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Tierschutz : Strengere Regeln gegen Tierquälerei auf Rädern

Sie sollen in Zukunft komfortabler reisen - durch mehr Platz und Überwachung Bild: AP

Neue EU-Regeln für Tiertransporte treten an diesem Freitag in Kraft. In Zukunft sollen die Transporter per Satellit überwacht werden. Doch für Tierschützer ist die Neuregelung eine „gesetzlich sanktionierte Tierqual“.

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          Für Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen oder Pferde, die in der Europäischen Union auf große Reise gehen müssen, beginnt an diesem Freitag endgültig das Zeitalter der Satellitennavigation. Sämtliche von diesem Tag an neu zugelassenen und für Reisezeiten von mindestens acht Stunden vorgesehenen Transportfahrzeuge müssen über entsprechende Geräte verfügen.

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Sie sollen den Behörden eine lückenlose Kontrolle der Fahrten erlauben und damit der Tierquälerei auf Rädern einen wirksameren Riegel vorschieben. All dies sieht die Ende 2004 erarbeitete und nun in Kraft tretende EU-Verordnung zum „Schutz von Tieren beim Transport und damit zusammenhängenden Vorgängen“ vor.

          Trächtige Tiere müssen nicht mehr auf Fahrt

          Eng mit der Neuregelung verknüpft, aber 2004 wegen Streitereien der EU-Partner ausgespart worden ist die Verschärfung der Regelung für Ruhezeiten bei grenzüberschreitenden Transporten sowie für die zulässige sogenannte Besatzdichte. Sie bestimmt, auf welch engem Raum sich Vierbeiner drängeln müssen.

          Für Pferde zumindest gilt fortan, dass sie in voneinander abgetrennten Verschlägen transportiert werden müssen. Die Fahrt nicht antreten müssen trächtige Tiere, die unmittelbar vor oder nach der Geburt des Nachwuchses stehen, sowie krankes Vieh.

          Einsatz von Schlagstöcken künftig untersagt

          Schon 2004 hatte es von Tierschützern, aber auch im Kreis der EU-Regierungen Kritik gehagelt. „Das ist kein schwarzer, das ist ein grauer Tag“, hatte die damalige Agrarministerin Renate Künast ein wenig abwiegelnd gesagt. Immerhin sei erreicht worden, die Gesundheitsprüfung vor den Transporten zu verbessern, eine häufige Versorgung der Tiere mit Trinkwasser und klarere Regeln für die berufliche Qualifikation von Fahrern und Tierpflegern vorzusehen.

          Auch der Einsatz von Schlagstöcken und andere Formen der Quälerei wie Fußtritte sind künftig untersagt. Vergeblich hatte die Grünen-Politikerin damals allerdings dafür geworben, dass Kälber nicht mehr bereits zehn Tage nach der Geburt transportiert werden dürften.

          „Kulturschande gehört beendet“

          Aber ihr Hinweis, dass der Nabel bei Kälbern erst zwei Wochen nach der Geburt auszuheilen pflege, verfing ebenso wenig wie ihr Aufruf, die zulässigen Fahrzeiten - derzeit bei Schweine- und Pferdetransporten bis zu 24 Stunden - drastisch zu verkürzen. Über „gesetzlich sanktionierte Tierqual“ wetterte damals Wolfgang Apel, der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Und er verlangte: „Diese Kulturschande gehört beendet, und das bleibt unser Ziel.“ Die Organisation „Menschen für Tierrechte“ beklagte darüber hinaus, für den Transport von Jungtieren habe die Neuregelung sogar Verschlechterungen zur Folge.

          Vielleicht werden die Klagen der Tierschützer ja erhört. Der zuständige EU-Kommissar Markos Kyprianou kündigte am Donnerstag zumindest an, er werde neue Vorschläge zur zulässigen Ladedichte und zu den erlaubten Fahrzeiten unterbreiten. Die Tiere und ihre Fürsprecher werden sich jedoch vielleicht noch fast drei Jahre gedulden müssen. Kyprianou will die Vorschläge „vor Ende 2009“ präsentieren. Und erst danach beginnt die nächste Verhandlungsrunde der EU-Regierungen.

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