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Gescheiterter Reisekonzern : Thomas-Cook-Chef spricht über Insolvenz

Anhörung vor Abgeordneten: Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser muss Fragen beantworten. Bild: AFP

In einer Ausschussanhörung des britischen Parlaments räumt Peter Fankhauser ein, mit seinen Rettungsanstrengungen gescheitert zu sein. Ob er Boni zurückzahlt, will er sich überlegen.

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          Nach der Insolvenz gibt es keinen zweiten Versuch. Der Thomas-Cook-Vorstandschef Peter Fankhauser weiß das. Dennoch sagt er am Dienstag in einer Ausschussanhörung im britischen Parlament, wenn er einen hätte, würde er den Umbau des Reisekonzerns Thomas Cook schneller vorantreiben. Es tue ihm leid, „dass wir diese ikonische Marke und das Unternehmen mit seiner langen Geschichte nicht retten konnten.“ Vor allem bedauere er, dass er das Geschäft nicht mit Tempo drehen und den Schuldenberg verkleinern konnte. Er habe viel harte Arbeit in die Rettung investiert, müsse aber zugeben, gescheitert zu sein.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ob er Boni zurückzahlen wolle, ließ Fankhauser offen. „Ich nehme diese Frage mit und werde überlegen, was richtig ist, aber nicht heute entscheiden“, sagte er. Für die Jahre 2018 und 2019 seien ohnehin keine Boni geflossen. Für das Jahr 2017, in dem Thomas Cook  einen kleinen Gewinn von 12 Millionen Pfund ausgewiesen hatte – habe er 750.000 Pfund bekommen, 30 Prozent davon in Aktien. Die sind nach der Insolvenz wertlos. Vieles deutet darauf hin, dass der Liquidator von Thomas Cook nur die nicht in Aktien gezahlten Boni der vergangenen zwei Jahre zurückfordern könnte. Das wären im Fall von Fankhauser rund 550.000 Pfund.

          Hohe Schulden haben Arbeit erschwert

          Er wolle seine Vergütung nicht verteidigen, sie sei vom Konzern festgesetzt worden, sagte Fankhauser. Er habe unermüdlich gearbeitet, er verstehe aber vollkommen die Empfindungen und Sichtweisen in der Öffentlichkeit zu den Zahlungen. Britische Medien hatten im Vorfeld der Anhörung berichtet, dass Thomas-Cook-Chefs innerhalb der vergangenen 12 Jahren insgesamt mehr als 35 Millionen Pfund an Vergütungen erhielten. Etwa die Hälfte davon sei allerdings an den früheren Chef Manny Fontenla-Novoa gegangen, der im Jahr 2011 abtreten musste.

          Die hohen Schulden nach der damaligen Rettung hätten seine Arbeit erschwert, sagte der aus der Schweiz stammende Manager, der 2014 an die Konzernspitze gerückt war. Seit der vorangegangenen Rettung 2012 habe Thomas Cook 1,2 Milliarden Pfund für Zinsen und Finanzierungskosten aufbringen müssen. „Man stelle sich vor, in welch einer besseren Lage Thomas Cook wäre, wenn nur die Hälfte davon hätte investiert werden können“, sagte er.

          Erschüttert zeigte sich Fankhauser über das Agieren von Gesprächspartnern in den letztlich gescheiterten Rettungsverhandlungen. Der chinesische Großaktionär Fosun habe das 900-Millionen-Pfund-Rettungspaket mittragen wollen, auch Bankenvertreter hätten das immer wieder beteuert. „Sie haben mir das ins Gesicht gesagt“, sagte Fankhauser. Er habe fest an das Gelingen der Rekapitalisierung geglaubt. Letztlich scheiterten die Verhandlungen im Zusammenhang mit einer Nachforderung der Banken.

          Fankhauser sagte, er habe erstmals am 28. August – knapp einen Monat vor der Insolvenz – von dem möglichen zusätzlichen Finanzbedarf von bis zu 200 Millionen Pfund gehört. Es sei aber nicht bekannt gewesen, dass das eine zwingende Forderung sei. Der Konzern soll nach Informationen aus Branchenkreisen noch Geldgeber gefunden haben, doch die sollen auf eine Absicherung durch eine Staatsbürgschaft bestanden haben. Die gewährte London nicht.

          Nach den Darstellungen des Thomas-Cook-Chefs muss der Kontakt zur britischen Regierung zuletzt spärlich gewesen sein. In der Woche vor dem Aus habe es kein Gespräch mit einem britischen Minister gegeben, zu Regierungen aus fünf anderen Ländern – darunter auch Deutschland – gab es derweil Kontakte. Die Anhörungen werden in der kommenden Woche fortgesetzt. Dann sollen Wirtschaftsprüfer unter anderem erklären, warum eilig im Frühjahr 2019 eine Milliardenabschreibung auf den rückblickend zu teuren Kauf des Rivalen Mytravel vor mehr als zehn Jahren erfolgte, von der im vorherigen Jahresabschluss noch keine Rede war.

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