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Planmäßiger Niedergang : Der schleichende Tod der DDR

Neubau von Wohnungen in Berlin-Hellersdorf im Rahmen des Wohnungsbauprogramms der SED, aufgenommen im Juli 1987. Bild: Picture-Alliance

Die DDR ist an ihrem System gescheitert – auch wenn viele den finalen Niedergang nicht wahrhaben wollten. Eine Analyse.

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          Schon bevor die Mauer vor dreißig Jahren, am 9. November 1989, fiel, war die DDR so gut wie tot – zumindest wirtschaftlich. Sie stand unmittelbar vor der Pleite. Die SED-Spitze kannte die Wahrheit, verheimlichte sie aber. In einer „Analyse der ökonomischen Lage der DDR mit Schlussfolgerungen“, den der Generalsekretär des Zentralkomitees der SED, Egon Krenz, in Auftrag gegeben hatte und die dem Politbüro am 30. Oktober 1989 vorgelegt wurde, beschrieb Gerhard Schürer, Vorsitzender der Staatlichen Plankommission, „ein ungeschminktes Bild“. Um die drohende Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden, müsste man „eine Senkung des Lebensstandards um 25 bis 30 Prozent“ anordnen, was „die DDR unregierbar machen“ würde. Schürers Vorschläge: den Westen um Zusammenarbeit und neue Kredite bitten. Das SED-Politbüro stimmte zu. Zehn Tage später aber brachen die Mauer und die DDR zusammen.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die DDR-Bevölkerung hatte schon länger den gravierenden Niedergang und die Mangelversorgung gespürt. Besucher aus dem Westen konnten sehen, wie heruntergekommen Städte und die Infrastruktur waren. „Die DDR war völlig abgewirtschaftet, es gab einen gewaltigen Investitionsrückstand“, erklärt der in London lehrende Wirtschaftshistoriker Albrecht Ritschl. Nach späteren Schätzungen betrug der Produktivitätsrückstand zu Westdeutschland 70 Prozent. Im Westen machten sich zur Wendezeit dennoch viele Illusionen über die Wirtschaftskraft.

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