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Online-Shop für Autos : Teslas gefährliches Wendemanöver

  • -Aktualisiert am

Tesla-Chef Elon Musk bei einer Pressekonferenz im Kennedy Space Center in Folirda Bild: AFP

Dass Elon Musk seine Autos künftig nur noch online vertreiben will, ist nicht etwa eine clevere Geschäftsstrategie. Der Tesla-Chef muss sparen. Das hat nicht zuletzt mit dem Hoffnungsträger des Model 3 zu tun. Ein Kommentar.

          Der Elektroautobauer Tesla ist nur etwas für Anleger, denen der Nervenkitzel so wichtig ist wie die Hoffnung auf Rendite. Elon Musks Hang zu frechen und vorschriftswidrigen Twitter-Mitteilungen, mit denen der Tesla-Chef regelmäßig die amerikanische Börsenaufsicht SEC gegen sich aufbringt, muss man als Anleger schon ungewöhnlich reizvoll finden, mindestens jedoch tolerieren. Auch Musks forschen Ankündigungen, dass Tesla dauerhaft profitabel wird, muss man etwas abgewinnen können. Und an die jüngste aufregende Wendung müssen Anleger auch fest glauben: Tesla will nämlich fast alle Autohäuser schließen und seine Fahrzeuge nur noch übers Internet verkaufen.

          Ein Online-Shop für schicke Karossen, das soll wohl so klingen wie eine clevere Strategie in Zeiten, wo alles Mögliche im Netz eingekauft wird. Aber abgesehen davon, dass Autofahrer auch sinnliche Menschen sind und ihr Wunschfahrzeug gerne vorab aus der Nähe betrachten und testen wollen: Die Idee, Fahrzeuge nur noch online zu vertreiben, ist eher aus der Not geboren. Letztlich geht es Musk vor allem darum, dass Tesla unbedingt viel Geld sparen muss, um das mutmaßlich massentaugliche Model 3 endlich so günstig zu verkaufen wie ursprünglich versprochen.

          Zweifel an Model 3

          Teslas Sparkurs zeigt sich auch daran, dass noch mehr Stellen gestrichen werden sollen als schon im Januar angekündigt. Im vergangenen Jahr hat Musk noch richtig viel neues Personal eingestellt, um die Autoproduktion anzutreiben. Das ist auch ordentlich gelungen. Wie Musk es künftig schaffen will, mit weniger Leuten noch mehr Qualitätsautos herzustellen, bleibt vorerst sein Geheimnis. Zumal das Model 3 als Hoffnungsträger schon jetzt nicht über jeden Zweifel erhaben ist, häufen sich doch in letzter Zeit die Beschwerden von Kunden.

          Erschwerend kommt hinzu, dass am Freitag eine 2013 begebene Wandelanleihe fällig wurde. Musks eigentlicher Plan, die Anleihe jeweils zur Hälfte in Bargeld und Aktien zu bezahlen, ging grandios schief. Der Aktienkurs liegt deutlich unter der einst vereinbarten Wandelschwelle. Das heißt: Tesla muss nun 920 Millionen Dollar berappen – ein Viertel der Barreserven. Und das bei zehn Milliarden Schulden.

          Zugleich hat Musk angedeutet, dass Tesla die ersten beiden Quartale 2019 wohl wieder im Minus abschließen werde. Der Aktienkurs verlor daraufhin fast acht Prozent. Vielen Anlegern wird der Nervenkitzel offenbar zu groß.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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