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Tourismus : Gates und Prinz Alwaleed greifen nach Hotelkette Four Seasons

  • Aktualisiert am

71 Hotels, wie hier in Damaskus, betreibt Four Seasons weltweit Bild: AFP

Die Hotelkette Four Seasons gehört möglicherweise bald den reichsten Männern der Welt. Bill Gates und der saudische Prinz Alwaleed haben ein Übernahmeangebot über 3,7 Miliarden Dollar für Four Seasons abgegeben.

          Die weltweit vertretene Hotelkette Four Seasons Inc. hat möglicherweise bald zwei sehr prominente Miteigentümer, die zu den reichsten Männern der Welt gehören. Bill Gates, der Gründer des Softwarekonzerns Microsoft, und der saudische Prinz Alwaleed bin Talal haben über ihre jeweiligen Investmentgesellschaften ein Übernahmeangebot für Four Seasons abgegeben.

          Die geplante Transaktion, hinter der neben Gates und Alwaleed auch Four Seasons-Vorstandschef Isadore Sharp steht, hat ein Volumen von insgesamt 3,7 Milliarden Dollar. Bill Gates führt seit Jahren die Liste der reichsten Menschen der Welt der Zeitschrift „Forbes“ an, zuletzt wurde sein Vermögen auf 50 Milliarden Dollar beziffert. Prinz Alwaleed findet sich in dieser Liste auf Rang acht mit 20 Milliarden Dollar.

          Hotelkette soll von der Börse genommen werden

          Wie Four Seasons am Montag mitteilte, wollen die Gates-Beteiligungsgesellschaft Cascade Investment LLC und das Alwaleed-Unternehmen Kingdom Hotels International alle ausstehenden Aktien der Hotelkette für 82 Dollar in bar kaufen - mit Ausnahme des 10-Prozent-Anteils, der Vorstandschef Sharp gehört und den dieser auch nach der Transaktion behalten will. Nach der Übernahme soll Four Seasons den Vorstellungen der Investoren zufolge von der Börse genommen werden.

          Der reichste Mann der Welt, Microsoft-Gründer Bill Gates

          Der gebotene Preis entspricht einem Aufschlag von 28 Prozent auf den Schlußkurs vom vergangenen Freitag. Der Aktienkurs der im kanadischen Toronto ansässigen Hotelkette sprang am Montag im Handelsverlauf sogar über den zur Diskussion stehenden Preis auf rund 84 Dollar. Four Seasons hat sich allerdings noch nicht festgelegt, ob das vorgelegte Angebot angenommen werden soll.

          Verwaltungsrat prüft Offerte

          Der Verwaltungsrat hat einen aus mehreren seiner Mitglieder bestehenden Ausschuß zur Überprüfung der Offerte gebildet, der eine Empfehlung an das Gremium abgeben soll. Cascade und Kingdom wollen nach Angaben von Four Seasons beim Zustandekommen der Transaktion einen gleich hohen Anteil an der Hotelkette halten. Beide Investoren hielten schon bislang kleinere Beteiligungen.

          Four Seasons betreibt insgesamt 71 Hotels in 31Ländern und arbeitet derzeit an der Entwicklung von 25 weiteren Projekten. Das Unternehmen ist auf das Management von Hotels spezialisiert, die Häuser gehören Four Seasons also im Regelfall nicht selbst. In Europa betreibt Four Seasons insgesamt zwölf Häuser, darunter das Hotel des Bergues in Genf und das Hotel George V. in Paris. In Deutschland ist Four Seasons nicht vertreten.

          Das Unternehmen ist nicht zu verwechseln mit Hotels, die den Namen „Vier Jahreszeiten“ tragen. Jene Hotels sind in der Hand verschiedener Eigentümer: Das Münchener Hotel „Vier Jahreszeiten“ gehört zum Beispiel zur Hotelgruppe Kempinski, das „Vier Jahreszeiten“ in Hamburg ist Teil der Raffles-Kette aus Singapur, an der Prinz Alwaleed ebenfalls beteiligt ist. Der 51Jahre alte Prinz Alwaleed hat erst in diesem Jahr zusammen mit anderen Investoren die kanadische Luxushotelkette Fairmont übernommen, die nachher mit Raffles zusammengelegt wurde.

          Kanadische Bahngesellschaft und mexikanische Mediengruppe

          Bill Gates hat Cascade gegründet, um sein mit Microsoft gemachtes Vermögen zu diversifizieren. Cascade hat mittlerweile einen bunten Strauß an Beteiligungen: Zu den größten Positionen gehören Anteile an der kanadischen Bahngesellschaft Canadian National Railway, dem Entsorgungsunternehmen Republic Services und der mexikanischen Mediengruppe Grupo Televisa. Auch an dem Firmenkonglomerat Berkshire Hathaway des Investors Warren Buffett, mit dem der 50 Jahre alte Gates eng befreundet ist, hat Cascade eine nennenswerte Beteiligung. Teil des Portfolios ist auch die Freizeitparkkette Six Flags. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, daß Cascade mit einem amerikanischen Energieversorger ein Gemeinschaftsunternehmen gründen will.

          Dem Four-Seasons-Vorstandschef Sharp würde die Transaktion mit Gates und Alwaleed eine reiche Belohnung bescheren. Wie das Unternehmen mitteilte, stünde Sharp aufgrund eines schon im Jahr 1989 beschlossenen langfristigen Entlohnungsplans nach Abschluß der Übernahme eine Zahlung von 288 Millionen Dollar zu.

          Sharp selbst sagte, er werde sich nicht nach möglichen anderen Interessenten umsehen und nur die mit Gates und Alwaleed vereinbarte Transaktion verfolgen. Dem Plan zufolge werde er nicht nur seinen 10-Prozent-Anteil behalten, sondern auch Vorstandschef und Verwaltungsratsvorsitzender des Unternehmens bleiben. In einer Telefonkonferenz sagte er weiterhin, auch an der strategischen Ausrichtung von Four Seasons solle sich nach der Übernahme nichts ändern.

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