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Nach Thomas-Cook-Insolvenz : Condor kommt im Überlebenskampf voran

Ein Condor-Flug startet Bild: dpa

Die Käufersuche geht nun in die heiße Phase. Eine Einigung mit den Gewerkschaften zum Stellenbau ist geglückt, nun gibt es mehrere Interessenten.

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          In knapp drei Monaten entscheidet sich, ob die Fluggesellschaft Condor den Untergang ihres Mutterkonzerns Thomas Cook überlebt. Dann muss das Unternehmen einen staatlichen Überbrückungskredit von 380 Millionen Euro zurückzahlen. Das Geld kann aber nur zurückfließen, wenn bis dahin Verträge mit einem Käufer besiegelt sind. Condor will noch in diesem Monat über den Verhandlungsstand informieren. Nach dem Einsammeln verbindlicher Angebote muss bis zum Rückzahltermin Zeit für Verhandlungen und wettbewerbsrechtliche Prüfungen bleiben.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie haarig es war, bevor Condor einen entscheidenden Schritt zu Kostensenkungen nahm, ist bei der Flugbegleitergewerkschaft Ufo nachzulesen. Die hat am Donnerstag mitgeteilt, dass eine Einigung über einen Tarifvertrag steht, der auch die Streichung von 150 der mehr als 2000 Stellen in der Kabine regelt. Ufo hat offensichtlich nur zähneknirschend eingewilligt. „Um den Fortbestand der Condor zu sichern, haben wir letzten Endes zugestimmt“, informiert die Gewerkschaft im Internet. Dazu teilt sie gegen Verdi aus.

          Verdi habe „in vorauseilendem Gehorsam und ohne sich mit uns als Mehrheitsgewerkschaft abzustimmen“, den Stellenabbau akzeptiert. Der sei möglichen Investoren „als gesetzt“ angepriesen worden. Ufo sah sich nach eigenen Angaben damit konfrontiert, dass die Ablehnung eines ungewünschten Tarifvertrags zum Aus für Condor hätte führen können. Ein Schauplatz des Streits zwischen Verdi und Ufo, wie es ihn bei Lufthansa gibt, wäre für Käufer unattraktiv.

          Mindestens drei Interessenten

          Dem Vernehmen nach zählt zu den Condor-Interessenten eine Gruppe von Reiseanbietern, die Urlaubskunden von Condor befördern lassen und ein Eigeninteresse haben, dass die Gesellschaft am Markt bleibt. Allerdings würden sie nicht genügend Geld mitbringen, als großer Kapitalgeber würde ein Finanzinvestor fungieren. DER Touristik und Schauinsland-Reisen hatten eine Minderheitsbeteiligung nicht ausgeschlossen. Nach Informationen der F.A.Z. hat auch die Kreuzfahrtreederei Aida an Gesprächen teilgenommen.

          Insgesamt dürften drei Offerten bevorstehen. Laut „Wirtschaftswoche“ soll eine von der polnischen Fluggesellschaft LOT kommen. Der „Spiegel“ meldete, dass neben dem amerikanischen Finanzinvestor Apollo, dessen Name seit Wochen kursiert, der britische Investor Greybull Interesse habe. Condor lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

          Ufo appelliert derweil an Mitglieder, anrechenbare Möglichkeiten der Teilzeitarbeit und des unbezahlten Urlaubs zu nutzen, um das Einsparziel ohne Kündigungen zu erfüllen. Zudem sei ausgehandelt worden, dass ausgeschiedene Beschäftigte auf das Kürzungsziel angerechnet würden. In der Verwaltung sind 170 Stellen weggefallen, die Aufgaben für den Cook-Konzern erledigt hatten. Die Cook Crewing Company, die zusätzliche Flugbegleiter stellte, hat ihr Geschäft eingestellt. Nach Angaben einer Sprecherin seien keine weiteren Streichungen geplant.

          Condor hatte das vergangene Geschäftsjahr mit 57 Millionen Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern abgeschlossen. Das war ein Drittel mehr als im Vorjahr. Doch das Management hat deutlich gemacht, dass langfristig ein mehr als doppelt so großer Umsatzanteil als Gewinn bleiben müsse. Dazu soll beitragen, dass Condor sich im laufenden Schutzschirmverfahren der Pensionslasten entledigen konnte. Zudem sollen die Einnahmen je Sitz gestiegen sein, weil Pauschalreiseanbieter für Platzkontingente mehr zahlen.

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