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Testament : Thiele vererbt Milliardenvermögen an eine Familienstiftung

Heinz Hermann Thiele Bild: Knorr-Bremse AG / AFP

Der Ende Februar verstorbene Industrielle Heinz Hermann Thiele hat in einem Testament seinen Milliarden-Nachlass geregelt. Was passiert mit den Anteilen an Lufthansa?

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          Heinz Hermann Thiele ist es bis zum Schluss gelungen, seinem Prinzip treu zu bleiben – dem des vorsichtigen, rational kalkulierenden, vorausschauenden Geschäftsmannes. Dieses Prinzip hat ihn zu einem der erfolgreichsten Unternehmer Deutschlands und zu einem der Reichsten gemacht hat. Kern seines Vermögens von mehr als 16 Milliarden Euro ist der Nutzfahrzeug- und Bahnzulieferer Knorr-Bremse, den er als Angestellter 1985 von den Eigentümern in der Existenzkrise übernommen hatte und zum Weltmarktführer machte.

          Rüdiger Köhn
          (kön.), Wirtschaft

          Mit unternehmerischer Weitsicht ist ihm wohl auch der Übergang seines Lebenswerkes in eine neue Zukunft ohne Heinz Hermann Thiele gelungen. Nur vier Wochen nach dem plötzlichen Tod des Industriellen und eine Woche vor seinem 80. Geburtstag ist dessen Erbe geregelt. Per Testament hat er verfügt, einer der in Deutschland bislang größten Hinterlassenschaften in eine Familienstiftung zu übertragen. In den vergangenen Wochen wurde immer wieder gerätselt, ob die von ihm schon vor etwa drei Jahren eingeleiteten Bemühungen zum Abschluss gekommen sind. Ein komplexes, juristisch wie steuerrechtlich überaus herausforderndes Konstrukt musste gefunden werden, wie Thiele es selbst einmal zu Lebzeiten erzählt hatte.

          Am Donnerstagabend gab die börsennotierte Knorr-Bremse AG bekannt, Thiele habe in seinem Testament verfügt, dass die über Holding-Gesellschaften gehaltenen Anteile von 59 Prozent in eine Familienstiftung überführt werden soll. Bis zum späten Donnerstagabend folgten zwei weitere Stimmrechtsmitteilungen, wonach die 50,09 Prozent am ebenfalls an der Börse gehandelten Bahntechnikkonzern Vossloh in neuen Besitz übergegangen sind; wie auch die Beteiligung an der Deutschen Lufthansa, die aber nur noch einen Anteil von 10,04 Prozent meldete statt der bislang angenommenen 12,42 Prozent.

          Errichtung der Stiftung soll bis Jahresende abgeschlossen sein

          Ganz fertig geworden ist Thiele mit dem geordneten Übergang des Lebenswerk zwar nicht. Aber er hat den Weg klar vorgezeichnet, der noch etwa ein dreiviertel Jahr zu beschreiten sein wird. Ehefrau und Witwe Nadia Thiele, 45 Jahre alt, wird zunächst formal die Holding-Anteile von Thiele halten und dann kraft Testament in die Familienstiftung überführen. Die Errichtung der Stiftung solle bis zum Ende dieses Jahres abgeschlossen werden, teilte Knorr-Bremse mit. Als Testamentsvollstrecker hat Thiele seinen langjährigen Vertrauten, den Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Robin Brühmüller, ernannt. Er ist beauftragt, die Stiftung zu errichten und an den Start zu bringen. Bis dahin stehen die Anteile unter Testamentsvollstreckung von Brühmüller.

          „Heinz Hermann Thieles Wunsch war es, Knorr-Bremse langfristig abzusichern; genau das wird durch die Gründung der Familienstiftung umgesetzt“, wird Brühmüller in der Pressemitteilung zitiert. Weitere wesentliche Gesellschafterin der Holding-Gesellschaften ist zudem unverändert Thieles Tochter Julia Thiele-Schürhoff, 49 Jahre. „Die Familienstiftung sichert das Lebenswerk meines Vaters und legt die Grundlage für den künftigen Erfolg von Knorr-Bremse durch Kontinuität und Stabilität“, sagte sie via Pressemitteilung. Die Juristin ist seit 2002 als Rechtsberaterin bei Knorr-Bremse tätig gewesen, führt den von ihr 2005 gegründeten gemeinnützigen Verein Knorr-Bremse Global Care und gehört seit 2016 dem Aufsichtsrat an. Ihr Bruder Henrik, 53 Jahre, wird mit keinem Wort erwähnt. Er hat sich im Streit mit seinem Vater 2017 aus dem Unternehmensverbund herauskaufen lassen.

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