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Industriekonzern : Thyssenkrupp übernimmt brasilianisches Stahlwerk komplett

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Das Werksgelände des Stahl- und Hüttenwerkes an der Sepetiba-Bucht bei Rio de Janeiro Bild: dpa

Stahlwerke in Übersee hatten Thyssenkrupp herbe Verluste eingebrockt. Nun will der Industriekonzern über einen Problem-Standort in Brasilien allein bestimmen können. Gelingt ein baldiger Verkauf?

          Der Industriekonzern Thyssenkrupp will sich künftig allein um die Zukunft seines brasilianischen Problem-Stahlwerks CSA kümmern. Das Unternehmen verständigte sich mit dem Rohstoffriesen Vale auf die Übernahme von dessen knapp 27-prozentigem Anteil an der Anlage in Santa Cruz nahe Rio de Janeiro. Als Gegenleistung sei ein „symbolischer Kaufpreis“ vereinbart, teilte Thyssenkrupp am späten Montagabend in Essen mit.

          An der Börse wurde das Geschäft mit Skepsis aufgenommen. Zum Handelsstart am Dienstag verlor die Thyssenkrupp-Aktie rund 3,5 Prozent an Wert und war damit Schlusslicht im Dax.

          Als alleiniger Eigentümer hofft der Konzern nun, das verlustreiche Werk leichter verkaufen zu können. Frühere Versuche, die 2010 in Betrieb genommene Anlage abzustoßen, waren auch an den komplizierten Eigentums- und Mitspracherechten bei der Tochter gescheitert. Das sei nun bereinigt, erklärte Thyssenkrupp. Viele Verträge zwischen CSA und Vale seien aufgelöst. Langfristig verlängert wurde lediglich der Erz-Liefervertrag mit dem brasilianischen Rohstoffkonzern. Ein Sprecher sprach von guten Konditionen für beide Seiten.

          Dank des nur symbolischen Kaufpreises muss Thyssenkrupp keine neuen Schulden aufnehmen. Nur für den Fall, dass das einst 12 Milliarden Euro teure Werk über dem aktuellen Buchwert von rund 2,2 Milliarden Euro verkauft wird, würde Vale noch einen Nachschlag erhalten. Dem Geschäft müssen der Aufsichtsrat und Aufsichtsbehörden zustimmen.

          Der Bau des brasilianischen Stahlwerks hat sich für Thyssenkrupp als desaströser Fehlschlag erwiesen, der zu Milliarden-Verlusten führte und den Konzern in eine tiefe Krise stürzte. Erst explodierten die Baukosten, dann zeigte sich, dass es kaum wirtschaftlich für den Konzern zu betreiben ist. Zudem sorgten Schäden immer wieder für Probleme beim Anlauf der Produktion. Hinzu kamen Verstöße gegen Umweltschutzauflagen. Mehrfach ging Graphit-Staubregen nieder.

          Von Beginn an war Vale Partner des Projekts. Dahinter stand auch die Idee, dem Werk die Rohstoffversorgung zu sichern. Ursprünglich war Vale allerdings nur zu zehn Prozent beteiligt. Doch als der Bau immer teurer und das Geld bei Thyssenkrupp knapp wurde, erhöhte Vale 2009 seinen Anteil an CSA auf knapp 27 Prozent. Allein für die Aufstockung zahlten die Brasilianer damals knapp eine Milliarde Euro.

          Thyssenkrupp arbeitete sich inzwischen aus der Krise heraus und erzielte in den vergangenen beiden Jahren wieder Gewinne. Auch im brasilianischen Werk verbesserten sich Abläufe. Zuletzt verhinderte aber der Absturz der Stahlpreise schwarze Zahlen der Anlage.

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