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Thyssen-Krupp : Teurer Amerika-Ausflug

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Viel Geld in den Sand gesetzt: Werk von Thyssen-Krupp in Brasilien Bild: ThyssenKrupp

Thyssen-Krupp ist tief in die Verlustzone gestürzt. Aber man sollte das nicht als Vorbote einer Existenzkrise überbewerten. Das Geschäftsmodell ist nach wie vor gesund.

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          Beim deutschen Primus der Stahlbranche Thyssen-Krupp reißen die Krisenmeldungen aus Amerika nicht ab. Bei der Inbetriebnahme der ohnehin überteuerten Stahlhütte gibt es immer neue Pannen, die den Markteintritt in den Vereinigten Staaten verzögern. Nun sind zu den ohnehin gewaltigen betrieblichen Verlusten noch enorme Wertberichtigungen hinzugekommen. Das stürzt Thyssen-Krupp tief in die Verlustzone. Verständlicherweise landet der Kurs der Aktie von Thyssen-Krupp am Ende des Dax.

          Aber man sollte den überraschenden Verlustabschluss nicht als Vorbote einer Existenzkrise überbewerten. Zum einen legt der neue Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger seinen ersten Rechenschaftsbericht ab, mit vielen belastenden Einflussfaktoren, die der „Neue“ nicht selbst zu verantworten hat. Mit solchen Grausamkeiten baut der ehemalige Siemens-Vorstand der Gefahr vor, dass ihm die amerikanischen Probleme auch den nächsten Geschäftsbericht vermiesen. Zum anderen verdeckt der gewaltige Konzernverlust, dass sich Thyssen-Krupp trotz der schwierigen Rahmenbedingungen im Kerngeschäft weiter verbessert hat. Das europäische Stahlgeschäft warf den höchsten Gewinn im Konzern ab. Seine Renditen sind besser als die der großen Wettbewerber. Dies belegt, dass Thyssen-Krupp sein Geschäft mit hochwertigem Flachstahl versteht.

          Das Ergebnis der zweiten Konzernsäule - Technologie - ist höher als je zuvor. Unter normalen Umständen hätte der Konzern wohl für das gerade begonnene Geschäftsjahr eine starke Gewinnsteigerung prognostizieren können. Aber die Bedingungen sind alles andere als normal. Ein Ende der Staatsschuldenkrise ist so wenig absehbar wie deren Folgen für die Realwirtschaft. Keine Frage, die in Boomzeiten beschlossene Megainvestition hat sich nicht zuletzt wegen schwerer Managerfehler zu einem gewaltigen Ärgernis ausgewachsen, das Thyssen-Krupp noch Jahre die Laune trüben wird. Aber die neuen Werke werden den Konzern nicht in die Knie zwingen.

          Das Geschäftsmodell ist nach wie vor gesund. Selbst im verlustreichen vergangenen Jahr ist die Eigenkapitalquote stabil gehalten worden, die Netto-Finanzschulden wurden leicht reduziert. Selbst wenn die Weltwirtschaft abermals in eine Krise rutschen sollte, ist die Ausgangslage für den neuen Vorstandsvorsitzenden zumindest nicht schlechter als 2008. Nur sollte man lieber nicht nachdenken, wo der Konzern heute ohne diesen Amerika-Ausflug stehen könnte.

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