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Teuerste Stadt der Welt : Immobilienpreise in London schon höher als in Monaco

  • -Aktualisiert am

Unverkäuflicher Big Ben: Wer aber in seiner Nähe wohnen will, braucht viel Geld Bild: picture-alliance/ dpa

Londons Immobilienmarkt scheint derzeit zu explodieren und macht Englands Hauptstadt zur teuersten der Welt. Vor allem Russen, Inder und die Investmentbanker treiben die Preise - und ein Ende ist nicht in Sicht.

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          Die Bank von England wird voraussichtlich am heutigen Donnerstag ihren Leitzins von 5,25 auf 5,5 Prozent heraufsetzen. Neben den kräftig gestiegenen Einzelhandelspreisen ist es vor allem die rasante Hauspreisinflation, die die Bank von England zu dieser Zinserhöhung veranlassen dürfte. Vor allem in London scheint der Immobilienmarkt zu explodieren. „Die Zinserhöhungen der Bank von England sind für die Investoren am Immobilienmarkt schnell ausgeglichen worden durch höhere Bezahlungen im Finanzsektor“, heißt es bei der Deutschen Bank in London.

          In der Tat wird in der Londoner City so viel Geld verdient, dass sich die Investmentbanker immer teurere Immobilien in der Innenstadt von London leisten können. Gleichzeitig profitiert eine neue Schicht von Reichen aus Russland, China, Indien und anderen Schwellenländern von den Früchten der Globalisierung. In keiner anderen Großstadt der Welt wird so viel von diesem Reichtum in Immobilien angelegt wie in London.

          „Die sanfte Landung hat hier nicht stattgefunden“

          Dem Online-Dienst Rightmove zufolge, der die Preise erfasst, zu denen Verkäufer ihre Immobilien auf den Markt geben, lag die Preisinflation am Londoner Immobilienmarkt im April bei einer Jahresrate von 25 Prozent. „Die starke Nachfrage durch den größeren Reichtum und die Leichtigkeit, mit der Hypotheken aufgenommen werden können, kommen hier mit einer Angebotsknappheit zusammen“, erklärt Rightmove die Preisexplosion. „Die sogenannte sanfte Landung der Preisabwertung hat hier gar nicht stattgefunden.“

          Während ein Haus in London im Durchschnitt im Frühjahr vergangenen Jahres noch umgerechnet 450.000 Euro kostete, sind es heute 560.000 Euro. In den teuersten Vierteln Londons, in Kensington und Chelsea, steigen die Preise derzeit jeden Monat um 10 Prozent an. Sie haben nach Angaben von Rightmove einen Durchschnittspreis von 1,96 Millionen Euro erreicht. In diesem Stadtgebiet lag die Jahresinflation im April bei 87,7 Prozent. Die Stadtteile Westminster, Camden, Richmond, Wandsworth, Kingston, Lambeth und Fulham haben alle jährliche Inflationsraten am Immobilienmarkt von derzeit um die 30 Prozent.

          Versteigerung von Häusern oft in letzter Minute

          Früher konnte man freilich noch einräumen, dass die Preise, die Verkäufer angeben, nicht unbedingt erzielt werden und dass die Preislisten von Rightmove daher möglicherweise überzogen seien. Das ist heute nicht mehr der Fall. Im Gegenteil: oft werden die Verkäufer davon überrascht, wie schnell sich die Käufer gegenseitig überbieten - ein Graus für Käufer, die schon einen Vorvertrag mit dem Verkäufer geschlossen hatten, nach britischem Recht aber dennoch in letzter Minute von einem anderen Bieter ausgestochen werden können. Viele Verkäufer erhalten heute oft Preise für ihre Immobilien, die sie sich nicht haben träumen lassen. Oft werden Häuser in letzter Minute über Angebote in geschlossenem Briefumschlag versteigert.

          Die Immobilien- und Baugesellschaft Knight Frank hat in einer globalen Analyse der Immobilienmärkte von Wohnadressen in erster Lage ausgerechnet, dass London mittlerweile die teuerste Stadt der Welt in Bezug auf ihre Immobilienpreise ist. Mit einem Preis von 35.000 Euro je Quadratmeter sind erstklassige Wohnlagen sogar teurer als Monaco, gefolgt von New York, Hongkong, Tokio, Cannes und Saint-Tropez. Krassere Preisanstiege als London verzeichneten im vergangenen Jahr nur die erstklassigen Lagen in Sankt Petersburg, Moskau, Delhi, Bombay und Kapstadt.

          „Diskrepanz der Vermögen wird sich noch ausweiten“

          Knight Frank führt diesen rasanten Preisanstieg auf die neue soziale Schicht der reichen Globetrotter zurück, der sogenannten HNWI (High Networth Individuals), die im Finanzsektor, in Handelsgeschäften der Globalisierung und den Medien ihr Geld verdienen und es weltweit investieren, vor allem in Luxuswohnungen in Weltstädten wie London. Es seien vor allem die „Plutonomies“, die von diesen Investitionen profitierten, also Städte in Ländern, in denen die Reichen besonders profitierten. Plutonomies sind nach dieser Definition Länder, in denen der Unterschied zwischen Arm und Reich besonders groß ist, wo die Reichen von Finanzinnovationen, großzügiger Regulierung, hoher Produktivität und einem dem Kapitalismus zugewandten System profitieren und wo Reiche investieren können, weil Steuervorteile und eine offene Einstellung gegenüber der Immigration dies erlauben. All dies sei in Großbritannien und vor allem in London der Fall.

          Seit 1978 sei das Volkseinkommen, das die reichste Schicht in Großbritannien (ein Prozent der Haushalte) erhalte, von 6 auf 13 Prozent des Gesamtvolkseinkommens gestiegen. Dies sei fast so viel, wie die Reichen in den Vereinigten Staaten mit einem Anteil von 15 Prozent des Volkseinkommens einstrichen, heißt es bei Knight Frank. „Wir prognostizieren, dass sich diese Diskrepanz der Vermögen nur noch ausweiten wird“, sagt Knight Frank. In den vergangenen 23 Jahren seien die Preise für Wohneigentum in erstklassigen Londoner Lagen um 680 Prozent gestiegen gegenüber einem Preisauftrieb in Großbritannien von durchschnittlich 490 Prozent. „Reichtum aus den Vereinigten Staaten, Europa, Russland, dem Mittleren Osten und Asien wandert um die Welt und wird letztlich über oder in London investiert.“ Dies werde die Immobilienpreise weiterhin stark beeinflussen.

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