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Energiewende : Die „Thüringer Strombrücke“ ist freigeschaltet

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) gibt die Anweisung, die Südwest-Kuppelleitung freizuschalten. Bild: dpa

Nach mehr als zehn Jahren Bau fließt nun ganz regulär Strom durch die neue Höchstspannungsleitung von Thüringen nach Bayern. Für die Energiewirtschaft ist die Leitung sehr bedeutsam.

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          Die neue Stromleitung geht an diesem Donnerstag offiziell in Betrieb. Bisher wurde die Ost-West-Verbindung nur testweise genutzt. Was Fachleute „Südwest-Kuppelleitung“ oder „Thüringer Strombrücke“ nennen, ist für die Energiewirtschaft etwa so bedeutsam wie die neue Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Erfurt und Ebensfeld bei Bamberg für die Bahn. Am Donnerstag wurde die Leitung im Beisein von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) beim Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz offiziell in Betrieb genommen.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          „Mit dieser Leitung verbessert sich die Integration des erneuerbar erzeugten Stroms im Nordosten Deutschlands beträchtlich“, betonte der Vorsitzende der Geschäftsführung von 50Hertz, Boris Schucht. In drei Abschnitten wurde die Höchstspanungsleitung aufgebaut. Sie beginnt in Bad Lauchstädt in der Nähe von Halle und endet im oberfränkischen Redwitz. Teilweise begleiten die Strommasten die neue ICE-Strecke zwischen Nürnberg und Erfurt. Der Lückenschluss im Hochgeschwindigkeitsnetz verringert die Fahrtzeit der Bahn mit dem Winterfahrplan von sechs auf vier Stunden.

          Die neue Verbindung im Stromnetz zwischen Sachsen-Anhalt über Thüringen nach Bayern erleichtert den Ausgleich zwischen Regionen mit Stromüberschuss und Orten mit Strommangel. Mit der Energiewende hat die neue Stromtrasse an Bedeutung gewonnen. Im Osten wird mehr Strom nicht zuletzt aus Wind produziert, im Westen ging unter anderem das unterfränkische Kernkraftwerks Grafenrheinfeld vom Netz. Wenn die Stromleitung den Ausgleich nicht automatisch leisten kann, müssen die Netzbetreiber korrigierend eingreifen um das Netz zu stabilisieren. Auf der einen Seite des Engpasses werden Kraftwerke heruntergefahren, auf der anderen Seite Kraftwerke aus dem Schlaf erweckt.

          In beiden Fällen fließt Geld an die Betreiber – auf Kosten der Verbraucher, die dies über die Netzumlage finanzieren. Dieser Kostenblock macht etwa 24 Prozent vom Strompreis aus, wie der Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft ermittelte hat. Die Netzkosten schlagen damit in der Rechnung stärker zu Buche als die Strombeschaffung und der Vertrieb. Dieser Anteil liegt den Angaben zufolge bei weniger als 22 Prozent. Steuern, Abgaben und Umlagen machen mehr als die Hälfte (54 Prozent) des Strompreises aus. Hier ist die Umlage zur Förderung der Erneuerbaren Energien mit allein 24 Milliarden Euro der größte Kostenblock.

          Die Planung der neuen Strom-Autobahn begann in den neunziger Jahren. Der Bau der insgesamt rund 190 Kilometer lange Hochspannungsleitung war auf den Widerstand von Bürgerinitiativen, Kommunalpolitikern und Umweltschützern gestoßen. Mit dem Abschaltung der letzten Kernkraftwerke Ende 2022 muss das deutsche Stromnetz weiter massiv ausgebaut werden. Stromautobahnen müssen die von Windrädern produzierten Energie aus dem Norden in den Süden transportieren, wo Kraftwerke wegfallen und wichtige Abnehmer sitzen.

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