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Tennis-Ikone : Wie Roger Federer zum erfolgreichen Unternehmer wurde

Derartige Verträge fallen selbst in der von Finanzexzessen geprägten Welt des Spitzensports nicht vom Himmel. Sie zeigen, dass die Marke Federer weit über den sportlichen Glanz hinaus strahlt. Und das liegt an der besonderen Persönlichkeit Federers, wie der Sportjournalist René Stauffer in seiner neuen Biographie über Federer schreibt: „Er war nie ein strategisch positionierter, maßgeschneiderter, extravaganter Star, sondern stand rasch für Werte wie Bescheidenheit, Bodenständigkeit, Glaubwürdigkeit, Natürlichkeit und Verantwortungsbewusstsein.“ Tatsächlich ist Federer trotz seiner vielen Erfolge nie abgehoben; Starallüren sind ihm fremd. Seine sympathische, unprätentiöse Art hat ihn weit über die Schweiz hinaus, wo er als Nationalheld gefeiert wird, zum Publikumsliebling avancieren lassen, wie man am Sonntag auch in Wimbledon hören und sehen konnte.

Während andere Superstars wie Lionel Messi, Cristiano Ronaldo oder Tiger Woods mit Steuer- und/oder Sexskandalen in die Schlagzeilen gerieten, blieb es um den Schweizer jenseits des Tennisplatzes stets vollkommen ruhig. Seine Ehe mit der ehemaligen Tennisspielerin Mirka, die für ihn eine sehr wichtige Stütze und Beraterin ist, gilt als vorbildlich. Das Paar hat zwei Zwillingspärchen, die regelmäßig mit auf Tour gehen, was dem Familienmenschen Federer nach eigenem Bekunden viel Kraft und Motivation gibt.

Alle Fäden in der Hand

Doch das makellose Image ist es nicht allein, was die Sponsoren so tief in die Tasche greifen lässt. Vielmehr ist Federer ein Partner, auf den sie sich verlassen können. Wenn er als Stargast einer Veranstaltung eines Werbepartners auftritt, bleibt er in der Regel geduldig und freundlich so lange auf Deck, bis alle Fragen beantwortet und alle Selfie-Wünsche erfüllt sind. Auch deshalb, so heißt es, will zum Beispiel die Credit Suisse den Ende 2019 auslaufenden Vertrag mit Federer als Markenbotschafter nur allzu gerne verlängern.

So akribisch sich Federer auf ein Turnier vorbereitet, so fokussiert agiert er auch in geschäftlichen Dingen. Während viele Fußballer Geld- und Vertragsfragen ihren Beratern überlassen, behält er stets die Fäden in der Hand. Er verhandelt nicht jedes Detail eines Vertrags, weiß am Ende aber ganz genau, was drinsteht. Federer ist Chef einer kleinen, aber feinen Unternehmensgruppe, die längst über den Tennis-Tellerrand hinausblickt und aus einem eingeschworenen Kreis langjähriger Mitarbeiter und Berater besteht.

Der wichtigste Vertraute außerhalb der Familie ist Tony Godsick. Der Amerikaner hatte Federer einst im Dienst einer Sportagentur vermarktet. Doch der Tennis-Star wollte dieses Kerngeschäft in die eigenen Hände nehmen und gründete gemeinsam mit Godsick und weiteren Partnern seine eigene Agentur namens Team8, die nicht nur ihn selbst, sondern auch andere große Athleten betreut, selbst von außerhalb der Tenniswelt.

Seine Stiftung hat Federer ebenfalls sehr professionell aufgebaut. Seit der Gründung vor mehr als zehn Jahren hat die Roger Federer Foundation mehr als 40 Millionen Franken in Kinderbildungsprojekte im südlichen Afrika gesteckt. Dieser Herzensangelegenheit wird sich der Schweizer, wenn er seine Karriere einmal beendet, vermutlich noch viel stärker zuwenden. Das traurige Schicksal von Boris Becker, der nach seiner Tennislaufbahn in ein tiefes Loch fiel und finanziell so planlos agierte, dass er jüngst zusehen musste, wie Teile seines Besitzes (Uhren, Pokale, Medaillen) versteigert wurden, wird Federer gewiss nicht ereilen.

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 Unsere Autorin: Anna-Lena Ripperger

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