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Toilettentechnik : Villeroy & Boch will das Dusch-WC einführen

  • -Aktualisiert am

Japanisches WC-Design Bild: AFP

Der börsennotierte Lifestylekonzern aus dem Saarland weitet seine Kooperation mit der japanischen Toto-Gruppe, einem der größten Sanitärhersteller der Welt, aus.

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          Zwei Entwicklungen kennzeichnen den deutschen Sanitärmarkt. Die eine ist die hin zum randlosen WC, ist Andreas Pfeiffer überzeugt, im Vorstand der Villeroy & Boch AG zuständig für den Bereich Bad und Wellness. Vor zwei Jahren habe man dem entsprechenden Angebot auf der Messe noch wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Entgegen den Erwartungen seien es dann auch nicht die Hotels, sondern die Privathaushalte gewesen, die den Vorteil der nicht mehr verschmutzenden Toilettenränder schätzen gelernt hätten. Aufgrund einer anderen Spülwasserführung ist der doppelwandige Rand nicht mehr notwendig.

          Von einer zweiten Entwicklung verspricht man sich bei Villeroy & Boch aber noch mehr: vom Dusch-WC. Diese in Japan als Standard geltende und in Nordamerika durchaus nicht unbekannte Toilette ist sehr hygienisch. Statt mit Papier reinigt man sich nach dem Toilettengang mittels Wasser und anschließender Trocknung über einen Elektrofön. Weil das Dusch-WC in den achtziger Jahren in Japan entwickelt wurde, wo damals die meisten Toiletten in kalten Räumen installiert waren, gehört traditionsgemäß auch eine Sitzheizung zur Ausstattung. Diese Form der Toilette will Villeroy & Boch jetzt auch in Europa durchsetzen, wo sie mit Ausnahme der Schweiz weitgehend unbekannt ist.

          Für die Marktdurchdringung hat Villeroy & Boch den größtmöglichen Kooperationspartner gesucht. Auf der Sanitär- und Heizungsmesse ISH in Frankfurt wurde die Kooperation des europäischen Marktführers und Herstellers hochwertiger Sanitäreinrichtungen mit einem der größten Hersteller auf der Welt, dem japanischen Konzern Toto, bekannt gegeben. Das 1917 gegründete Unternehmen Toto ist mit 4,3 Milliarden Euro Umsatz (25000 Mitarbeiter an 100 Standorten in 18 Ländern) einer der beiden Weltmarktführer im Sanitärbereich mit dominierender Stellung in Asien und bedeutender Marktmacht in den Vereinigten Staaten. Für die Vereinigten Staaten, wo der Platzhirsch Kohler, ein 1873 gegründetes Familienunternehmen aus Wisconsin, den Ton angibt, existiert seit wenigen Monaten eine Vertriebskooperation. Alle Villeroy-&-Boch-Artikel werden über den Vertrieb von Toto mit verkauft. Diese Kooperation hat man jetzt durch eine technische Zusammenarbeit für Europa ergänzt. Toto stellt in Japan Dusch-WCs auf eigenen Plattformen und mit Villeroy-&-Boch-Design her, die in Europa unter Villeroy & Boch (mit dem Zusatz „powered by Toto“) verkauft werden. Toto ist zwar ebenso wie Kohler auch seit einigen Jahren in Deutschland tätig, aber auf niedriger Basis.

          Pfeiffer rechnet angesichts des Marktes von 20000 Anlagen im Jahr in der Schweiz mit einem Vielfachen davon für Deutschland. „Wenn man bedenkt, dass Deutschland etwa zehnmal so groß ist, dann dürfte sich hier ein Absatzvolumen von 200000 Stück im Jahr ergeben, was etwa 400 Millionen Euro Marktvolumen entspräche.“ Das größte Hindernis dürften die Kosten sein. Selbst ein Aufsatz auf eine bestehende Toilette - damit fängt die Kooperation im Herbst dieses Jahres an - kostet knapp 2000 Euro. Eine vor allem für Neubauten geeignete integrierte Lösung schlägt mit 6000 bis 7000 Euro zu Buche. Das hängt mit den vielen auch elektrischen und elektronischen Komponenten zur Einstellung von Wasserstrahl, Sitzflächenerwärmung und Fönstufe zusammen. Ein weiteres Hindernis zum Einbau dürfte sein, dass in vielen Bädern die Toilette heute keinen eigenen Stromanschluss hat.

          Eine Ausweitung der Kooperation auf weitere Geschäftsfelder sei denkbar, eine gegenseitige Beteiligung aber nicht vorgesehen, versichern die Vorstandsvorsitzenden Frank Göring für Villeroy & Boch sowie Kunio Harimoto für Toto.

          Der Badbereich von Villeroy & Boch ist im vergangenen Jahr um 1,2 Prozent auf 466 Millionen Euro gewachsen. 278 der insgesamt 744 Millionen Euro Umsatz (F.A.Z. vom 9. Februar) sind auf Geschirr entfallen. Besonders hoch war der Zuwachs mit 6 Prozent im Badgeschäft mit deutschen Kunden, auf die ein Viertel des Umsatzes entfällt. Für das laufende Jahr sollten ein Umsatz von 500 Millionen Euro möglich sein, heißt es im saarländischen Mettlach. Vor allem mit Badmöbeln laufe das Geschäft derzeit gut. Viele Verbraucher möchten demnach ihr Bad so einrichten, dass es jetzt schön aussieht und später einfach in ein altersgerechtes Bad umgebaut werden kann.

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