldige Öffnung. In Schleswig-Holstein haben sie konkrete Vorschläge dafür: Mehr Abstand, weniger Strandkörbe und ohne Selbstbedienung, Stammtische oder Salzstreuer.

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          In normalen Zeiten ist Scharbeutz ein Anziehungspunkt für Touristen an der Ostsee. Hier schlendern Menschen an der Promenade oder der Seebrücke entlang, trinken in einer Gaststätte einen Kaffee oder Tee, sitzen im Strandkorb oder im Sand daneben mit Blick auf die Lübecker Bucht. Eigentlich wäre das auch jetzt so. Das Seeheilbad zählt normalerweise zu den Orten in Schleswig-Holstein mit den höchsten Übernachtungszahlen. Nun ist an der See allerdings wenig normal und wenig los, weil die Corona-Pandemie den Tourismus einschränkt.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das alles führt zum gewünschten Stillstand, aber belastet auch die Hotels, Gaststätten und Vermieter von Ferienwohnungen oder Strandkörben. Das Tourismusgeschäft liegt nicht nur an der Ostsee deutlich am Boden. 99 Prozent der gastronomischen Betriebe sind in Kurzarbeit, hat das Ifo-Institut gerade mitgeteilt. So schwer es den Gastwirten und Hoteliers momentan auch fällt, so haben sie doch Hoffnung darauf, ihre Betriebe wieder zu öffnen. Viele fordern vehement ein Startdatum. Erste Bundesländer lassen Gaststätten und Hotels demnächst wieder loslegen.

          Ohne Pfefferstreuer auf den Tischen

          In Scharbeutz haben sich Praktiker aus der Tourismusbranche und kommunale Vertreter schon einmal zusammengesetzt, um zu besprechen, wie eine solche Öffnung aussehen kann. In konkreten Punkten haben sie aufgeschrieben, was Hotels, Restaurants und Vermieter von Ferienwohnungen alles beachten sollten, um die Ansteckungsmöglichkeiten mit dem Corona-Virus gering zu halten: Neben größeren Abständen zu Mitarbeitern und anderen Gästen, an den Tischen drinnen und auf den Terrassen, Desinfektionsspender an jedem Eingang und vermehrten Säubern sollte es keine Selbstbedienung mehr geben, keine Stammtische und auch keine Salz- und Pfefferstreuer auf dem Tisch.

          "Beim Servieren und Abräumen nicht sprechen", ist ein weiterer Rat unter den mehr als hundert Muss- und Kann-Regeln aus der Praxis. Regelmäßig soll gelüftet und die Türen im Eingangsbereich auch offen gelassen werden. Gäste sollten mit einer digitalen Speisekarte Essen und Getränke aussuchen, die Zimmerschlüssel immer desinfiziert werden und maximal zwei Personen im Aufzug fahren.

          Furcht vor Entlassungen und Insolvenzen

          In den Regionen an der Küste spielt der Tourismus eine entscheidende Rolle in der Wirtschaft. Das ist längst nicht nur im Kreis Ostholstein so. Sollten die zur Zeit verhängten Schließungen noch längere Zeit andauern, fürchtet der dortige Landrat Reinhard Sager (CDU) enorme Auswirkungen. Er nennt dazu Entlassungen und Insolvenzen, da schon jetzt die meisten Betriebe Kurzarbeitergeld beantragt haben.

          Sager übermittelte die umfangreichen Vorschläge aus der Praxis an Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU) und schreibt dazu, dass es gelingen muss, alsbald in einem vertretbaren Maße die Nutzung von touristischen Angeboten wieder zuzulassen, sofern die Infektionslage es ermöglicht. Landrat Sager sagt, dass es ein Vorteil ist, wenn die Vorschläge mal von unten nach oben kommen und nicht andersrum.

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