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„In Kernbereichen“ : Tönnies will Werkverträge abschaffen

  • Aktualisiert am

Tönnies-Mitarbeiter im September 2017 in einem Kühlhaus des Unternehmens in Rheda-Wiedenbrück Bild: dpa

„Wir brauchen die gesellschaftliche Akzeptanz“, sagt Clemens Tönnies und kündigt Verbesserungen für die Arbeiter im Schlachtbetrieb an. „Wir wollen auch in Zukunft in Deutschland Fleisch produzieren“, bekräftigt er.

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          Deutschlands größter Schlachtbetrieb Tönnies reagiert auf die massive Kritik an der großen Zahl an Werksangestellten. Bis Ende 2020 sollen alle Werkverträge „in allen Kernbereichen der Fleischgewinnung“ abgeschafft und die Mitarbeiter in der Tönnies-Unternehmensgruppe eingestellt werden. Das teilte Tönnies am Dienstag in Rheda-Wiedenbrück mit. Außerdem solle flächendeckend eine digitale Zeiterfassung an allen deutschen Standort für die Arbeiter eingeführt werden, heißt es in einer Mitteilung.

          Karl-Josef Laumann (CDU), Gesundheitsminister Nordrhein-Westfalens, hatte wiederholt Kritik an der fehlenden digitalen Zeiterfassung geübt. „Der Tönnies kann Ihnen sagen, von welchem Schwein die Mettwurst ist – er kann aber keine digitale Zeiterfassung machen“, sagt Laumann am Montag in der ARD-Sendung „Hart aber fair“. Am Dienstag verhängte Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident des Bundeslandes, zudem einen lokalen Lockdown für den Kreis Gütersloh.

          Schon Ende Mai, als sich mehrere Schlachthofbetriebe zu Corona-Hotspots entwickelt hatten, hatte das Bundeskabinett Eckpunkte zur Verschärfung der Auflagen für die Fleischindustrie beschlossen. Kern ist ein Verbot von Werkverträgen, damit Betriebe die Verantwortung für die Arbeitsbedingungen und Unterbringung von Arbeitern nicht länger auf Subunternehmer abwälzen können. Das Schlachten und Verarbeiten von Fleisch soll vom 1. Januar 2021 an nur noch mit Arbeitnehmern des eigenen Betriebes zulässig sein. 

          Vorgesehen sind zudem häufigere Kontrollen des Arbeitsschutzes, höhere Bußgelder und Auflagen für die Unterbringung ausländischer Arbeiter. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat angekündigt, den Gesetzentwurf bis Sommer vorzulegen und die Kontrollen in der Fleischindustrie zügig zu verschärfen.

          Auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte, die Regierung wolle dafür sorgen, „dass Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden und dass die Missstände abgestellt werden, indem man entsprechende Veränderungen trifft“. Das gelte nicht nur für die Werkverträge mit osteuropäischen Arbeitnehmern, sondern auch für die Unterbringung und die Arbeitsbedingungen konkret vor Ort.

          Tönnies: „Wir brauchen gesellschaftliche Akzeptanz“

          Das Unternehmen Tönnies will der Mitteilung zufolge ausreichenden und angemessenen Wohnraum für die Beschäftigten der Unternehmensgruppe an den Standorten schaffen. Auch dieser Punkt soll möglichst bis zum 1. Januar 2021 umgesetzt werden. Nach Angaben eines Tönnies-Sprechers könne es aber beim Thema Wohnen in den verbleibenden sechs Monaten bis Ende 2020 ein Zeitproblem geben.

          „Wir wollen auch in Zukunft in Deutschland Fleisch produzieren. Dafür brauchen wir die gesellschaftliche Akzeptanz“, sagt Clemens Tönnies als Mitinhaber. „Dies gilt über alle Ketten der Fleischproduktion und schließt ausdrücklich die Landwirtschaft mit ein.“

          Der Tönnies-Konkurrent Westfleisch hatte am Dienstag angekündigt, bis Ende des Jahres alle Mitarbeiter selbst einzustellen und auf Werkvertragsanbieter zu verzichten.

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