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Tom Steyer und sein Ziel : Ein Milliardär gegen Donald Trump

Tom Steyer Bild: AFP

Der Amerikaner Tom Steyer nimmt Millionen in die Hand, um den Präsidenten aus dem Amt zu jagen. Was sind die eigenen Ambitionen des Fondsmanagers?

          3 Min.

          Seit einigen Tagen werden im Umfeld von zuschauerstarken Sendungen wie den World Series im Baseball Werbespots ausgestrahlt, die am Ende einen ernst blickenden Mann in einem Wohnzimmer zeigen. Er trägt ein Jeanshemd, hat entfernt Ähnlichkeit mit dem Schauspieler Paul Newman in seinen späten Jahren und redet mit leicht rauchiger Stimme in die Kamera.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Der Mann heißt Thomas „Tom“ Steyer und er fordert nichts Geringeres als die Amtsenthebung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Er wirft ihm vor, die Vereinigten Staaten an den Rand des Nuklearkrieges geführt zu haben, den Rechtsstaat zu behindern, die Verfassung zu brechen, Geld von fremden Mächten genommen zu haben und mit der Schließung von Medienverlagen gedroht zu haben, die die Wahrheit berichtet hätten. Trump sei eine präsente Gefahr und mental instabil. Der Spot endet mit der Aufforderung, die Internetseite „Needtoimpeach“ aufzusuchen und das Begehren mit Name und Anschrift zu unterstützen.

          Steyer kommt zur rechten Zeit

          Tom Steyer hat die Werbekampagne, deren Kosten von Insidern auf 10 Millionen Dollar beziffert werden, selbst bezahlt. Der Wahl-Kalifornier ist Milliardär mit einem Vermögen, welches das Magazin Forbes auf 1,61 Milliarden kalkuliert. Das ist das Ergebnis eines wirtschaftlich extrem erfolgreichen Wirkens in der Finanzindustrie. Der 60 Jahre Steyer hat in seinem früheren Leben im Jahr 1986 den Hedgefonds Farallon in San Francisco gegründet und 26 Jahre lang gelenkt, bevor er 2012 seine Position aufgab.

          Seitdem investiert Steyer besonders viel Geld, Zeit und Aufwand in die Politik im weiteren und im engeren Sinne. Er fördert erneuerbare Energien und deren Erforschung und er stützt eine Organisation, die vor allem junge Leute zum Wählen animiert und für den Klimawandel sensibilisiert. Seit vielen Jahren gehört er zu den wichtigen Geldgebern und Spendensammlern der Demokratischen Partei. Er hat schon Walter Mondale unterstützt, John Kerry, Hillary Clinton und Barack Obama. Steyer ist ein Gegengewicht zu den Industriellen Charles und David Koch, die zu den wichtigsten Finanziers der Republikanischen Partei gehören.

          Das Timing seiner Werbespots ist nahezu perfekt. Nicht nur sind die Baseballspiele, in deren Umfeld sie gezeigt werden, so spannend wie selten. Im Weißen Haus sind immer mehr Zeichen der Nervosität zu beobachten, nachdem Sonderermittler Robert Mueller Anklage gegen Trumps alten Wahlkampfmanager Paul Manafort erhoben hat. Da kommt eine millionenschwere Kampagne zur Amtsenthebung eher ungelegen.

          Trump hat die Werbespots gesehen und in einer ganz eigenen Interpretation der Würde seines Amtes mit folgenden Worten kommentiert: „Der schräge und völlig gestörte Tom Steyer, der mich und meine ,Make America Great again‘-Agenda von Anfang an bekämpft hat, gewinnt niemals Wahlen“, schrieb Präsident Donald Trump auf Twitter.

          Steyer konterte Trumps Tweet pathetisch, in einer Hinsicht habe der Präsident Recht. Er habe dessen Rassismus und dessen kriecherischen Geschäftspraktiken tatsächlich schon immer bekämpft und werde darin niemals innehalten. Vielleicht aber hat Trump auch in anderer Hinsicht den richtigen Riecher. Steyer drängt es offenkundig von den Hinterzimmern des Parteispenden-Optimierens in die Vorderzimmer der Politik.

          Will Steyer Senator werden?

          Ein Indikator für seine politischen Ambitionen ist es, dass er sich in von ihm bezahlten politischen Werbespots selbst ins Bild zu setzen pflegt. Das hilft ihm, bekannter zu werden in Kalifornien und darüber hinaus. Tatsächlich überlegt sich Steyer nach eigenen Angaben, die prominente Senatorin Dianne Feinstein herauszufordern. Sie wird von lauteren Teilen der demokratischen Basis für zu zahm in der politischen Auseinandersetzung mit Trump und für zu konservativ gehalten.

          Einer Karriere in der demokratischen Partei könnte allerdings sein Werdegang entgegen stehen. Sein Hedgefonds war selbst in fossiler Energie und in einem privaten Gefängniskonzern investiert, was ihm kleine Bürgerinitiativen vorhalten. Er war vor seinen Jahren an der Spitze des eigenen Hedgefonds bei Goldman Sachs groß geworden und galt als Schützling des damaligen Goldman-Sachs-Chefs Robert Rubin, der unter Bill Clinton als Finanzminister diente. Rubin ist ein besonders abschreckendes Beispiel für schädliche Nähe von Politik und Wall Street. Das könnte politischen Gegnern Munition liefern für Wahlkämpfe, die in Amerika regelmäßig mit bemerkenswerter Brutalität ausgetragen werden.

          Steyer hat den New Yorker Investmentbankern schon nach drei Jahren den Rücken gekehrt, seiner damaligen Freundin und heutigen Frau Katryn Taylor zuliebe. Sie hat ihm klar gemacht, New York sei keine Stadt, in der sie Kinder haben wolle. Daraufhin zogen sie nach Kalifornien. Das Ehepaar hat vier Kinder groß gezogen. Kennen gelernt haben sie sich an der Stanford Universität beim Sportunterricht. Taylor ist Co-CEO einer gemeinnützigen Bank, die regionale Projekte fördert. Das Ehepaar hat die Bank vor zehn Jahren gegründet und mit entsprechenden Finanzmitteln dotiert. Das Paar hat sich der „Giving Pledge“-Initiative von Bill Gates angeschlossen, deren Mitglieder versprechen, mindestens die Hälfte ihres Vermögens karitativen Zwecken zu widmen.

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