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Doch keine Papierhalme? : Tetra Pak kämpft für den Plastikstrohhalm

Viele Unternehmen, Städte und Regierungen wollen den Plastik-Strohhalm verbieten Bild: Reuters

Die Verpackungen von Tetra Pak sind weltweit bekannt – Plastikstrohhalm inklusive. Trotz einer eigenen Umweltinitiative hält der Konzern an dem in Ungnade gefallenen Halm fest.

          Noch vor einem Monat hatte der Verpackungsriese Tetra Pak verkündet, bis zum Ende dieses Jahres Papierstrohhalme für seine beliebten Saft-Kartons einzuführen. Einem Bericht der Financial Times (FT) zufolge will sich der Konzern aber mitnichten von der Verwendung von Plastikstrohhalmen verabschieden.

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          In einem Brief soll sich Vertriebschef Charles Brand an Kunden gewendet und erklärt haben, dass die Ankündigung von Strohhalmen aus Papier lediglich eine Reaktion war auf „den wachsenden Trend einer negativen öffentlichen Meinung über Plastikstrohhalme und das Bestreben von Regierungen auf der ganzen Welt, ihre Nutzung zu reduzieren“.

          Er fügte hinzu, dass der Konzern sich jedoch weiterhin bei Politikern, Regulatoren und Umweltgruppen für den Plastikstrohhalm einsetzen werde. Sie seien schließlich sehr funktionell.

          Supermärkte und Städte wenden sich vom Plastikhalm ab

          „Wir werden an unserem Argument festhalten, dass der Effekt (von Plastikstrohhalmen, Anm. d. Red.) aus ökologischer Perspektive signifikant niedriger ist als die meisten anderen Verpackungen von Flüssignahrungsmitteln“, wird Brand von der FT zitiert.

          Seit David Attenboroughs BBC Dokumentationsreihe „Blue Planet II“ dem Kampf gegen Plastikmüll neuen Aufwind verschafft hat, sind für den Plastikstrohhalm schwere Zeiten angebrochen.

          Neben der britischen Regierung haben auch die Hilton Hotelgruppe, die Kaffee-Kette Costa Coffee und die Stadt Seattle Strohhalme aus Plastik verbannt. Zuletzt hat die kanadische Stadt Vancouver ein Verbot von Plastikstrohhalmen angekündigt.

          Alternativen zu finden, ist schwer

          Auch die EU hat ein Verbot von Plastikgeschirr vorgeschlagen. Demnach sollte der Verkauf von Gabeln, Messern, Löffeln, Strohhalmen und Essstäbchen aus Plastik untersagt werden. Die Pläne werden derzeit noch geprüft. Zudem wird über die Einführung einer EU-weiten Plastiksteuer diskutiert. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sprach sich jedoch gegen eine solche Steuer auf Kunststoffverpackungen aus.

          Eine Sprecherin von Tetra Pak wies Vorwürfe zurück, die Öffentlichkeit und Kunden mit den abweichenden Botschaften zu verwirren. Der Konzern teile die Sorgen der Menschen über Plastikmüll und arbeite unter Hochdruck daran, Papierstrohhalme zu entwickeln. Bis Ende 2018 sollen sie einsatzbereit sein, allerdings werde es etwas länger dauern, bevor das Unternehmen sie im großen Stil produzieren und in den Handel bringen kann.

          In der Zwischenzeit werde Tetra Pak seine Bemühungen beschleunigen, Kunden dazu aufzufordern, den Strohhalm nach dem Austrinken zurück in den leeren Trinkkarton zu schieben. So sollen sie besser gesammelt und recycelt werden können.

          Zahlreiche Supermärkte in Großbritannien haben sich dafür ausgesprochen, unnötiges Plastik bis 2025 aus ihren Regalen zu verbannen. Die Herausforderungen, mit denen auch Tetra Pak in der Produktion brauchbarer Alternativen konfrontiert ist, unterstreichen jedoch, wie schwierig dieses Vorhaben ist.

          Supermärkte haben große Probleme damit, Alternativen etwa für Plastikfolien zu finden, die die Haltbarkeit von Obst und Gemüse verlängern. Kritiker befürchten zudem, dass das Abschaffen von Plastikfolien die Umweltbilanz der Produkte verschlechtern könnte.

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