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Theo Waigel : Mister Euro würde es wieder so machen

Theo Waigel Bild: Foto Philip Plickert

Der frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel hat seine Memoiren veröffentlicht. Bei der Buchvorstellung heute in München plauderte er anekdotenreich.

          Fast zehn Jahre lang war Theo Waigel Bundesfinanzminister – damit ist er bis heute der Rekordhalter. Die Deutsche Einheit und die Weichenstellung für die Europäische Währungsunion fielen in seine Zeit. In den Jahren der Eurokrise rückte er ein wenig in den Hintergrund. Nun hat der CSU-Ehrenvorsitzende seine Memoiren geschrieben und vorgelegt, elf Tage vor seinem 80. Geburtstag.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          „Ehrlichkeit ist eine Währung“, heißt das Werk, 344 Seiten ist es lang. War es viel Mühe? „Da ich ja aus der Landwirtschaft stamme, darf ich sagen, es war eine Sauarbeit“, sagt er lachend, als er die Memoiren im Bayerischen Hof in München vorstellt. Im Saal mit Stuck an den Wänden, hinter ihm eine barocke Tapisserie, sitzt Waigel wie auf einer Art Thron und plaudert anekdotenreich, das Buch vor sich. Vom Prolog („Die Augenbraue“) bis zum Schlusskapitel mit Ratschlägen an die CSU („Kurs der Mitte halten“) bietet es die Summa seines politischen Wirkens gemischt mit Persönlichem, etwa den bewegenden Feldpostbriefen seines im Zweiten Weltkrieg gefallenen Bruders.

          Überraschend kurz ist das Buchkapitel „Mister Euro“ geraten. Befragt, ob denn alle Euro-Versprechen eingehalten wurden, etwa dass Mitgliedsländer nicht für die Schulden anderer einspringen müssen (in der Krise wurden Hilfskredite in dreistelliger Milliardenhöhe vergeben), weicht Waigel aus. Der Euro sei „keine Sturzgeburt gewesen“, sondern lange vorbereitet. „Und ohne die Währungsunion hätten wir in den letzten zehn Jahren der Finanzkrise Turbulenzen gehabt, da wäre uns Hören und Sehen vergangen“, sagt er leicht gereizt. Eine schreckliche Aufwertung der D-Mark hätte es gegeben, der Export wäre eingebrochen.

          Im Buch erwähnt Waigel nur kurz, dass es in den neunziger Jahren schon auch Bedenken von Ökonomen und große Skepsis in der Bevölkerung gab. Doch das tut er in Nebensätzen ab. Im Buch erwähnt er einige Theologen, Philosophen und Schriftsteller, aber keinen Finanz- oder Wirtschaftswissenschaftler. Die von einigen Historikern vertretene Ansicht, die Aufgabe der D-Mark sei der Preis für die Wiedervereinigung gewesen, nennt er „haltlose These“. Für ihn wie für Helmut Kohl war und ist der Euro ein Friedensprojekt. Die Aufnahme Griechenlands allerdings bezeichnet er als „fatalen Fehler“. Die vielen Verstöße gegen den Stabilitätspakt hätten ihm „Ärger“ bereitet, doch das stehe „auf einem anderen Blatt“.

          Im Buch lässt Waigel kompanieweise CSU-Politiker aufmarschieren, zuvorderst natürlich Franz Josef Strauß, später Streibl, Stoiber, Seehofer. Eigene Fehleinschätzungen, etwa zu optimistische Versprechen zur Wiedervereinigung, werden am Rande erwähnt. Dass die Entwicklung „hinter unseren Erwartungen zurückblieb“, möchte er „der Ehrlichkeit halber nicht verschweigen“.

          In den Bayerischen Hof hat Waigel ein paar Dinge mitgebracht: einen riesigen goldfarbenen Schlüssel, den ihm ein russischer Kommandeur zum Abzug der Truppen aus der Ex-DDR übergab. Sogar ein Bajonett seines Vaters aus dem Ersten Weltkrieg, das er im elterlichen Bauernhof im schwäbischen Oberrohr gefunden hat, zeigt er. Und zuletzt den schweren Mont-Blanc-Füllfederhalter, mit dem er 1992 den Maastricht-Vertrag unterschrieb. Die Hand habe ihm gezittert, aber nur, weil der Füller so klobig gewesen sei. „Ich würde es wieder machen“, fügt er hinzu.

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