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Thomas Jordan : Der Euro-Prophet

Thomas Jordan hat die Euro-Krise kommen sehen Bild: AFP

Nach dem spektakulären Rücktritt von Philipp Hildebrand ist der Ökonom Thomas Jordan an die Spitze der Schweizer Zentralbank gerückt. Er bringt zwar wenig Glamour, dafür aber exzellente Fachkenntnis mit. Seine vor fast 20 Jahren geschriebene Dissertation liest sich heute wie ein Fahrplan für die Eurokrise.

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          Prominente Leute erzählen ja gerne, sie hätten die Finanzkrise schon früh vorausgesagt. Oder die Eurokrise schon vor 20 Jahren in der Dissertation prophezeit. Bei einem stimmt das tatsächlich: Thomas Jordan, dem neuen Chef der Schweizerischen Nationalbank. Er rückte vergangene Woche an die Spitze, nachdem der bisherige Präsident Philipp Hildebrand nach ungeschickten Währungsgeschäften zurückgetreten war. Jordan hat den Ruf eines exzellenten, sehr aufs Fachliche bedachten Ökonomen. Seine Dissertation stellte der Eurozone ein schlechtes Zeugnis aus - und das schon im Jahr 1993. Heute, fast 20 Jahre später, liest sich die Arbeit wie der Fahrplan für die Eurokrise.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Gerade war der Vertrag von Maastricht geschlossen worden und mit ihm die Währungsunion. Da wies Jordan schon auf die Probleme hin. "Seigniorage, Defizite, Verschuldung und Europäische Währungsunion": So lautet der unspektakuläre Titel seines Buches. Der wird schon brisanter, wenn man weiß, dass "Seigniorage" der Fachbegriff fürs Wirtschaften mit hoher Inflation und laxer Geldpolitik ist - also für das, was die Euro-Peripheriestaaten vor der Währungsunion im Übermaß taten.

          In seinem Buch zeigte Jordan mit 759 Formeln, dass die Umstellung auf eine stabilitätsorientierte Politik für einige Länder besonders schwierig wird und dass dabei Rezessionen drohen. Doch Länder, die ihre Wirtschaftsweise nicht umstellten, produzierten oft hohe Schulden. Gefährdet seien vor allem Griechenland, Italien, Portugal, Spanien, Irland und Belgien, schrieb Jordan damals - und traf damit genau die Länder, die jetzt die größten Probleme haben.

          Und was ist jetzt zu tun? Auch darauf kennt Jordans Dissertation eine Antwort. Die Zentralbank könne zwar versuchen, die Krise zu mildern. Damit unterbreche sie aber nur die - durchaus schmerzhafte, aber nötige - Annäherung der Staaten. "Mit der Zeit wird eine Fiskalunion kaum zu verhindern sein." Für eine funktionierende Währungsunion, so folgerte Jordan 1993, seien von den damals zwölf EG-Staaten nur vier geeignet: Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Luxemburg.

          Zuletzt hat die Notenbank den Franken-Kurs auf 1,20 Franken je Euro festgelegt - und den Franken so an die Europäische Währungsunion gekoppelt. Diese Bindung dürfte Jordan noch eine Weile durchhalten. In seiner Dissertation findet er dafür jedenfalls keine Hilfe: Was die Schweiz in so einer Krise machen sollte, hat er überhaupt nicht berücksichtigt.

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