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Zombiefizierung der Wirtschaft : In Europa gibt es zu viele tote Unternehmen

Zombiefizierung der Wirtschaft: Zu viele Unternehmen müssten eigentlich schon längst tot sein. Bild: Reuters

In der europäischen Wirtschaft treiben derzeit Untote ihr Unwesen. Nicht lebensfähige Firmen binden Kapital, das sonst wachstumstreibend eingesetzt werden könnte.

          Die schwache Entwicklung der Produktivität in den vergangenen Jahren ist eng mit dem wachsenden Anteil von „Zombieunternehmen“ verbunden. Zu diesem Schluss kommt eine neue Untersuchung der Industriestaatenorganisation OECD. „Eine wichtige, aber oft übersehene Quelle für die Produktivitätsbremsung ist die zunehmende Häufigkeit von wenig produktiven und auch ,Zombie‘-Firmen, die eigentlich ausscheiden sollten oder in einem wettbewerblichen Markt zu einer Restrukturierung gezwungen würden“, heißt es in der Studie. Um die Dramatik zu unterstreichen, zeigen die OECD-Volkswirte Dan Andrews und Giuseppe Nicoletti in ihrer Präsentation ein Bild, das an den Horrorfilm „The Walking Dead“ erinnert.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          In Italien sei der Anteil des Kapitals, das in „Zombiefirmen“ gebunden ist, zwischen 2007 und 2013 von 7 auf 19 Prozent gestiegen, errechneten die OECD-Fachleute. In Spanien habe sich der Anteil auf etwa 16 Prozent verdoppelt, auch in Portugal ist er deutlich gestiegen. Den mit Abstand größten Anteil (28 Prozent) von in eigentlich toten Unternehmen gebundenem Kapital gibt es in Griechenland. In Deutschland liegt er laut OECD-Angabe bei 12 Prozent. Als „Zombiefirmen“ definieren die OECD-Ökonomen in ihrer Studie Unternehmen, die über längere Zeit Schwierigkeiten hatten, ihre Schulden zu bedienen, die aber trotzdem nicht Insolvenz anmeldeten. Zombiefirmen halten die Produktivität zurück, weil sie Kredite, Investitionen und Fachkräfte binden, die in anderen Unternehmen besser und produktiver eingesetzt werden könnten. Die Unternehmen werden aber durch billige Kredite künstlich am Leben erhalten.

          Unternehmen halten sich hartnäckig

          Ihre hartnäckige Existenz hängt eng mit der Krise des Bankensektors zusammen. Angeschlagene Banken hoffen, dass sich angeschlagene Kreditnehmer doch noch erholen; daher verlängern sie faule Kredite immer wieder, statt sie abzuschreiben. Je schlechter es den Banken geht, desto stärker die Zombiefizierung der Wirtschaft insgesamt.

          Der Begriff „Zombiebank“ wurde erstmals vor zehn Jahren von den Ökonomen Ricardo Caballero und Takeo Hoshi geprägt mit Blick auf Japan nach der um 1990 geplatzten Finanzblase dort. Eine Bereinigung wurde zu lange hinausgezögert, entsprechend hoch war die Zombiefizierung. Inzwischen scheint das Problem in Japan geringer geworden zu sein.

          Entschlossene Bereinigung sollte vorangetrieben werden

          Um wieder mehr wirtschaftliche Dynamik in Europa zu erzeugen, sollte eine entschlossene Bereinigung vorangetrieben werden, empfiehlt die OECD. Dafür müssten die Insolvenzregeln in einigen Ländern reformiert werden. Die OECD hat einen Index erstellt, der zeigt, wie hoch die Hürde ist, bevor ein eigentlich totes Unternehmen endlich ausscheidet oder nicht lebensfähige Teile abgewickelt werden. Gerade in den Mittelmeerländern gebe es noch viel Raum für Verbesserungen. Wie hoch der Anteil der Zombieproblematik an der schwachen Produktivitätsentwicklung ist – die sich in den Industrieländern von 2 Prozent in den neunziger Jahren auf rund 1 Prozent halbiert hat –, ist schwer zu sagen.

          Die Erkenntnis, dass die Wirtschaft stärker wächst, wenn schwache Unternehmen ausscheiden, hat als Erster Joseph Schumpeter beschrieben. Sein Schlagwort lautete „schöpferische Zerstörung“. Je länger überholte Strukturen künstlich am Leben erhalten werden, desto mehr werden Ressourcen unproduktiv gebunden, und der Fortschritt bleibt aus. Die OECD-Ökonomen mahnen, dass alle Reformen auch mit einer sozialen Abfederung kombiniert werden müssten.

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